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Oberösterreich

"Kraut & Ruam": Behinderte spielen Theater

ALKOVEN/LINZ. Aufregung, gespannte Vorbereitungen und deftige Jausenbrote: Die teils behinderten Mimen des „Kraut& Ruam“-Theater aus dem Institut Hartheim trafen sich zur Generalprobe des Stückes „Sehnsucht“. Die OÖN durften hinter die Kulissen blicken.

18.30 Uhr: Letzte Änderungen der Lichttechnik. Dann geht die Tür im Kulturzentrum Hof in der Linzer Ludlgasse auf. Die Stars des Stückes sind da. Sechs Betreute und drei Betreuer setzen sich im selbst erarbeiteten Stück mit Wünschen, Glück und Selbstbildern auseinander. Die Begrüßung ist herzlich: Bussi links, Bussi rechts und eine feste Umarmung für jeden. „Wir haben uns alle gegenseitig ins Herz geschlossen“, sagt Regisseur Helmut Boldog.

Sofort wird es hektisch: Sophie drängt darauf, sich gleich in der Garderobe umziehen zu dürfen. In der Theatergruppe gibt das Mädchen mit Down-Syndrom den Ton an. Heute kann sie sich aber nicht sofort durchsetzen. Benedikt, Robert und Helga packen im Zuschauerraum gerade ihre Jause aus. Die drei sind nervös. „Ich brauche Energie, damit ich gut spielen kann“, sagt Robert und beißt kräftig in sein Wurstbrot. Er mimt sein Vorbild James Bond. „Ich mag den Bond. Der ist stark und fährt einen schnellen Mercedes“, sagt der junge Bursch.

Der Text, da sind sich alle einig, sitzt perfekt. Besonders Helga ist zuversichtlich, genug geübt zu haben. In der Garderobe fühlt sie sich dann aber gar nicht mehr so wohl. In ihrer Kleiderschachtel fehlt die Kette für ihr Kostüm. „Wir sind halt eine Risikofamilie“, sagt Sophie. Das Mädchen mit dem Down-Syndrom hilft Rollstuhlfahrer Gregor in seinen Anzug. Den braucht er, um den Dirigenten Franz Welser-Möst darzustellen, den er sehr verehrt.

Boldog schaut auf die Uhr. Auch der 61-Jährige ist auf die Generalprobe gespannt. Der pensionierte Berufsschullehrer und passionierte Laienregisseur probt das intime, weil offenherzige Stück mit den Bewohnern aus Hartheim unentgeltlich. „Ich habe jeden in der Gruppe erzählen lassen, wer er oder sie gerne sein möchte. Daraus ist das Stück entstanden.“ Erfahrung mit Menschen mit Beeinträchtigung fehlten ihm bis zum Probenbeginn vor einem Jahr: „Ich habe spontan zugesagt. Eine gute Entscheidung.“ Berührungsängste kennt er nicht.

Benedikt trommelt die Gruppe schließlich lautstark zusammen. „Die Zeitung will noch ein Foto machen!“ Nun sind doch alle aufgeregt. Ein letztes „Toi Toi Toi“. Das Licht geht aus. Der Vorhang hebt sich.

Spieltermine unter www.kulturzentrum-hof.at.

Kommentare
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Artikel 19. Oktober 2009 - 00:04 Uhr
Text: Eva AllerstorferFotos: H. Wakolbinger
Bild vergrößern Eine Risikofamilie spielerisch auf den Spuren ihrer Idole

Benedikt, Helga und Robert (v. li.) jausnen vor der Generalprobe noch kräftig.  Bild: Wakolbinger

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