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Oberösterreich

Zwei Schulen ohne Sitzenbleiben

Sitzenbleiben abschaffen, das will Bildungsministerin Claudia Schmied in höheren Schulen ab 2012. Dass es in der Praxis funktioniert, zeigen zwei völlig verschiedene oberösterreichische Schultypen.

Zwei Schulen ohne Sitzenbleiben

Die Linzer Waldorf-Pädagogin Elenora Pfeifer Bild: Wakolbinger

Dass das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll, findet Eleonora Pfeifer mehr als gut. Die Lehrerin der Linzer Waldorfschule hat mehr als 30 Jahre als Klassenlehrerin gearbeitet, heute erfüllt sie eine Mentorenaufgabe und ist ein Mal pro Woche in der Bildungsanstalt anzutreffen. „Alleine mit der Abschaffung des Sitzenbleibens ist es aber nicht getan – das ganze Schulsystem und die Methodik müssen sich grundlegend ändern“, sagt die Linzerin. Die Schule lehrt nach den Konzepten des Pädagogen Rudolf Steiner, der heuer seinen 150. Geburtstag feiern würde.

Nicht auf die Schwächen der Schüler, dafür umso mehr auf ihre Stärken konzentriert sich die 61-Jährige in ihrem Unterricht. Sitzenbleiben kann in der Linzer Schule niemand, statt einem Notenzeugnis gibt es verbale Beurteilungen. „Nur in der 8. Schulstufe und nach der 12. Schulstufe bekommen die Schüler ein Notenzeugnis.“ Am Stundenplan steht neben den üblichen Gegenständen ein vergleichsweises Angebot an handwerklich-künstlerischen Fächern gegenüber den öffentlichen Schulen. „Musisches hat einen großen Stellenwert bei uns – wir unterrichten nach dem Lehrplan der musischen Oberstufenrealgymnasien.“

Nach 12 Jahren an der Waldorfschule haben die Schüler im 13. Jahr die Möglichkeit, zu maturieren. „Wir haben ein Lehrerteam aus AHS-Lehrern, die die Prüfungen abnehmen. Die Leistungen unserer Schüler sind mit jenen von öffentlichen Schulen absolut vergleichbar – das bestätigt uns auch der zuständige Landesschulinspektor immer wieder“, sagt Pfeifer.

Was mit Schülern geschieht, die den Schulstoff nicht verinnerlichen? „Da kommen wir zu einer Grundsatzfrage: Muss jeder Mensch das gleiche Leistungsniveau haben? Es geht darum, Schüler zu begeistern und zu interessieren.“

Interesse als Lernprinzip

Die versierte Lehrerin ist sich sicher: „Wenn ein Schüler durchfällt, dann ist es nicht das Versagen des Kindes, sondern der des Lehrers und der Eltern.“ Denn: Es gehe bei den Lehrern darum, zu erkennen, welche Hilfen das Kind brauche. „Grundprinzip ist es, Interesse zu wecken, denn nur wenn das besteht, bringt man im Leben etwas weiter.“

Das beste Beispiel dafür, dass das Bildungskonzept funktioniert, ist Pfeifers Tochter. „Sie hat nach der Waldorfmatura in der Mindeststudiendauer Medizin studiert, später eine Fachausbildung als Chirurgin gemacht und war im Alter von 35 Jahren bereits Oberärztin.“ Viele ehemalige Waldorfschüler würden ihren eigenen Weg gehen. „Sie sind gerade in sozialen und künstlerischen Bereichen sehr erfolgreich, etablieren sich in pädagogischen Berufen oder machen sich mit kreativer Technik einen Namen.“

Die modulare Oberstufe

Wie sich Ministerin Claudia Schmied die Schule ohne Sitzenbleiben vorstellt.

Die „modulare Oberstufe“ geht zwar über das von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) geplante Kurssystem hinaus, in puncto Sitzenbleiben ähneln sich die Modelle aber. Trotz negativer Absolvierung eines Moduls/Kurses muss der Schüler nicht das ganze Jahr wiederholen.

Rund 40.000 Schüler sind in Österreich jährlich nicht aufstiegsberechtigt. Rund zwei Drittel von ihnen wiederholen eine Klasse, wobei das laut einer Studie oft nicht zu besseren Leistungen führt.

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Artikel Christina Tropper 23. Februar 2011 - 00:04 Uhr
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