Der entscheidende Fehler der Unterrichtsministerin war, dass sie mit ihrer Forderung nach zwei Stunden Mehrarbeit für jeden Lehrer an die Öffentlichkeit gegangen ist, ohne vorher mit der Gewerkschaft zu reden. Damit war der Arbeitskampf eröffnet. Glaubte Claudia Schmied anfänglich noch, sie könnte diesen gewinnen, wurde sie im Laufe der Wochen eines Besseren belehrt.
Die Ministerin hatte sich in der Auseinandersetzung in Sicherheit gewiegt, da sie Umfragen in der Lade hatte, die eines zeigten: Die breite Öffentlichkeit ist dafür, dass die Lehrerarbeitszeit erhöht wird. Denn Ferien, die über das Jahr verteilt immerhin drei Monate dauern und eine durchschnittliche Lehrverpflichtung von 21 Stunden pro Woche vergönnen viele Österreicher den Pädagogen nicht. Da hilft es auch wenig, dass die Lehrergewerkschaft gebetsmühlenartig betont, dass jede Stunde Unterricht Vor- und Nacharbeit bedeute und Lehrer deshalb genauso eine 40-Stunden-Woche hätten wie Millionen anderer Arbeitnehmer auch. Das Volk ist trotzdem der Meinung, dass Lehrer zu viel frei hätten.
Angehende Lehrer, die zurzeit ausgebildet werden, können davon ausgehen, dass sie deutlich mehr unterrichten müssen als ihre Kollegen. „In den nächsten Jahren werden derart viele Lehrer in Pension gehen, dass wir in der kurzen Zeit gar nicht genug Pädagogen ausbilden können, die nachrücken“, sagt Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer. Der Schulbetrieb sei mittelfristig nur aufrechtzuerhalten, wenn die Arbeitszeit künftiger Lehrer erhöht werde.
Mehrarbeit für Junglehrer
Wie viele Stunden Mehrarbeit die neuen Lehrer erwarten, wagt noch keiner zu sagen. Immerhin bedarf es dazu eines neuen Lehrerdienstrechtes, das Gewerkschaft und Ministerin im Jänner zu verhandeln beginnen werden. Vorerst geben sich die Lehrergewerkschafter offen und moderat. Sollte es die Bildungsministerin aber wieder wagen, öffentlichkeitswirksam auf die Lehrer einzuprügeln, dann wird es auch 2010 einen Arbeitskampf der Pädagogen geben. (eda)
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