03. Oktober 2015 - 00:04 Uhr · Jasmin Bürger · Oberösterreich

Willi Klinger: Im Namen des österreichischen Weins

Im Namen des österreichischen Weins

Beim Wiener Heurigen Bild: OÖN / Johannes Zinner

Dass österreichischer Wein in Toplokalen von New York bis Shanghai ausgeschenkt wird, ist auch ein Verdienst von Willi Klinger, Chef der Österreich Weinmarketing GmbH. Der Hausrucker Wirtshaussohn hat viele Talente.

Für Österreichs Winzer ist im September die arbeitsintensivste Zeit im Weingarten. Während sie auf Hochtouren lesen, war Willi Klinger in den vergangenen Wochen schon recht entspannt. "2015 wird ein guter bis sehr guter Jahrgang", sagt der Chef der Österreich Weinmarketing GmbH (ÖWM).

Gute Verkaufsargumente also für den im Hausruckviertel geborenen Botschafter der heimischen Winzer im In- und Ausland, den wir bei einem Ottakringer Heurigen treffen. Klinger ist seit 2007 ÖWM-Chef, die mit der "Salon"-Prämierung den "Österreich-Oscar" der Weinszene vergibt und mit der Weinakademie ein Top-Ausbildungsinstitut auf dem Gebiet führt.

"Für jemanden, der gerne gut isst und trinkt, ist das ein Traumjob", sagt der quirlige Vielredner. Dass in New Yorker Sterne-Restaurants "Austria" zum guten Ton jeder Weinkarte gehört, ist mit ein Verdienst von ihm und seinem 22-köpfigen Team. Auch in Asien sind Veltliner und Blaufränkisch im Kommen, zumal "asiatische Küche und österreichischer Wein toll harmonieren", sagt Klinger.

Er muss es wissen, ist der 59-Jährige doch von klein auf kulinarisch geprägt: Seine Eltern führten den Gasthof Klinger in Gaspoltshofen, seit 1885 in Familienbesitz. Nun ist Bruder Wolfgang am Ruder, der auch das Transportunternehmen leitet; Bruder Thomas arbeitet bei Winzer Bründlmayer. Wolfgangs Engagement in der FPÖ – er ist auch Bürgermeister – ist dem parteifreien Willi nicht geheuer, Familienstreit gibt es deshalb aber nicht.

Im Namen des österreichischen Weins

Klinger als Bub mit dem Gaspoltshofener Kunstmaler Konrad Nowotny, einer von vielen Stammgästen im Gasthaus Klinger

Den guten Ruf hat Mama Hedwig er- und damit in den 80ern selbst Schriftsteller Thomas Bernhard eingekocht, der ihre Frittatensuppe im "Theatermacher" würdigte. Die "hoamtliche" Küche ist Klinger heilig. Über fehlende Wertschätzung kann der Verfasser einer Studie zur "Höherpositionierung oberösterreichischer Lebensmittel" fast missionarisch dozieren, etwa über das "Drama" Mondseer: "Der älteste ausgewiesene Herkunftskäse, aber Schärdinger produziert den in der Steiermark". Stolz ist der Botschafter des "Einfachen, aber sehr Guten" und OÖN-Mostdipf-Preisträger auf das mit der Mutter verfasste Kochbuch: "Hedi Klingers Familienküche".

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Mit Mutter Hedwig beim Rezeptstudium für das heuer erschienene Klinger-Kochbuch

Marienkäferl groß hinaus

Obwohl ihm Kulinarik stets wichtig war, sah Klinger seine Zukunft anderswo: "Wenn man so ein kleines Marienkäferl ist wie ich, entwickelt man ein gewisses Sendungs- und Geltungsbewusstsein", sagt der 1,64 Zentimeter große Brillenträger. Rockstar oder Skifahrer also – doch die eigene Band wollte nicht abheben, der Traum vom Top-Skifahrer des Saalfeldner Internatsschülers blieb ein solcher: "Ich war zwar im Salzburger Landescup, hab’ aber dem Hans Ehn immer nur die Jaus’n nachg’führt".

Die Vernunft gebot ein Lehramtsstudium (Französisch, Italienisch) in Salzburg. Das Lehrer-Probejahr machte er in Wien, weil er hier am Franz-Schubert-Konservatorium auch die Schauspielausbildung begonnen hatte. Der Geltungsdrang siegte, 1985 absolvierte Klinger die Bühnenreifeprüfung.

Im Namen des österreichischen Weins

Bei der heurigen Mostdipf-Gala

Erste Rollen am Salzburger Landestheater zeigten aber, dass Traum und Wirklichkeit auseinanderklafften: "Ich bin draufgekommen, dass die Rollen, die ich gerne gespielt hätte – große Helden und Liebende – bei meiner Verfasstheit am Theater nicht funktioniert hätten", sagt Klinger. Eine Einsicht, die dem Tausendsassa den vinophilen Karriereweg eröffnete: Er heuerte 1987 beim Weinhändler Stangl in Salzburg an, dessen gute Tropfen den jungen Schauspieler schon mehr begeisterten als früher Opas Mostkeller oder ein simples Bier.

