Ivica Simic hat Verständnis: ,,Dachdecker tun, was möglich ist." Bild: Hermann Wakolbinger
„Schaun S' dass S' weitakumman. Do gibt's nix zum Sehgn!“ Rumms. Mit einem Kracher fällt die Holztür des Bauernhauses zu. Um gleich wieder geöffnet zu werden. Die Altbäuerin ist zornig. Seit Monaten wartet sie darauf, dass das Dach ihres Hauses repariert wird. Vergeblich. Die Dachdecker der Umgebung sind überlastet. So hat sie den Auftrag einer Fremdfirma übergeben, die für die Reparatur aber doppelt so viel Geld verlangt wie branchenüblich. Und jetzt steht auch noch eine Journalistin vor der Tür und möchte wissen, wie es der Hausbesitzerin geht. Das ist zu viel.
Die Stimmung in der Innviertler Gemeinde ist angespannt. Ernste Sorgen plagen die Menschen hier Monate nach der Naturkatastrophe. Da ist auf der einen Seite das Problem, dass etliche Versicherungen weniger zahlen, als die Schadensbehebung an Dächern und Fassaden kosten wird. Etliche waren unter-, Einzelne gar nicht versichert. Das rächt sich jetzt. Dazu das Faktum, dass die Häuser zahlreicher Familien vor dem Winter nicht mehr repariert werden können. Weil es sich zeitlich einfach nicht mehr ausgeht, obwohl mehr als dreißig Dachdecker- und Spenglerbetriebe aus nah und fern mit hunderten Mitarbeitern auf Hochdruck arbeiten.
Arnold Rusch hat Glück gehabt. Der Maschinenbauer aus Ostermiething strahlt über das ganze Gesicht, als Arbeiter die letzte Palette Eternitziegel auf seinem Hausdach verlegen. Rusch packt mit an, hat sich Urlaub genommen. Jede helfende Hand ist gefragt, denn die Kosten sind auch so noch hoch genug. 14.500 Euro sind für die neue Eindeckung zu zahlen, „aber nur 12.000 übernimmt die Versicherung“.
Generaldirektor Wolfgang Weidl von der Oberösterreichischen Versicherung erklärt die Mehrkosten, die viele belasten: „Wer ein besseres Dach als bisher will, muss aufzahlen. Ersetzt wird nur der Urzustand.“
Winter ohne Dach
Ivica Simic hat weniger Glück gehabt. Das 400 Quadratmeter große Dach seines Restaurants ist noch immer nur notdürftig mit Planen abgedeckt und wird es auch über den Winter bleiben. Die größte Sorge des rührigen Unternehmers ist die Angst, „dass wieder Wasser durch poröse Planen ins Mauerwerk dringt und der Schaden am Gebäude noch größer wird“. Deshalb befällt Simic so wie hunderte andere St. Pantaleoner große Unruhe, wenn Regen aufs Dach trommelt.
„Da kannst an nix anderes mehr denken, als dass verflixt noch einmal endlich die Handwerker kommen sollen“. sagt Friederike Reindl. 85 Jahre ist sie alt, mit den Beinen schlecht beisammen und trotzdem klettert die Rentnerin jeden Tag auf den Dachboden ihres Hauses hinauf. „Ich muss die Eimer verrücken. Immer genau dorthin, wo es gerade hereinregnet“, sagt Reindl. Sie vertraut nur den Handwerkern im Ort und wartet trotz aller Nöte lieber ein paar Monate auf die Dachreparatur, bevor sie sich „von windigen Bürscherln“ aus der Fremde übers Ohr hauen lassen würde. „Der Stampfl kommt eh so bald wiemöglich. Er hat mir's ja versprochen, der Stampfl.“
Johann Stampfl: groß, stark, 48 Jahre alt, Baumeister und einer der großen Arbeitgeber im Ort. Kann er sich nicht freuen über den Hagel? Macht er nicht das Geschäft seines Lebens? „Na Sie haben vielleicht Nerven“, entgegnet der gestandene Innviertler. 50 zusätzliche Arbeiter habe er eingestellt, trotzdem sei des Ansturms nicht Herr zu werden. „Es ist eine Katastrophe. 800 Kostenvorschläge haben wir erstellt und damit erst 60 Prozent der Fälle abgearbeitet.“ Einer nach dem anderen komme dran, „anders geht es nicht“. Fakt sei auch, „dass wir Rechnungen über zwei Millionen Euro verschickt haben, aber erst 150.000 Euro überwiesen worden sind“. Ivica Simic würde gern die 88.000 Euro, die sein neues Dach kosten wird, zahlen. Doch noch muss er warten.
Als am 23.08.2008 der Sturm über das nördliche Mühlviertel zog, schwärmten die zuständigen Gutachter div. Versicherungen aus, um die Schäden zu prüfen.
Einer hat mir gesagt, er habe eine steirische Dachdeckerfirma unter Vertrag, weil die ortsansässigen keine Zeit und Möglichkeit haben.
Die Steirer waren trotz Auslösen und Mehrkilometer günstiger als die einheimischen Betriebe!!!
NAch 4-5 Wochen war alles erledigt.
Verstehe nicht, wie man nach drei Monaten noch immer nicht repariert hat???
Wer mehr zahlt kommt schneller dran oder wer die Hälfte anzahlt und dann hoffen kann,dassdie Firma nicht in Konkurs geht....
Die beiden ersten Kommentare sind für mich realitätsfremd. Als Betroffener möchte ich dazu klarstellen:
Die vielen Arbeiter leisten hier aussergewöhnliches und man kann ihnen nur Lob aussprechen.
Viele der Betroffenen möchten eine Firma aus der Umgebung, um bei etwaigen Problemen diese auch bei der Hand zu haben. Es sind aber auch viele auswärtige Firmen hier tätig, um die Schäden schneller aufarbeiten zu können. Weiters gibt es nicht alle Tage Sonnenschein und nicht an allen Tagen kann auf den Dächern gearbeitet werden. Die bereits bekannten Unfälle zeigen dies ja auf.
Das Schadensausmaß hier ist nicht mit normalen Hagelschlag vergleichbar und daher nicht so einfach zu bewältigen. Daher bitte nur Kommentare, welche auch der Realität entsprechen.
Mensdorff will Unschuld beweisen
Ab morgen schneit es wieder