„Solche Krankheitsbilder sieht man bei uns schon lange nicht mehr: infizierte Wunden, riesige Abszesse, fortgeschrittene Infektionen“, erzählt Alfred Bichler, Arzt aus Bad Ischl. „Es ist unglaublich, was diese Menschen aushalten müssen.“ Bichler war seit seiner Pensionierung als Primararzt schon zweimal in diesem Landstrich im Nordwesten Nepals. Es gibt hier keine Straßen mehr, nur Fußwege.
Doch auf diesen würden die Helfer über eine Woche brauchen. Also fliegt man bei Schönwetter mit einem kleinen Flugzeug hinauf und landet auf 3000 Metern Höhe im Hauptort Simikot auf einer Rüttelpiste, der einzigen ebenen Fläche, die es hier zwischen den mächtigen Siebentausendern gibt. In der Region leben 50.000 medizinisch unterversorgte Menschen.
Seit ein paar Jahren bringt der österreichische Verein „Nepal Trust Austria“ Hilfe. Gegründet wurde er vom Wiener Krankenhausmanager Eduard Frosch, nachdem dieser auf einer Himalayatour den medizinischen Notstand gesehen hatte. Bald stieß Alex Blaicher dazu, der ärztliche Leiter des Krankenhauses Vöcklabruck. Er organisiert die Freiwilligenteams, und so kommen diese vor allem aus Oberösterreich.
Daheim arbeiten die meisten in einem Krankenhaus. Für Nepal nehmen sie Urlaub und unbezahlte Auszeiten: zusammen drei Monate. Natürlich ist es nicht leicht, dafür gute Vertretungen zu finden, aber die wohlwollende Begleitung durch die Landeskrankenhausgesellschaft Gespag macht es möglich. Und es lohnt sich letztlich für alle: „Wenn die Leute zurück sind“, beobachtet Doktor Blaicher, „schätzen sie unser Gesundheitssystem mehr als vorher, und die Arbeitszufriedenheit ist dann eher größer; ganz abgesehen von den bewegenden Erinnerungen, die in ihnen weiterleben.“
Der Verein braucht in Simikot aber nicht nur Ärzte und Schwestern, es mussten auch ein Mini-Krankenhaus und Personalzimmer eingerichtet werden. Dabei hat sich das junge Multitalent Klaus Dietersdorfer aus dem Bezirk Kirchdorf verdient gemacht. Er war schon dreimal in Simikot, insgesamt neun Monate: „Bei uns bestellt man Baumaterial, und am nächsten Tag ist es da“, erzählt er. „In Nepal musste ich alles irgendwie auftreiben und dann die Piloten überreden, das Material mitzunehmen. Zement musste ich auf Maultieren über 5000-Meter-Pässe heranschaffen.“ Was bleibt ihm fürs Leben? „Problemresistenz. Und mehr Gelassenheit.“