5 Fragen - 10 Antworten
1. Ist der Zölibat schuld an den sexuellen Übergriffen von Priestern auf Kinder?
2. Sind Kinder in Internaten mehr gefährdet, missbraucht zu werden?
3. Wieso bricht erst jetzt die Mauer des Schweigens?
4. Leiden Opfer ein ganzes Leben lang an solchen Übergriffen?
5. Wie können Kinder vor Missbrauch geschützt werden?
Michael Rosenberger Moraltheologe
1. Direkt gibt es keinen empirischen Nachweis, dass der Zölibat die Wahrscheinlichkeit zur Pädophilie erhöht. Aber ich muss zugeben, dass der Zölibat es begünstigt, nicht über die eigene Sexualität nachzudenken. Nähe, menschliche und körperliche, gehört zum Grundbedürfnis des Menschen und ist eine starke Kraft. Das Thema Sexualität wird in der Kirche völlig verdrängt. Dadurch sind sich manche Täter gar nicht bewusst, dass sie pädophile Neigungen haben.
2. Überall dort, wo es Machtgefälle gibt, ist die Gefahr des sexuellen Missbrauchs höher als in egalitären Verhältnissen. Das gilt nicht nur für Internate, sondern auch für Familien. Es ist ja eine Tatsache, dass 90 Prozent aller Missbrauchsfälle in der Familie zu finden sind.
3. Für die Opfer ist die Situation schwierig, weil Autoritätspersonen häufig anerkannte Personen sind. Oft waren das beliebte Lehrer, Erzieher oder Priester. Das bringt ein Opfer in einen Zwiespalt: Jetzt muss ich über jemanden schlecht denken, den ich bisher nett fand. Opfer brauchen enormen Mut über Vorfälle zu sprechen.
4. Das ist sehr unterschiedlich und hängt auch von der Schwere des Missbrauchs ab: War es ein verbaler Angriff oder wirklich körperlicher Missbrauch? Und auch bei zweiterem muss man unterscheiden. Täter jedenfalls verdrängen ihr Handeln oft als wäre es nie geschehen. Es kommt bei ihnen manchmal erst dann wieder ins Bewusstsein, wenn der Fall an die Öffentlichkeit gelangt.
5. Ein starkes Selbstbewusstsein hilft Kindern sich in gewissen Situationen nicht zu fügen. Sie müssen nein sagen können – das schreckt auch die Täter hab, die oft ein sehr geringes Selbstbewusstsein haben. Außerdem sollten Eltern oder Vertrauenspersonen das Kind ermutigen über alle Dinge, auch Tabus, offen zu sprechen. Und dann spielen natürlich auch noch sensible Pädagogen eine Rolle, die Hinweise erkennen.
Werner Leixnering Kinderpsychiater
1. Sagen wir, der Zölibat erleichtert das Problem nicht unbedingt. Er erhöht das Risiko, wenn jemand gewisse Neigungen hat und damit nicht umgehen kann.
2. Diese Form des Internatslebens, der strengen, rigiden Pädagogik, gibt es heute nicht mehr. Der Stil, wie früher mit jungen Menschen umgegangen wurde, war viel autoritärer. Und genau das erleichterte den Missbrauch, weil die Kinder große Angst hatten und sich nichts trauten.
3. Viele Fälle liegen Jahrzehnte zurück. Weil der Missbrauch in Kirchenkreisen öffentlich thematisiert wird, haben die Opfer Mut gefasst und trauen sich jetzt darüber zu reden. Eher haben sie es nicht gewagt, weil sie meinten, ihnen würde ohnehin keiner glauben, oder Angst hatten, blöd da zu stehen. Dazu kommen Schuldgefühle, Mittäter zu sein. Je jünger Menschen in Missbrauchsfällen sind, umso eher neigen sie dazu. Unglaublich, dass da ein Zwölfjähriger, wie in jenem Fall in Salzburg, auch noch bei dem Pater Unkeuschheit beichten musste, der ihn laut dessen Aussagen missbraucht hat.
4. Wichtig ist, dass Opfer ermutigt werden, über den Missbrauch zu reden. Es darf aber nicht passieren, dass sich diese Menschen über öffentlichen Druck outen. All jene, die längst reden wollten, sollen Mut fassen, es zu tun. Denn therapeutisch kann man schon viel machen, damit Menschen nicht ein Leben lang leiden müssen.
5. Das Risiko, dass die Kirche Männer mit gewissen Neigungen aufnimmt, ist hoch, wenn es nicht strenge Auswahlkriterien gibt, ehe jemand Priester wird. Das kann nicht alles sein, wenn sich einer zum Priester berufen fühlt. Die Kirche sollte auch die Persönlichkeit der Menschen berücksichtigen. Prävention auf Seiten der Kinder ist, ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Da sind wir gesamtgesellschaftlich auf dem Weg, ihnen zu sagen: „Ihr dürft euch wehren und darüber reden, wenn etwas nicht passt“.
Österreich hat ohnehin sehr lange dazu benötigt.
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Aber jetzt werden die Überreste der (meist konservativen) Lebenslügen gerade aus den Verkrustungen herausgesprengt. Bravo!
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Ende des Vertuschens. Ende des Wegsperrens. Ende der doppelzüngigen Obrigkeit. Ende der Angst. Ende der Abhängigkeit. Ende GUT, ALLES gut!
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Die wichtigste Antwort, die aus meiner Sicht hier steht, ist jene, die sich auf „Missbrauch durch Macht“ bezieht.
• Macht durch Hierarchie (Bürokratie, …),
• Macht durch erzwungenen Gehorsam (Kirche, Bundesheer, …),
• Macht durch Positions-Missbrauch (Eltern, Lehrer, …),
• Macht durch Abhängigkeit (Arbeitgeber/-Nehmer, Sozialstaat, AMS, …),
• Macht durch alle möglichen respektlosen Formen der unchristlichen Nichtliebe des Nächsten
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… gehören scheinbar endgültig und ENDLICH der baldigen Vergangenheit an.
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Das bedeutet auch das Ende von "Hände falten, Goschen halten!"
Die „Revolution des Individuums“ steht vor der Tür.
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Nachdem die 68er die kranken gesellschaftlichen Zwänge der Nachkriegszeit geändert haben, kommt jetzt die Zeit, die kranken geistigen Zwänge der heutigen Gesellschaft zu beseitigen.
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Hinweis: die Rechts-Groteske hat damit nichts Positives zu tun, außer dass sie dieser Entwicklung im Wege steht.
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