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Oberösterreich

Stunde null in Gstocket fünfzehn

ALKOVEN. Das Hochwasserschicksal von Elke Peter (43) und Michael Obernberger (35) aus Alkoven: Am 31. Mai die Haus-Renovierung abgeschlossen, am 4. Juni geflutet, am 14. Juni auf der Intensivstation. Die OÖNachrichten helfen.

Stunde null in Gstocket fünfzehn

Gstocket am 4. Juni. Innbach und Donau fluteten Alkoven. Bild: privat

Verloren sitzt Elke Peter auf ihrer Holzterrasse – die dort, wo sie steht, nicht hingehört. Am 4. Juni, als Innbach und Donau über ihre Ufer getreten sind und das „Liebhaber-Häuschen“ von Peter und ihrem Lebensgefährten Michael Obernberger bis knapp unter den ersten Stock fluteten, schwamm die Terrasse einfach davon. Über eine knapp zwei Meter hohe Hecke, um jetzt etwa 200 Meter vom Haus Gstocket 15 inmitten einer Wiese zu stehen. Doch das Hochwasser war nicht der einzige Schicksalsschlag, der das Paar ereilte. Ein Interview von der Stunde null.

 

OÖN: Frau Peter, was fühlen Sie, wenn Sie Ihr Haus sehen?

Peter: Ich halte es hier zwei, drei Stunden aus, dann will ich nur noch weg. Ich sehe, was zu tun wäre, und weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Was ist am 4. Juni passiert?

Das Wasser kommt. Du hoffst, dass es nicht weiter geht. Dann ist es bei der Haustür. Du sicherst die Tür, du pumpst den Keller aus, du schöpfst Wasser aus der Küche, du schleppst Sandsäcke. Aber das Wasser steigt. Dann hebt sich im Wohnzimmer der Parkettboden. Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Ich sehe aus dem Fenster, ein Rehbock springt verzweifelt aus dem Wasser. Bis er keine Kraft mehr hat. Du gibst das Erdgeschoß auf, schaust beim Fenster hinaus. Dann kommt die Zille. Die Männer sagen: „Steigt ein, es ist eure letzte Chance.“ Du schaust nicht mehr zurück. Der Kopf hämmert.

Wie sehr hat der 4. Juni Ihr Leben verändert?

Ich kann kaum schlafen und bin Schlafwandlerin geworden. Ich träume davon, dass ich durchs Wasser gehe.

Wie verarbeiten Sie Ihr Trauma?

Sehr viel mit Sport. Man kann nicht ruhig sein. Ich habe immer das Gefühl, dass ich was tun muss. Mit Sport wird eine gewisse Spannung abgebaut. Ich fahre täglich von Wels mit dem Rad herüber nach Alkoven, das hilft meiner Psyche.

Sie wirken so ruhig

Ich war 14 Jahre lang Krankenschwester und habe viele Menschen gesehen, die mein Lebensalter bei weitem nicht erreicht haben. Da muss man zufrieden sein, wenn man sagen kann: O. K., ich bin gesund, ich habe zwei gesunde Hände, ich kann wieder alles richten.

Warum kann Ihr Lebensgefährte nicht helfen?

Vergangenen Freitag hat Michael bei einem Hobbyturnier Fußball gespielt. Es lief gut. Sein Team hat gewonnen, er wurde Torschützenkönig. Beim letzten Spiel hat er sich eine komplizierte Oberarmfraktur zugezogen. Er war drei Tage lang in Ried auf der Intensiv. Da hat es mir komplett den Boden unter den Füßen weggezogen. Arbeitsmäßig fällt er sicher ein halbes Jahr aus.

Was bedeutet diese Prognose?

Am Anfang dachte ich, ich will nie wieder hierher. Ich wusste nicht einmal, was zu tun ist. Seit gestern geht es besser: Seine Fußballkollegen werden abwechselnd und über einen längeren Zeitraum hefen. Ich bin dafür sehr dankbar.

Wie hoch ist der Schaden?

Materiell wurden bis jetzt 56.000 Euro festgestellt, aber es wird täglich mehr. Fenster, Küche, alles ist verzogen, muss hinaus. Der Putz bröckelt ab. Der persönliche Schaden ist viel größer. Verschlammte Fotoalben, Erinnerungen.

Warum sind Sie hierhergezogen? Sie wussten doch, dass es hier 2002 Hochwasser gab?

Michael hat das Haus 2003 gekauft. Es hat ihm sehr gut gefallen und er hat sich beim Makler und bei Behörden informiert. Es hieß, so ein Hochwasser wie 2002 gibt es nicht mehr. Wegen der Vorkehrungen, die danach getroffen worden sind. Jetzt ist es um mehr als einen Meter höher gekommen als damals.

Rechnen Sie mit einem nächsten Mal?

Schon, weil ich jetzt weiß, wie schnell es kommen kann. Wenn es in Zukunft wieder stärker regnet, werden wir nie mehr entspannt auf der Couch liegen können.

Warum hauen Sie nicht einfach den Hut drauf. Hier arbeiten Sie...

... noch Jahre. Den Hut draufhauen ist leicht gesagt. Wo sollten wir hingehen? Ich wüsste nicht, wer das Haus jetzt kaufen möchte. Das hier ist ein Liebhaber-Haus ist. Man macht jede Kleinigkeit selber. Ironischer Weise sind wir am Freitag vor dem Hochwasser mit dem letzten Pinselstrich fertig geworden.

Woher nehmen Sie Ihre Kraft?

Ich weiß, dass wir gemeinsam alles schaffen.

 

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OÖNachrichten in Kooperation mit Life Radio

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Artikel 22. Juni 2013 - 00:04 Uhr
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