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Oberösterreich

Nach Ernhard-Selbstmord: Betroffenheit in Ansfelden

ANSFELDEN. Nach dem Selbstmord von Bürgermeister Walter Ernhard am Mittwoch herrscht Betroffenheit in Ansfelden. Eine Obduktion bestätigte, dass sich das Stadtoberhaupt selbst das Leben genommen hat. Die Amtsgeschäfte führt vorläufig sein Parteikollege Vizebürgermeister Karl Pichler (SPÖ).

Hinsichtlich des Motivs für den Suizid gebe es „viele Spekulationen“, so der oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl. Ernhard habe im Abschiedsbrief an seine Familie „einige Andeutungen“ gemacht, berichtete Lißl. Genaueres wollte er dazu aber nicht sagen.

Der Selbstmord könne mit einer Plakatkampagne gegen den verstorbenen Bürgermeister ebenso zusammenhängen wie mit Finanzproblemen der Gemeinde oder mit gesundheitlichen Problemen. Die Suche nach jenem Unbekannten, der dem Bürgermeister Anfang Februar ein Paket mit toten Mäusen geschickt hat, habe in Zusammenhang mit dem Suizid „keine Bedeutung“.

Ernhard hatte - wie berichtet - eine Pralinenschachtel mit zwei toten Mäusen erhalten. In einem der Sendung beigelegten Brief machte der Absender ihn u.a. für Ansfeldens schlechte Finanzlage verantwortlich. Die Unterschrift war nicht zu entziffern. Der Bürgermeister, der als streitbarer Geist galt, war nach der Affäre sichtlich getroffen und gesundheitlich angeschlagen.

Keine Drohung - kein Strafverfahren

Das strafrechtliche Verfahren sei bereits wieder eingestellt worden, weil in dem Brief keine Drohung ausgesprochen worden sei, erklärte Lißl. Er sei auch nicht der Ansicht, dass die Sache nach dem Freitod Ernhards wieder juristisch relevant werde. Die Polizei habe versucht, den Absender ausfindig zu machen. Nach dem Ableben des Bürgermeisters sei das aber nicht mehr von großer Bedeutung.

In Ansfelden hielt man sich am Donnerstag vorerst bedeckt. „Wir wissen noch gar nicht, wie es weitergeht“, hieß es aus dem Büro des geschäftsführenden Bürgermeisters. Die Gemeinde kündigte eine offizielle Stellungnahme an, sobald die Leiche freigegeben ist.

Gemeindebund-Chef: Bürgermeister häufiger bedroht

„Leider haben wir seit einigen Jahren mit Todesfällen von Bürgermeistern im aktiven Dienst zu kämpfen.“ Besorgt reagierte Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer auf den Selbstmord des Ansfeldner Stadtoberhaupts Walter Ernhard. In den vergangenen drei bis vier Jahren seien sechs aktive Amtsinhaber gestorben. Immer häufiger würden Bürgermeister auch bedroht.

Die psychische Belastung nehme von Jahr zu Jahr zu, beklagte Mödlhammer. „Das ist sicherlich ein Grund für diese traurige Entwicklung.“ Viele Bürgermeister hätten nebenbei noch einen zivilen Job und daher ein „unglaubliches Arbeitspensum“. Immer wieder käme es daher zu Burn-out-Fällen oder anderen gesundheitlichen Problemen. „Auch die Fälle, in denen Bürgermeister brieflich oder persönlich bedroht werden, häufen sich massiv“, sagte Mödlhammer.

Jüngstes Beispiel sei das Gemeindeoberhaupt von Wölbling (Bezirk St. Pölten-Land) in Niederösterreich. Gottfried Krammel habe kürzlich einen Drohbrief samt einem leeren „Mon Cherie“-Papier erhalten. Der Vorfall weckt Erinnerungen an das Giftattentat auf den Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger, der im Februar 2008 eine vergiftete Praline aß und seither ein Pflegefall ist.

Im Jahr 2008 bekam der ehemalige Bürgermeister von Weißkirchen (Bezirk Wels-Land) in Oberösterreich, Rudolf Prinz, ein mit Buttersäure gefülltes Paket und wurde beim Öffnen leicht verletzt. Zwei weitere Sendungen an Kommunalpolitiker und zwei an Verwaltungsmitarbeiter fing die Polizei rechtzeitig ab.

Und Walter Ernhard, der seinem Leben gestern ein Ende machte, hatte kürzlich ein Paket mit zwei toten Mäusen erhalten und war seither gesundheitlich angeschlagen.

Mödlhammer: Bessere Rahmenbedingungen für Bürgermeister

Mödlhammer forderte bessere Rahmenbedingungen für Bürgermeister. „Wenn ich mir anschaue, wie schlecht die große Absicherung in diesem Amt ist und wie groß die Belastungen sind, dann wundert es mich nicht, dass wir Probleme haben, Kandidaten zu finden“, so der Gemeindebund-Präsident.

Kommentare
Artikel 04. März 2010 - 10:15 Uhr
apa/nachrichten.at
Bild vergrößern Ansfeldner Stadtchef nahm sich das Leben

Walter Ernhard ist tot.  Bild: Renate Schiesser

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"Heute tote Mäuse, morgen bist du mausetot"

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