Ich gehöre zu der Sorte Politiker die sich nicht allzu oft selbst mitteilen, die vergessen, dass man zu so vielen Themen eine Wortmeldung abgeben könnte oder die sich (selbst schuld) nicht medial in den Vordergrund drängen.
Heute aber muss ich in unsere kleine/große Welt hinausschreien: Ein guter Freund, ein politscher Weggefährte, ein Mensch der seine Heimatstadt Ansfelden geprägt hat, der in Linz-Land und in OÖ auf seine Art „wer war“ hat sich das Leben genommen – Walter Ernhard. Als ich die Nachricht als einer der Ersten erhalten habe, hat es mir den Hals zugeschnürt – ich weiß jetzt noch nicht, soll ich laut schreien, soll ich weinen oder soll ich mich einfach in Stille alleine zurückziehen und eines Menschen, den ich und viele gemocht haben, gedenken. Um mich herrscht Leere und so viele Dinge sind auf einmal nebensächlich.
Ein Spiegelbild dessen, was man von PolitikerInnen verlangt, wie man sie sieht und wie dann das wahre Leben hinter der oft aufgesetzten Fassade aussieht. Wir sollen stärker sein als andere, das erwartet man von unserer Kaste, wir sollen immer die richtigen Entscheidungen treffen, vor allem mehr aushalten und einstecken können als andere (deshalb sind wir ja PolitikerInnen und nicht „normale“ Menschen).
Es fragt keiner, wie es uns geht, wenn wir unpopuläre Maßnahmen treffen müssen, wir müssen hinaus auf die Bühne ins Scheinwerferlicht des Alltags und immer großartig die Hauptrolle spielen – egal wie es uns dabei geht.
So haben manche auch den Walter Ernhard gesehen. Groß, stark, mächtig – einer, der was zu sagen hat – hat ihn je jemand gefragt, wie es in seinem Inneren ausschaut, wenn man mit dem Finger auf einen zeigt, wenn man vielleicht in der Wortwahl oder der Wahl der Mittel, mit denen man PolitikerInnen begegnet, nicht zimperlich umgeht. Manche können lange weg/einstecken, man weiß aber nie, wann deren Schutzschild eines Tages zerbricht.
Hinter einer nach außen stark oder hart wirkenden Fassade, einem fröhlichen Erscheinungsbild eines Menschen wie Walter einer war, steckt allzu oft ein sehr verletzlicher Kern, eine zarte Pflanze, die sich lange im Wind biegen lässt – eines Tages kann ein unachtsamer Hauch genügen und sie ist geknickt.
War es ein Hauch, war es ein Sturm, was immer es war... Der Mensch Walter Ernhard, der für seine MitbürgerInnen und seine SPÖ seinen Rucksack getragen hat, ist für immer unaufrichtbar geknickt worden.
Wir können ihn nicht mehr zurückholen, ich bin in tiefer Trauer bei seiner Frau, seinem Sohn, seinen Angehörigen , bei allen Ansfeldnerinnen und Ansfeldnern.
Wir Menschen, die glauben, Politik machen zu können oder zu müssen, egal welcher Gesinnung, wir alle Menschen, die Politikerinnen und Politikern alleine z.B. in Sprechstunden oder in der Öffentlichkeit, bei Festen etc. begegnen, wir sollen ganz stark in uns gehen und überdenken, wie wir miteinander reden, uns schriftlich Dinge öffentlich ausrichten und wie wir über andere in deren Abwesenheit richten!
Mario Mühlböck ist Bürgermeister von Wilhering und Landtagsabgeordnter a.D.
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