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Oberösterreich

"Man muss der Angst trotzen"

BRÜSSEL. Thomas Thaler und Rebecca Kampl – Zwei Oberösterreicher, die den Terror hautnah miterlebten.

"Man muss der Angst trotzen"

Das EU-Viertel in Brüssel, im Hintergrund das Kommissionsgebäude, war von Militär und Polizei abgeriegelt Bild: Reuters

"Aufgewühlt, beunruhigt" und trotzdem voller Hoffnung, dass der Albtraum in absehbarer Zeit doch wieder von normalem Arbeitsalltag abgelöst werden möge. Mit diesen Worten beschreibt der Welser Thomas Thaler, der den Terror in Brüssel gestern hautnah miterlebt hat, im Gespräch mit den OÖN seinen Gemütszustand.

Mit dem Flugzeug Montag spätabends in Brüssel angekommen, schockierte Thaler gestern Früh die Nachricht, dass dort, wo er wenige Stunden zuvor noch seinen Koffer durch die Airport-Halle gezogen hatte, Bomben detoniert sind. Wenig später machte er sich zu Fuß auf den Weg ins Büro im EU-Parlament, als ihn via Handy die Warnung von Arbeitskollegen erreichte, die Metro-Station Maelbeek unbedingt zu meiden. Auch dort waren gerade Bomben hochgegangen.

"Mein normaler Arbeitsweg"

"Normalerweise gehe ich immer an dieser Station vorbei", sagt Thaler. Gestern machte er einen Umweg.

Sein Chef, EU-Parlamentarier Paul Rübig (VP), war gestern nicht in Brüssel. Die OÖN erreichten ihn in Toulouse, wo er gerade seine "Französisch-Kenntnisse aufbessert". Hat er Angst beim Gedanken an die Rückkehr nach Brüssel? "Nein. Wenn es einen erwischt, ist das Schicksal. Ich gehe unvoreingenommen an die Sache heran", sagt Rübig. Auch sein Kollege von der SP-Fraktion, Josef Weidenholzer, war nicht in Brüssel. "Ursprünglich wollte ich den Flieger nehmen, der um sieben Uhr früh in Wien gestartet ist. Aber ich wurde krank und bin zu Hause geblieben." Die Gedanken sind natürlich in Brüssel. "Ich bin fassungslos angesichts der Tatsache, dass ein paar Wahnsinnige erzwingen wollen, dass die Menschen Angst bekommen. Dem muss man trotzen."

In Brüssel war Weidenholzers Bürochefin Rebecca Kampl. Zur Zeit der Anschläge saß sie bereits in ihrem Büro im EU-Parlament. "Der Ausnahmezustand in der Stadt war nicht zu übersehen. Das öffentliche Leben war lahmgelegt", sagt Kampl. Auch die Mitarbeiter des Parlaments wurden von Polizei und Militär strengstens kontrolliert.

"Meine beiden Mitarbeiter haben mir am Telefon gesagt, sie könnten nicht aus dem Parlamentsgebäude", sagt der oberösterreichische FP-Europaabgeordnete Franz Obermayr, ihm sei gesagt worden, heute hätten auch nur Abgeordnete Zutritt. Er selbst, der auch in der Nähe des Parlaments wohnt, wollte gestern nach Brüssel fliegen, der Flug wurde aber storniert. "Der Terror sei nach Brüssel "schneller als befürchtet" gekommen.

4000 Österreicher sind laut Außenamt in Brüssel registriert, ersten Erhebungen zufolge dürfte keiner von ihnen bei den Terroranschlägen zu Schaden gekommen sein – zumindest körperlich. Das Außenamt hat eine Hotline eingerichtet.

Hotline: In Österreich 05011504411, für Österreicher in Belgien: 004319011544 11.

 

Oberösterreicher in Brüssel:

Wehrpflicht für Frauen gefordert

„Ich war gerade im Auto unterwegs, als die Anschläge passierten. Allerdings habe ich davon nichts mitbekommen, sondern bin erst durch einen Anruf darauf aufmerksam geworden. Die Stimmung ist sehr angespannt, es wurden vorerst alle Meetings abgesagt. Was die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen anlangt, so ist man im Nachhinein immer schlauer. Aber es hat bisher beim Eingang weder Gepäck- noch Personenkontrollen gegeben.“
Günther Rozenits, der Oberst aus Windhaag/Perg ist Leiter der Fähigkeitenentwicklung der österreichischen Militärvertretung

 

„Öffentliches Leben lahmgelegt“: Sie sei zum Zeitpunkt der Anschläge schon im Büro gewesen, sagt Rebecca Kampl, Büroleiterin des oberösterreichischen EU-Abgeordneten Josef Weidenholzer (SP): „Der Ausnahmezustand war nicht zu übersehen. Man hat ständig Sirenen gehört, es gab massive Polizei- und Militärpräsenz in den Straßen.“ Kampl hatte vor, heute nach Oberösterreich heimzureisen, wie, wusste sie gestern noch nicht: „Ich hoffe, dass die Bahn wieder fährt.“

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Artikel 23. März 2016 - 00:04 Uhr
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