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Oberösterreich

Koran-Übersetzung: Linzer Experte skeptisch

LINZ. Das Islamgesetz fordert eine Neu-Übersetzung zentraler Passagen - "Strenggläubige Muslime sehen in jeder Koran-Übersetzung eine Verfälschung" sagt der Linzer Koran-Experte Karl Jaros.

"Strenggläubige Muslime sehen in jeder Koran-Übersetzung eine Verfälschung"

Die verbreitetste Koran-Übersetzung entstand vor mehr als 100 Jahren. Bild: dpa/Friso Gentsch

Am Mittwoch wurde im Nationalrat das neue Islamgesetz verabschiedet (siehe unten). Darin ergeht an die islamischen Gruppen auch die Forderung, die wesentlichen Passagen aus dem Koran neu ins Deutsche zu übersetzen. Nur so können nach Ansicht von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) "Fehlinterpretationen" vermieden werden. Doch ist diese Neufassung notwendig? Und was steht wirklich im Koran? Die OÖN sprachen darüber mit Karl Jaros. Der 70-Jährige lebt in Pasching. Er lehrt am Institut für Orientalistik der Uni Wien und hält im Bildungshaus Schloss Puchberg Studientage zum Islam ab. Sein Buch "Der Islam" ist bei Böhlau erschienen (15,50 Euro).

 

OÖNachrichten: Besteht Ihrer Ansicht nach Bedarf an einer solchen Einheitsübersetzung?

Karl Jaros: Ich gebe zu bedenken, dass es bereits viele deutsche Übertragungen des Korans gibt. Etwa die "uralte" Übersetzung des deutschen Orientalisten Max Henning vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die bei Muslimen sehr beliebt ist. Henning ist es vor allem gelungen, auch die Schönheit des arabischen Originals wiederzugeben. Strenggläubige Muslime sehen aber in jeder Übersetzung des Korans eine Verfälschung.

Wie könnte eine Neuübersetzung gelingen?

Dazu müsste die Islamische Glaubensgemeinschaft erst eine Kommission bilden und dann auch mit deutschsprachigen Arabisten zusammenarbeiten. Das wäre ein jahrelanger Prozess.

Worin liegt das Hauptproblem einer Koran-Übersetzung?

In der metaphernreichen Sprache des Originals. Oft ist es sehr schwierig, für einzelne Worte aus dem Koran eine exakte Entsprechung im Deutschen zu finden.

Gibt es Stellen im Koran, die zur Gewalt aufrufen?

Die gibt es. So heißt es etwa in Sure 2 und in Sure 9: Erschlagt die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet.

Wer ist mit "Ungläubige" gemeint?

Das ist der springende Punkt. Die Suren sind aus dem Kontext der Zeit zu sehen, in der Mohammed gelebt hat – er starb im Jahr 632. Als Ungläubige galten für ihn nicht etwa Juden und Christen, sondern seine Gegner, die ihn in Mekka in große Schwierigkeiten gebracht hatten und die einem Vielgottglauben anhingen.

Ist der Kontrast zur Gewaltlosigkeit des Neuen Testaments nicht augenfällig?

Ja, das Neue Testament ist in dieser Hinsicht die absolute Ausnahme. Der Koran fußt hingegen ideologisch auf dem Alten Testament und ist wie dieses noch stark in der altorientalischen Mentalität verhaftet. Die Kriegsführung der alten Israeliten, Syrer und Mesopotamier war auf totale Vernichtung des Gegners und seines Besitzes ausgerichtet.

Findet diese altorientalische Grausamkeit im Gottesbild des Korans ihren Niederschlag?

Nein, denn die meisten Suren beginnen mit "Allah, der Barmherzige". Die ersten Kalifen waren tolerant und keineswegs grausam. Die heutigen Gräueltaten des IS sind Auswüchse irregeleiteter Psyche.

"Strenggläubige Muslime sehen in jeder Koran-Übersetzung eine Verfälschung"

Auslandsfinanzierung wird der Riegel vorgeschoben

Nach einer hitzigen Debatte im Parlament wurde am Mittwoch das Islamgesetz beschlossen. Die Novelle enthält unter anderem Ansprüche auf Seelsorge beim Bundesheer, in Strafanstalten und Krankenhäusern sowie gesetzliche Feiertage und ein eigenes Theologiestudium, das Imame direkt in Österreich ausbildet. Weiters soll es künftig eine offizielle deutsche Koranfassung geben, die eine Darstellung der wesentlichen Glaubensinhalte bieten wird.

Vor allem, dass Vereine nicht mehr aus dem Ausland finanziert werden dürfen, kommt bei muslimischen Organisationen nicht gut an. Durch das Verbot sei die Einheit der Muslime und deren Existenz gefährdet, sagte der Chef einer türkischen Religionsbehörde.

 

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Artikel Alfons Krieglsteiner 26. Februar 2015 - 00:04 Uhr
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