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Oberösterreich

"Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen"

Das "Frosträuchern" hat sich für Oberösterreichs Obstbauern in der vergangenen Frostnacht ausgezahlt, es gab kaum Schäden an den Kulturen

Frosträuchern in Ipftal bei Niederneukirchen Bild: Foto: Gruber

Um 1.45 Uhr früh läutete heute Nacht der Wecker beim Obstbauern Brandlmayr in Gunskirchen (Bez. Wels-Land). Zeit zum Aufstehen für Waldemar Brandlmayr, seine Frau und den 19-jährigen Sohn  Martin. Dann ging es hinaus auf die Obstplantage. Auf einer Fläche von sechs Hektar lagen schon 180 Quader aus gepresstem Stroh und Heu bereit, die tags zuvor in Abständen von 15 Metern entlang der Baumzeilen ausgelegt worden waren. Dazu vier Kubikmeter Hackschnitzel zum Nachlegen. Alles war bereit fürs „Frosträuchern“, das heuer erstmals in Oberösterreich im Erwerbsobstbau erlaubt ist, um Blüten und junge Früchte vor nächtlichen Spätfrösten zu schützen.

Der erste Blick nach dem Aufstehen galt dem Thermometer. „Minus ein Grad hat es um 2 Uhr angezeigt“, berichtet Waldemar Brandlmayr. Eine Stunde später waren es minus zwei, und zum Zeitpunkt der größten Nachtkälte um 5 Uhr wurden minus 3,6 Grad angezeigt. “Wir waren bis 6 Uhr draußen, haben dann noch Hagelnetze über die Apfel- und Birnbäume gespannt, dann sind wir heim zum Frühstück“, sagt Brandlmayr. Ausruhen konnte sich auch Sohn Martin: Er besucht die HBLA für Obst- und Weinbau in Klosterneuburg und hatte einen Tag unterrichtsfrei bekommen. Extra fürs “Frosträuchern“. 

Alles sei planmäßig abgelaufen: „Wir haben die Ballen mit Papier und Holzspreißeln angezündet und glosen lassen, der leichte Wind hat den dichten Rauch über die Kulturen verteilt und die Lufttemperatur knapp über den Gefrierpunkt steigen lassen“. Eine erste Begutachtung der Blüten habe gezeigt: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“  Die empfindlichen Pollenstempel und Blütenböden dürften unversehrt geblieben sein. 

Die größten Sorgen habe ihm die bereits in Vollblüte stehende Apfelsorte „Kronprinz Rudolf“ bereitet, “auch sie dürfte kaum Schaden genommen haben, und die Birnenblüte ist ohnehin schon fast beendet, die war von vornherein nicht mehr so gefährdet.“ Das Frosträuchern habe jedenfalls Wirkung gezeigt. „Sollte es kommende Woche noch einmal kalt werden, werden wir es wiederholen.“

Vorschriftsmäßig hatte der Obstbauer alle Behörden vom beabsichtigten Frosträuchern informiert: Gemeinde, Ortsfeuerwehren, Feuerwache Wels und Landesfeuerwehrverband. Nicht nur bei ihm lag heute Nacht schützender Rauch in der Luft: Auch sein Nachbar, Kommandant der Feuerwehr Fernreit, ließ die Strohballen glosen, und auch zahlreiche Schrebergärtner in der Umgebung hatten von der Gemeinde dazu die Erlaubnis erhalten.

„Der Aufwand war zwar hoch, aber es hat sich ausgezahlt“, sagt auch Johannes Gruber, Obmann der Bezirksbauernkammer Linz-Land und Marillenbauer in Ipftal bei Niederneukirchen. Von 4 Uhr bis 7.30 Uhr war er mit seiner Frau und den beiden Söhnen draußen auf der Plantage. „Das Gras war gefroren, die Tiefstwerte lagen bei minus ein Grad“, berichtet er. Kalt genug, um die olivgroßen Früchte, die sich an den Bäumen bereits gebildet haben, absterben zu lassen. 70 Kleinballen Stroh hatte Gruber ausgelegt. „Durch die Rauchentwicklung war es um zwei Grad wärmer, schon jedes halbe Grad wirkt sich günstig aus.“ Eine erste Kontrolle der Früchte hat gezeigt: Keine braunen Flecken, nichts ist „verschrumpelt“ - das wären die typischen Anzeichen für Frostschäden. Auch in Ipftal hat das „Frosträuchern“ offenbar funktioniert.

In der Steiermark geht dagegen die Landwirtschaftskammer von einem Schaden von bis zu 40 Millionen Euro durch die vergangenen Frostnächte aus. Die Betroffenheit ist groß, das Schadensbild unterschiedlich", fasste Martin Rinner von der Landwirtschaftskammer Steiermark die Folgen der Frostnacht zusammen. Während Obst- und Weinkulturen in höheren Lagen mit einem blauen Auge davongekommen sein dürften, hatten Bäume in Kaltluftseen "keine Chance". Davon dürften sieben bis zehn Millionen Euro Schaden beim Weinbau entstanden sein. Da lebe die Hoffnung, dass es nicht so schlimm ausgeht wie im Vorjahr, sagte Rinner. Den Obstbau dürfte es diesmal stärker getroffen haben: 25 bis 30 Millionen Euro könnte da der Schaden ausmachen. Positiv sei jedoch, dass der Durchversicherungsgrad im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.

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Artikel Alfons Krieglsteiner 21. April 2017 - 12:04 Uhr
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