Aufputschende, synthetische Drogen wie diese sind „das Doping unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft“, sagt Lagemann und betont, dass Amphetamine eigentlich eine „relativ alte“ Droge sind, die auch in Kriegen eingesetzt wurde: „Hitler nahm sie, die Piloten im Zweiten Weltkrieg, und im Irak-Krieg bekam jeder zweite Ami-Soldat so genannte Go-Pills.“ Heutzutage sind Amphetamine in verschiedenen Formen zur Leistungssteigerung und als so genannte Partydrogen immer gefragter. Während der Konsum der Ecstasy-Pillen hierzulande „leicht rückläufig ist“, sind Speed und das noch gefährlichere Crystal Meth laut Lagemann „sehr aktuell“.
Der körperliche Verfall, den speziell Crystal auslöst, wirkt auf viele nicht abschreckend. „Die Leute meinen, sie können es eh kontrollieren und unterschätzen die Gefahren. Wie schnell jemand süchtig wird, hängt von der jeweiligen Person ab. Aber niemand weiß das vorher, über sich selbst“, sagt der Linzer Drogenexperte.
Amphetamine boomen auch, weil sie relativ billig in kleinen Labors hergestellt werden können. Das ist laut Lagemann „die Zukunft, weil diese Drogen nicht von weither über Meere geschippert werden müssen“.
Er sieht auch eine Gefahr in der zunehmenden Vermischung von Aufputschmitteln, die legal auf dem Markt sind, und den synthetischen Drogen. Studenten und Schüler in Amerika greifen schon zur Leistungssteigerung verstärkt zu „Brain-Doping“-Mitteln. „Das kommt auch immer mehr nach Europa. Doping ist ein weit verbreitetes Mittel nicht nur im Sport“, sagt der Experte: „Ich bin skeptisch, dass wir mit den Mitteln, die wir haben, die Drogenkriminalität effektiv bekämpfen können. Was wir mit Prävention tun können, ist, zu versuchen, dass die Nachfrage kleiner wird.“