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Oberösterreich

Jeder Holzschuh ein Einzelstück

„Jo, kumman S’ nur eini ...“ Die Abendsonne taucht die Werkstatt von Johann Rammerstorfer (74) in gleißend rotes Licht und man glaubt sich ins vorige Jahrhundert zurückversetzt.

Jeder Holzschuh ein Einzelstück

Bild: chris

Hier, zwischen Ungetümen von uralten Maschinen, Holzspänen und Holzschnitzeln, Bandsägen und dicken Scheitern Weidenholz aus den Donauauen hat schon der Vater von Rammerstorfer sein Gewerbe ausgeübt: das Holzschuhschnitzen.

Sein Sohn tut das bis heute, wenn auch jetzt in der Pension nur mehr aus Spaß, zum Beispiel dieses Wochenende am Ostermarkt auf Schloss Weinberg. Um vorzuzeigen, wie früher die Fußbetten noch händisch mit dem Hohlreifmesser auf der „Hoanzlbank“ ausgeschnitzt wurden. „Die Leit interessiert’s, und i kumm a weng umadum.“

Rammerstorfers Traum war es eigentlich nicht, Holzschuhschnitzer zu werden, obwohl er es jetzt immer noch gerne macht : „Ich hab mir in der Schule recht leicht getan. Aber der Vater wollte, dass ich sein Gewerbe weiterführe, also hab ich’s gemacht und bei ihm gelernt“, sagt er ruhig.

Recht viel von seiner Zunft gibt es ohnehin nicht mehr. „Nein, viele gibt’s nicht mehr von den Holzschuhschnitzern und ,heitzutog kunnt ma a nimma davo lebn‘.“ Auch er hat nebenbei immer noch die Landwirtschaft gehabt, obwohl er bis zu 1000 Paar Holzschuhe im Jahr hergestellt hat.

Zwei Stunden für einen Schuh

Laut wird’s in der Werkstatt, wenn die riesigen Maschinen losrattern, Holzspäne in hohem Bogen durch die Luft wirbeln, bevor sie abgesaugt werden und in einem meterhohen Blasebalg landen. Er selbst trägt natürlich auch Holzschuhe – mit Innenfell, „wei daun san s’ a bissl wärmer“.

Ungefähr zwei Stunden braucht er für einen Holzschuh. Die Sohle schneidet, schnitzt, hobelt und schleift der Feldkirchner aus massivem Holz, darunter kommt eine dünne Gummisohle – „jo, daun hoidn s’ a weng länger“. Die Leiste wird aus Kalbsleder oder auch Kuhfell mit einem sehr scharfen Kneipp-Messer geschnitten, der Abschluss auf einer alten Singer-Nähmaschine mit Kunstleder umnäht. Das Ganze über einen Leisten gezogen und ans Holzfußbett genagelt. Fertig ist ein uraltes Stück Tradition.

„Früher hat man die Holzschuhe im Stall getragen. Jetzt, wo die Viecha frei laufen, ,muas ma Stüfi auziergn‘“, sagt Rammerstorfer. Heutzutage nehmen die Leute seine Holzschuhe gerne als Souvenir oder für die Gartenarbeit. Die Töffler, ein wenig aufwändiger verarbeitet und modischer, sind beliebt. „Ma hod an trockenen Fuaß“, erklärt Rammerstorfer den Vorteil von Holzschuhen, weil das Holz den Schweiß aufsaugt.

Recht viel modischen Firlefanz gibt’s bei seinen Schuhen nicht. Die Farben Schwarz, Braun undDunkelgrün für die Männer, für die Frauen-Schuhe noch Blau und manchmal Rot. Kinderschuhe? Nein, die macht er nicht.

Johann Rammerstorfer wird wohl der letzte Holzschnitzer in seiner Familie sein, denn seine vier Kinder und sechs Enkerl zeigen bis jetzt kein großes Interesse. Aber auch das nimmt er gelassen, so ist das eben.

 

 

Ostermarkt-Kalender

Ostermarkt auf Schloss Weinberg: In Kefermarkt finden sich Osterhasen aus Holz, Gießkeramik, Heu und Ton. Kinder können sich in der Schminkstube in ein Osterhäschen verwandeln lassen. Sa, 24. und So, 25. März 2012, jeweils von 9–17 Uhr, Eintritt frei, www.lbz-schloss-weinberg.at

Ostermarkt im Freilichtmuseum Stehrerhof: Mehr als 50 Aussteller bieten beim Ostermarkt im Freilichtmuseum Stehrerhof in Neukirchen/Vöckla österliches Kunsthandwerk an. Sa, 24. und So, 25. März 2012, jeweils von 10–17 Uhr, Eintritt: 2 Euro, www.stehrerhof.at

Ostermarkt Enns: Auf Schloss Ennsegg internationalen Künstlern u.a. aus Böhmen, Bayern und Ungarn über die Schulter schauen. Sa, 24. und So, 25. März 2012, jeweils von 10–17 Uhr, www.tse-enns.at

Ostermarkt Schloss Traun: Das Kulturforum Traun lädt zum traditionellen Ostermarkt. Am Eingang begrüßt ein Osterhase mit einer Überraschung. Sa, 31. März, von 10–18 Uhr und So, 1. April 2012, von 9–18 Uhr, www.kulturforum-traun.at

Schärdinger Ostermarkt: Karfreitag, 6. bis Ostersonntag, 8. April 2012, jeweils von 10 bis 18 Uhr, Samstag, 7. April 2012: Ostern am Bauernmarkt, www.schaerding.at

Schalcher Schafbauern & Kunsthandwerksmarkt: Lammspezialitäten, Neues aus „Innviertler Schafschurwolle“, Kunsthandwerk und mitten drinnen eine Herde Schafe. Ostermontag, 9. April 2012, von 9–17 Uhr.

 

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Artikel Daniela Christl 24. März 2012 - 00:04 Uhr
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