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Oberösterreich

Trotz Verbots wird an vielen Schulen weiterhin geraucht

LINZ, WIEN. Mit Raucherzonen im Freien umgehen höhere Schulen das Glimmstängel-Verbot, um Qualm vor dem Schuleingang zu vermeiden – der Landesschulrat toleriert die Regelung.

Trotz Verbots wird an vielen Schulen in Oberösterreich weiterhin geraucht

Ein Schlupfloch im Erlass ermöglicht Raucherzonen. Bild: Weihbold

Laut einem Erlass des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2006 ist die Sache klar: Weder Schüler noch Lehrer dürfen an Schulen rauchen – weder im Gebäude, noch auf dem Gelände. Auch Raucherzonen im Freien sind daher verboten. Die Sache hat aber einen Haken: Das ministerielle Rundschreiben ist derart verklausuliert formuliert, dass viele Schulen ein Schlupfloch nutzen. Sie lassen Schüler über 16 Jahre alt in abgegrenzten Bereichen auf dem Schulgelände rauchen.

Das passiert auch in vielen höheren Schulen in Oberösterreich, zum Beispiel an der HTL 1 in Linz. "In einem unserer beiden Innenhöfe darf geraucht werden", sagt Direktor Christian Armbruster. Der Grund dafür ist simpel: Zuvor wichen die Schüler zum Rauchen auf den Gehsteig vor der Schule aus. Denn dieser ist öffentliches Gut, hier greift das Tabakverbot nicht. "Aber es gab Beschwerden von Anrainern", sagt der Schulleiter.

Schüler wichen auf Gehsteig aus

Daher beschloss vor zwei Jahren der aus Schülern, Eltern und Lehrern bestehende Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) die Raucherzone im Hof. "Uns war aber auch wichtig, Alternativen für die Pausengestaltung abseits des Rauchens anzubieten", sagt Armbruster. Liegestühle, Wuzzel- und Tischtennistische wurden angeschafft. Außerdem hielten Experten Workshops zur Raucherprävention ab.

Ähnlich ist die Lage in der Handelsakademie Steyr. "Wir haben im hintersten Eck des Parkplatzes eine Zone, in der Schüler über 16 Jahren in der großen Pause und über Mittag rauchen dürfen", sagt Direktorin Ute Wiesmayr. Auch hier hatten sich die Schüler zuvor vor der Schule gestohlen, was der Direktorin immer wieder Ärger mit Passanten und Nachbarn einbrachte. "Es ist schwierig, Teenagern zu verbieten, nach draußen zu gehen", sagt sie. Zumal der Gehsteig vom Schulhof aus leicht erreichbar ist. Daher beschloss vor drei Jahren der SGA die Raucherzone. Diese müssen die Schüler selbst sauber halten, es gibt an der Schule immer wieder Raucherpräventionskurse.

Ministerium: Klarheit schaffen

Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer toleriert diese Regelungen. "Grundsätzlich gilt in der Schule und im öffentlichen Raum Rauchverbot", bekräftigt er zwar. Aber: "In der Praxis gehen die Schüler zum Rauchen dann auf den Gehsteig vor die Schule und die Nachbarn regen sich auf. Da sagt mir der Hausverstand, dass es gescheiter ist, Raucherzonen einzurichten." Wichtig sei aber, dass die Nichtraucher nicht gestört würden. Einen derartigen Passus für die Hausordnung könne der SGA beschließen.

Doch warum wurde der Text im Erlass in den vergangenen zehn Jahren nie eindeutig formuliert? Laut Rainer Fankhauser vom Bildungsministerium wollte man 2006 die Novelle des Tabakgesetzes möglichst schnell umsetzen. In den vergangenen Jahren habe es kaum Beschwerden gegeben, man dachte, die Regel sei verständlich. Jetzt will das Ministerium aber Klarheit schaffen, sagt Fankhauser: "Es ist angedacht, dass die Schulordnung so novelliert wird, dass keine Raucherhöfe mehr eingerichtet werden können."

 

Das steht im Erlass

Das Tabakgesetz verbietet das Rauchen in den Schulen. Davon nicht erfasst ist allerdings das Schulgelände. Daher erließ das Bildungsministerium im Jahr 2006 über die sogenannte Schulordnung ein Rauchverbot für Schüler auf allen schulischen Freiflächen. Das wurde im entsprechenden Erlass aber derart kompliziert ausformuliert, dass Schulleiter auch herauslesen können, dass „(...) das durch die Schulordnung statuierte Rauchverbot in der vom Schulgemeinschaftsausschuss zu beschließenden Hausordnung für Freiflächen wieder zurückgenommen werden“ kann. Einige Sätze später werden Schulbehörden allerdings aufgefordert, derartige Bestimmungen aufzuheben. Nun soll der Erlass eindeutig formuliert werden.

 

Meinungen

"Ich bin für eine pragmatische Lösung: Raucherzonen verhindern, dass an Schulen unkontrolliert geraucht wird.“
Raphael Schicho, Landesschulsprecher

„Ich bin gegen Raucherzonen an Schulen. Raucher sollten Rücksicht auf jüngere Schüler nehmen.“
Twinkle Niedo, 16, Schülerin aus Linz

„Man sollte nicht an Schulen rauchen dürfen. Ich mag den Geruch nicht, und es ist schlecht für die Gesundheit.“
Fabian Kurz, 15, Linz

„Mich stört es nicht, wenn an den Schulen geraucht wird. Für Schüler, die rauchen, sollte es auf dem Schulhof einen eigenen Platz geben.“
Marek Kreft, 16, Schüler aus Linz

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Artikel Herbert Schorn 05. März 2016 - 00:04 Uhr
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