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Oberösterreich

Traunkirchner Phallus dürfte 2400 Jahre alt sein

TRAUNKIRCHEN. Altertumsforscher Günther Thüry kommt zu einem sensationellen Untersuchungsergebnis.

Traunkirchner Phallus dürfte 2400 Jahre alt sein

Altertumsforscher Günther Thüry untersuchte die Statue. Bild: ebra

Der Altertumsforscher Günther Thüry unterrichtet an den Universitäten Salzburg und Krems. Sein Spezialgebiet ist die antike Erotik. Als Thüry aus den Medien von der Aufregung um die Phallusfigur in Traunkirchen erfuhr, meldete er sich umgehend bei dessen Besitzer, dem Welser Antiquitätenhändler Jürgen Hesz. Er bat ihn, die Statue begutachten zu dürfen.

Zur Abwehr böser Geister

Hesz’ Angaben, dass es sich um eine antike Figur handle, waren bis dahin von Kritikern angezweifelt worden. Und auch er selbst wurde zuletzt vorsichtig. "Die Statue könnte auch in der Renaissance nach antikem Vorbild geschaffen worden sein", so Hesz. Sie wäre dann rund 500 Jahre alt.

Doch Thürys Untersuchungen kamen jetzt zu einem sensationellen Ergebnis: "Die Inschrift verweist das Denkmal in das fünfte oder vierte Jahrhundert vor Christus", so Thüry. Das würde bedeuten, dass der Zwei-Tonnen-Penis mindestens 2400 Jahre alt ist. Die Schriftzeichen weisen außerdem darauf hin, dass die Skulptur aus der griechischen Provinz Attika stammt. Der Wissenschafter ist allerdings vorsichtig und will seine Ergebnisse nur als "eine erste und vorläufige Information" verstanden wissen. An einem umfangreichen Gutachten arbeitet er noch.

"Ein Fruchtbarkeitssymbol, wie oft behauptet, ist der Phallus sicher nicht", so Thüry. "Darstellungen erigierter Penisse dienten in der Antike zur Abwehr von bösen Geistern und Unglück", sagt er. "Das männliche Geschlecht wird hier als Waffe verstanden – und je größer die Figur, desto größer war die erhoffte abschreckende Wirkung.

Der Traunkirchner Phallus dürfte ursprünglich ein Grab bewacht haben. Bei der griechischen Inschrift handle es sich dann um den Namen des Verstorbenen. Thüry verfasste unzählige Werke über antike Erotik und kennt diesbezüglich praktisch jede überlieferte Darstellung. "Diese Statue ist absolut einzigartig", sagt er.

Zufallsfund in einem Erdkeller

Dabei entdeckte Jürgen Hesz den Phallus nur zufällig. Im Vorjahr erwarb der Antiquitäten-Millionär das Renaissanceschloss Schwarzenau im Waldviertel. Bei Grabungsarbeiten im Erdkeller kam der Phallus zum Vorschein. Er wurde zunächst als kuriose Dekoration benutzt, bis Hesz auf die Idee kam, die Traunkirchner damit zu ärgern, weil sie ihm den Umbau seiner historischen "Russenvilla" am Traunsee nicht durchgehen ließen. Kurz vor Ostern stellte er den Phallus direkt beim Kreuzweg auf.

Inzwischen hat der hemdsärmlige Unternehmer, der seine Karriere mit zwölf Jahren als Flohmarkthändler auf dem Linzer Hauptplatz begann, seine Liebe für Traunkirchen neu entdeckt. Zur Wiedergutmachung für seinen Streich schenkte er die Statue der Traunseegemeinde. Er schlägt vor, den Phallus für gute Zwecke zu versteigern.

Stellt sich nur die Frage, ob eine Statue solchen Alters in einem Museum nicht besser aufgehoben ist.

 

3 Fragen an ... Christoph Schragl

VP-Bürgermeister von Traunkirchen

Bei einer Pressekonferenz überraschte Jürgen Hesz Traunkirchens Bürgermeister mit dem Angebot, den Phallus der Gemeinde zu schenken.

1. Haben Sie damit gerechnet, dass die Phallus-Figur so alt ist?

Schragl: Nein, ich bin absolut überrascht. Dass es sich hier nicht um zeitgenössische Kunst handelt, war ja offensichtlich. Aber sogar Eigentümer Jürgen Hesz war in seinen Einschätzungen sehr vorsichtig.

2. Die Figur soll für einen guten Zweck versteigert werden. Wann wird das sein?

Die Statue ist offiziell noch im Besitz von Herrn Hesz. Ich halte sein Angebot aber für eine sehr schöne Geste. Seine Idee war es, den Phallus für wohltätige Zwecke in unserer Gemeinde zu versteigern. Er schlug vor, dass Menschen davon profitieren, die nicht auf die Butterseite des Lebens fielen, er gibt uns aber völlig freie Hand. Mir ist wichtig, dass wir alle Entscheidungen gemeinsam treffen: Vertreter der Gemeinde, der Pfarrgemeinde und Herr Hesz selbst werden sich dazu an einen Tisch setzen.

3. Sollte man angesichts des Alters der Figur nicht in Betracht ziehen, sie für die Öffentlichkeit zu bewahren?

Darüber kann man diskutieren. Mir ist aber wichtig, dass wir konsensual vorgehen, egal wofür wir uns entscheiden. Momentan bin ich vor allem froh darüber, dass sich die Aufregung um die Phallusfigur wieder gelegt hat.

 

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Artikel Edmund Brandner 13. Mai 2017 - 00:05 Uhr
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