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Oberösterreich

Kämpferin mit Herz und Mut

Hanna Kamrat vertritt 11.000 beeinträchtigte Menschen in der Lebenshilfe.

hanna kamrat

Hanna Kamrat Bild: Lebenshilfe

Wie zäh der Kampf um Gleichberechtigung für Menschen mit Beeinträchtigung nach wie vor ist, erzählt Hanna Kamrat an einem Beispiel. Als sie jüngst mit ihrer persönlichen Assistentin zu einem Optiker fuhr, um sich eine neue Brille anzuschaffen, präsentierte die Verkäuferin ihr Sortiment anfangs ausschließlich der Assistentin – statt ihr, der Kundin: „Es war wirklich schwierig, der Verkäuferin klarzumachen, dass doch ich die Brille brauche und nicht die Assistentin“, sagt die 49-Jährige. Sie wolle bei ihrem Insistieren auf Gleichberechtigung ja niemanden verletzen: „Da muss man sehr vorsichtig sein.“ Zum Schluss hatte sie es doch noch geschafft: „Da hat sie wirklich mit mir geredet.“

Ihre Beharrlichkeit wird sie wohl auch in ihrer neuen Tätigkeit gut gebrauchen können. Vor kurzem wurde die Ischlerin zur neuen Vorsitzenden des Selbstvertretungsbeirates der Lebenshilfe gewählt – und vertritt ab Juni alle 11.000 Menschen mit Beeinträchtigung, die in der Lebenshilfe österreichweit betreut werden. „Ich bin stolz darauf, für andere da sein zu dürfen“, sagt sie. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, bei Problemen zu helfen.“ Ein selbstbestimmtes Leben ist ihr wichtig: „Jeder Mensch sollte selbst entscheiden können, wann er am Abend das Licht abdreht und welchen Pullover er morgens anzieht.“

Ihre persönliche Stärke gewann Kamrat, die als Spastikerin im Rollstuhl sitzt und aufgrund ihrer intellektuellen Behinderung eine persönliche Assistentin hat, in ihrer Jugend. Geboren und aufgewachsen in Bad Ischl, musste sie im Alter von zehn Jahren nach Tirol in eine Spezialschule wechseln. „Das war hart für mich und mit vielen Tränen verbunden.“ Mittlerweile lebt sie in einer eigenen Wohnung in Bad Ischl und findet bei der Lebenshilfe in Bad Aussee Beschäftigung. Dort ist sie in der Kreativgruppe, liebt es zu malen und zu sticken. In ihrer Freizeit führt sie ein aktives Privatleben: Sie geht spazieren, liest, schwimmt – und schaut mit Leidenschaft Liebesfilme.

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Artikel Herbert Schorn 15. Februar 2017 - 06:30 Uhr
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