Klinger managte Stangls Marketing und Import, machte sich schnell einen Namen. Als Heinz Kammerer 1993 einen Partner für den Aufbau der Handelskette Wein & Co suchte, holte er Klinger nach Wien, wo dieser seine Familie hatte: Mit Sohn Lorenz hatten er und seine Frau gerade Zuwachs bekommen – Tochter Stephanie war drei.

Von Österreich nach Italien

Wein & Co florierte, Klinger wollte aber näher zum Winzer.

1996 wurde er Geschäftsführer der Freien Weingärtner Wachau. Die Genossenschaft ist heute als Domäne Wachau fixe Größe, für Klinger war sie Sprungbrett nach Italien: 2000 ging er als Exportleiter zu Topwinzer Angelo Gaja ins Piemont. 200 Tage im Jahr war er da unterwegs: Eine Woche im Monat in Barbaresco, den Rest der Zeit in aller Welt, die Basis blieb Wien.

"Die Kraft der Marke Gaja öffnete viele Türen", sagt Klinger, der kaum einen großen Wein nicht getrunken hat, aber sich nicht auf einen Spitzenwein festlegen will. "Den österreichischen Wein zeichnet Frische und Natürlichkeit aus, er hat aber auch viel Tiefgang und Charakter – so will ich auch sein", scherzt er.

Lehrmeister war Gaja im Marketing: "Von ihm habe ich gelernt, dass man auch als Winzer gute Geschichten erzählen muss, um sein Produkt attraktiv zu machen". Als Geschichtenerzähler im Namen des heimischen Weins ist der talentierte Entertainer Klinger eine Idealbesetzung.

Im Namen des österreichischen Weins

Bei der heurigen Mostdipf-Gala Rot-weiß-rote Kapsel oder Banderole kennzeichnen österreichischen Qualitätswein

Hans Moser-Schwenke, Chansons oder Italo-Hadern hat er stets im Repertoire. Heuer feierte das eigene Programm "Solo Willi - wine lectures from the piano" bei einer ÖWM-Veranstaltung in Zürich Premiere. Auftritte in Österreich sollen folgen – bis dahin übt er fleißig am Klavier, "da bin ich noch zu nervös".

Ein kalifornischer Weinblogger preist ihn als "wine maestro". Bahnt sich eine neue Künstlerkarriere an? "Wenn’s passt, bleib’ ich der ÖWM bis zur Pension erhalten". Aus dem achten Bezirk ist er jüngst in ein Atelier in Hietzing gezogen. Künstlerbasis, aber auch "25 Minuten näher zur Heimat", die schon noch lockt: "Im Wirtshaus ein Manifest der oberösterreichischen Authentizität schaffen", reizt. Ganz unbescheiden nennt Klinger das Steirereck am Pogusch als Vorbild.

Vielleicht zieht es ihn aus "der g’miatlichsten Großstadt der Welt" aber ganz woanders hin: "Ich bin ja kosmopolitischer Mostschädl".

 

1986: Ein Jahr nach dem Glykol-Skandal wurde die Österreich Wein Marketing GmbH gegründet. Der Bund stieg 1998 als Gesellschafter aus, Eigentümer sind nun die großen Weinbau-Bundesländer (Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Wien, Landwirtschafts- und Wirtschaftskammer. Rund 20.000 Weinbaubetriebe bewirtschaften derzeit rund 46.000 Hektar Rebfläche.

8,5 Millionen Euro Budget hat die ÖWM heuer. Winzer bzw. Weinhändler zahlen je 1,1 Cent pro geerntetem bzw. verkauftem Liter, dazu kommen Beiträge der Weinbau-Bundesländer und Fördergeld.

50 Millionen Liter Wein wurden 2014 exportiert, das brachte einen Rekordumsatz von 145 Millionen Euro. Dazu kamen 272 Mio. im Inland. 250 Millionen Liter Wein trinken die Österreicher nach ÖWM-Schätzung jährlich.

 

Nachgefragt

Heimat ist für mich … Oberösterreich

Heimweh nach Oberösterreich bekomme ich … wenn ich viel in Asien unterwegs bin und mich nach Hausmannskost sehne.

Das fehlt mir in Wien aus Oberösterreich ... die alten Freunde

Mein Lieblingsplatz in Wien ... der Stephansdom

Der größte Unterschied zwischen Wienern und Oberösterreichern ... Oberösterreicher sind strebsamer, Wiener kommen sich schon sehr gut vor.

 

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Willi-Klinger-Im-Namen-des-oesterreichischen-Weins;art4,1988426
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