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Oberösterreich

Wilhelm Absenger: Der Bernie Ecclestone der Seifenkisten

Wilhelm Absenger organisierte auf Red-Bull-Ring WM für motorlose Boliden.

Wilhelm Absenger

Wilhelm Absenger, der 66-jährige Bauunternehmer und Familienvater freut sich bei den Seifenkistenrennen vor allem über den Zusammenhalt von Müttern und Vätern mit deren Kindern im Cockpit. Bild: Bolch

Eine Holztruhe auf vier Rädern zimmerte sich Wilhelm Absenger schon, um sich hineinzulegen und selber zu spüren, „wie es sich anfühlt“. In Absengers Fall ist es pure Geschwindigkeit: Bei der Körpermasse des 132 Kilogramm schweren Mostviertlers aus Zeillern zieht die Schwerkraft ein Seifenkistenwagerl mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde den Abhang hinunter. Die 24 motorlosen Boliden, die in der Garage des „Seifenkisten Austria e.V.“ unter Obmann Absenger aufgereiht sind, stehen freilich für Kinder und Jugendliche bereit. Für 180 Euro können Eltern ein Gefährt für ein ganzes Jahr mieten und damit eine sechsteilige Rennserie bestreiten, die jetzt in der ersten „Soapbox-WM“ auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg gipfelte.

Dort, wo zum Höhepunkt der Motorsportsaison beim Grand Prix von Österreich die Formel-1-Boliden zur Zielgeraden hinaufheulen, sausen die Null-PS-Wägelchen geräuschlos in der Gegenrichtung die Piste hinunter. 30.000 Euro für die Platzmiete und andere Fixkosten brachte Absenger mit Sponsoren auf. Der Hartnäckigkeit des 66-jährigen Bauunternehmers im Ruhestand ist es zu verdanken, dass sich mittlerweile Spielzeughersteller und Zuckerlfabrikanten darum reißen, die Seifenkisten zu bekleben, schließlich pilotiert ihre Zielgruppe die windschlüpfrigen Vehikel.

Das Optimum für die Nachwuchsrennfahrer ist eine Geradeausfahrt mit 80 km/h Spitze. „Wer lenkt, bremst und verliert“, verrät Absenger die Grundweisheit aller Seifenkistenfahrer. Immerhin acht Nationen aus Europa haben die WM beschickt, während die Amerikaner über dem großen Teich in ihrer eigenen Welt leben. „Die fahren unter sich mit ein paar Kanadiern und nennen das Weltmeisterschaft“, ärgert sich Absenger. Ansonsten ist der Mann, der sich als Funktionär und Mechaniker in der Werkstätte ganz dem Ehrenamt verschreibt, die Gutmütigkeit in Person: „Unsere Kinder haben gelernt, dass es mehr als den Computer gibt. Und die Eltern fiebern mit wie ein richtiger Rennstall.“

 

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Artikel Hannes Fehringer 11. September 2017 - 00:04 Uhr
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