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Oberösterreich

Schulinspektor soll Drohungen nach Vortrag prüfen

LINZ. Schulaufsicht will auch mit Schülern reden – Politischer Schlagabtausch geht weiter: "Klassenkampf der Alt-68er".

Schulinspektor soll Drohungen nach Vortrag prüfen

Diskussion über politische Bildung im Unterricht: Wo hört sachliche Information auf, wo beginnt Indoktrinierung? Bild: (colourbox)

Kein Ende der Diskussion über den Vortrag des Welser Grünen Thomas Rammerstorfer, der im Unterricht vor Schülern eines Linzer Gymnasiums zum Thema "politischer Extremismus" referierte. Wie berichtet wurde die Veranstaltung für Schüler der achten Klassen aufgrund einer Intervention des FP-Nationalratsabgeordneten Roman Haider bei der Schulbehörde nach etwa 70 Minuten vorzeitig abgebrochen.

Die FP spricht von "politischer Indoktrinierung" der Schüler, weil bei dem Vortrag Burschenschaften und Freiheitliche "in einem Atemzug" mit Salafisten und türkischen Rechtsextremen genannt worden seien.

"Sache genau anschauen"

Die Vorgänge rund um die umstrittene Schulveranstaltung soll nächste Woche der Landesschulinspektor überprüfen, kündigte Karl Steinparz, Sprecher des Landesschulrates, an. "Er wird sich die Sache genau anschauen, die betreffenden Lehrer werden um Berichte ersucht, was passiert ist", sagte Steinparz.

Ebenso werde der Frage, ob bzw. welche Interventionen und Drohungen es gab, nachgegangen. Auch die Klassensprecher sollen in die Aufarbeitungeinbezogen werden. "Es geht darum, zu erfahren, was der Vortragende in seinem Referat tatsächlich gesagt hat", sagt Steinparz.

Der politische Schlagabtausch ging gestern weiter. Anlass war die Drohung des FP-Mandatars Haider gegen den Philosophie-Lehrer, der den Vortragenden in die Schule eingeladen hatte.

Haider soll in einem Telefonat von "massiven beruflichen Konsequenzen" für den Pädagogen gesprochen haben, wie auch der Direktor der Schule bestätigte. Der SP-Landtagsabgeordnete Hermann Krenn sah wegen der "Polit-Intervention" gar den Verdacht einer "Nötigung" bzw. "gefährlichen Drohung", die eine "Angelegenheit für den Staatsanwalt" sei. Der freiheitliche LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner sprach indes von einer "linken Täter-Opfer-Umkehr". Parteikollege Haider habe seine Pflicht wahrgenommen und eine "verbotene parteipolitische Einflussnahme" auf den Unterricht gestoppt. "Seit Jahrzehnten" werde in Schulen versucht, die FPÖ in ein "extremistisches, demokratiefeindliches Licht" zu rücken, meinte Haimbuchner: "In den Schulen ist kein Platz für den Klassenkampf der Alt-68er."

Kein Anlass für Ermittlungen

Bei der Staatsanwaltschaft Linz sieht man aufgrund des Vorfalls im Moment keinen Grund, tätig zu werden. "Die Medienberichte und Aussendungen sind derzeit nicht ausreichend, um einen Anfangsverdacht zu begründen und ein Ermittlungsverfahren einzuleiten", sagte gestern Philip Christl, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz, im Gespräch mit den OÖNachrichten. 

 

„Wir wollen Schüler zu kritischen Bürgern erziehen“

„Wenn ich die Schüler über Politik und Parteien informieren soll, muss ich bestimmte Dinge auch sagen dürfen“, sagt Sylvia Bäck, die Chefin der oberösterreichischen AHS-Lehrergewerkschaft, zum Vorfall. „Wir wollen die Schüler ja zu kritischen Bürgern erziehen.“ Vorträge externer Referenten in den Unterricht einzubauen, sei „super“, sagt Bäck. Aber man müsse sich als Lehrer genau anschauen, was der Vortragende vermitteln wolle. Als Gewerkschafterin sieht sie in der Causa „keinen Handlungsbedarf, es braucht derzeit niemand einen gewerkschaftlichen Schutz“.

Der Vorfall sei nicht nur negativ zu betrachten. „Ich bin überzeugt, die Schüler diskutieren jetzt wesentlich mehr über Politik, als wenn sie nur vom Vortrag berieselt worden wären.“

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Artikel (staro) 16. März 2017 - 00:04 Uhr
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