OÖN: Master of Science: Was bedeutet Ihnen dieser Titel, Herr Pöchtrager?
Pöchtrager: Ich spüre große Erleichterung und innere Zufriedenheit, ein Ziel erreicht zu haben. Bei der Feier war auch meine 83-jährige Mutter, die eine Riesenfreud’ darüber hatte, dass ihr Sohn im betagten Alter noch ein Studium durchgezogen hat.
OÖN: Warum haben Sie sich nach 30 Jahren als Lehrer diese berufsbegleitende Ausbildung angetan?
Pöchtrager: Ich habe es nicht wegen des Titels gemacht. Meine Motivation war vor allem Interesse und Neugierde. Ich habe immer schon versucht, die Qualität im Unterricht zu verbessern und viele Fortbildungen besucht. In der EDV muss man sich einfach weiterbilden, um auf dem neuesten Stand zu sein.
OÖN: Sie haben das Spezialgebiet „Informationsmanagement und E-Learning“ studiert. Ist die Informatik Ihre Leidenschaft?
Pöchtrager: Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema. Meine Lehrerausbildung habe ich für Mathematik und Sport gemacht. Vor 22 Jahren kam Informatik dazu. Damals haben wir die ersten Computer an der Hauptschule St. Peter gekauft. Die Informationstechnologie bietet viele Möglichkeiten, die Stunden interessanter zu gestalten.
OÖN: Welche?
Pöchtrager: An meinem Unterricht soll keiner meiner Schüler nur teilnehmen. Damit meine ich, dass sie nicht passiv in den Reihen sitzen, sondern selbst arbeiten und sich um den Wissenserwerb kümmern sollen. Mit E-Learning können Kinder leichter und eigenverantwortlich lernen.
OÖN: Wie funktioniert das genau?
Pöchtrager: Gemeinsam mit anderen Lehrern erstelle ich E-Learning-Unterlagen. Damit haben talentierte Schüler die Möglichkeit, sich die Inhalte selbst anzueignen. Uns Lehrern bleibt mehr Zeit, Schwächere zu fördern. Die Schulstunden konzentrieren sich so auf das Lernen und nicht auf den Lehrer.
OÖN: Und das Lernen geht dann über die Schule hinaus.
Pöchtrager: Der Klassenraum wird nach Hause erweitert. Viele Unterlagen, Übungsmaterialien und Merktexte stehen auf einer Internetplattform zur Verfügung. Daheim können die Jugendlichen die Unterrichtsinhalte wiederholen und sogar einzelne Denkschritte aus dem Unterricht nachvollziehen. Das alles geht mit digitalen Medien.
OÖN: Wie haben Sie sich als erfahrener Lehrer in der Rolle als Student gefühlt?
Pöchtrager: Mit unseren Vortragenden hatten wir ein sehr partnerschaftliches Verhältnis. Die Vorlesungen waren zielgerichtet, weil wir unsere eigenen Erfahrung einfließen lassen konnten.
OÖN: War es schwer, Arbeit und Studium zu vereinbaren?
Pöchtrager: Das Studium war sehr zeitaufwändig. Manchmal bin ich an die Grenze der Belastbarkeit gestoßen. Vor allem das wissenschaftliche Arbeiten war herausfordernd. Da habe ich mich mit meiner Tochter, die auch studiert, ausgetauscht.
OÖN: Und die Mühe hat sich letztendlich wohl ausgezahlt?
Pöchtrager: Auf alle Fälle. Ich habe wahnsinnig viel davon profitiert. Es ist bereichernd, das Erlernte und Erarbeitete gleich selbst im Unterricht anzuwenden. Die Hintergründe helfen mir, das E-Learning für meine Schüler noch besser einzusetzen.
OÖN: Haben Sie jetzt Lust auf die nächste Weiterbildung bekommen?
Pöchtrager: Noch ein Studium werde ich nicht beginnen, auch aus Rücksicht auf meine Frau. Fortbildungen werde ich aber auch weiterhin besuchen. Ich möchte am Ball bleiben. Aber jetzt habe ich mir einmal vorgenommen, mehr Zeit mit der Familie, Verwandten und Freunden zu verbringen. Denn wer nur an die Arbeit denkt, läuft Gefahr, aufzuhören zu leben.
Kinder-Nachrichten: Die ganze Welt für unsere jungen Leser
Ein Drittel der Amag steht zum Verkauf: Raiffeisen und B&C als Interessenten?
Auch bei minus 14 Grad ist die kurze Hose Pflicht
„Der Freitag des Zorns“: Gewaltausbruch in Kairo