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Oberösterreich

Heldenkampf mit etwas zu dünnen Waden

OÖN-Redakteur Edmund Brandner trat bei der Mountainbike Trophy an. Nach 74 Kilometern war klar: Am Buffet ist er durchsetzungsstärker.

Heldenkampf mit etwas zu dünnen Waden

Edmund Brandner nach 74 Kilometern und 2446 Höhenmetern. Bild: Hörmandinger

Obertraun, 10.00 Uhr: Ich Idiot könnte jetzt zuhause im Warmen und Trockenen sitzen. Stattdessen stehe ich bei 14 Grad Celsius unter 850 nassgeregneten und nervösen Mountainbikern und warte auf den Startschuss. Ich stelle mich ganz am Ende des Pulks an, hier bin ich niemandem im Weg. "Lieber das Feld von hinten aufrollen", sage ich zu einem Nebenmann. Er versteht den Scherz nicht und schaut auf meine dünnen Waden.

Hallstatt, Salzberg, 11.13 Uhr: Liegt es an der Kälte oder am Sattel? Ich spüre das Epizentrum meiner Männlichkeit nicht mehr. Für den leichten Anfall von Sorgen bleibt keine Zeit. Nur ein Gedanke schießt mir in diesem Moment durch den Kopf: Vielleicht sollte ich versuchen, in die Damenwertung aufgenommen zu werden.

Hallstatt, 1. Labstation, 12.41 Uhr: Weil ich langsamer bin als die meisten anderen, beschließe ich, auf meine Stärken zu setzen: Als Journalist bin ich bei Gratisbuffets kampferprobt. Bei den Labstationen müsste damit Zeit gutzumachen sein. Ich positioniere mich taktisch geschickt und ringe um die Aufmerksamkeit des Servicepersonals. Wenn mir das bei jeder Labstation gelingt, mache ich etliche Minuten wett. Was ich nicht weiß: Niemand außer mir bleibt bei allen Labstationen stehen.

Gosau, Übergang, 13.58 Uhr: Ich bemerke ein Phänomen: Am Anfang des Rennens war ich fast ausschließlich von Österreichern umgeben. Doch je länger das Rennen dauert, desto mehr Osteuropäer sehe ich. Zuletzt überholten mich zwei Ungarn.

Gosau, Rossalm, 14.05 Uhr: Jetzt sind auch noch meine Füße und Finger taub. Erst das Gemächt, dann Beine, dann Hände – was gibt als Nächstes den Geist auf? Sollte es den Kopf erwischen, kann ich einpacken. Der Regen hat aufgehört, aber es weht ein frostiger Wind. Ich bin schweißnass.

Gosau, irgendwo im Wald, 14.54 Uhr: Nach einer kurzen Talstrecke spüre ich plötzlich meine Männlichkeit wieder und bin überglücklich. Das mit der Damenwertung kann ich vergessen.

Gosau, vorletzter Anstieg, 15.09 Uhr: Ich bin mit meiner Kraft am Ende und konzentriere mich auf jede einzelne Kurbelumdrehung. Vor einer Almhütte sitzen vier Holzknechte mit Bierflaschen und prosten mir entspannt zu. Mir kommen die Tränen.

Bad Goisern, Gschwandt, 15.52 Uhr: Meine Helden sind die Einheimischen. An jeder Kreuzung stehen sie und feuern mich an wie einen Sieger, dabei fahre ich weit hinter dem Feld her. Nach dem Rennen werden sie tagelang die Straßen und Wege reinigen müssen, weil viele Mountainbiker die Plastikverpackungen ihrer Power-Riegel einfach wegschmeißen.

Bad Goisern, Ziel, 16.09 Uhr: Nach 74 Kilometern, 2446 Höhenmetern und etwas mehr als sechs Stunden überquere ich die Ziellinie und erreiche damit Rang 599. Letztes Mal schaffte ich Platz 367. Ich sollte wieder mehr trainieren...

Die Zwischenfälle dieser Trophy

Unfälle: Bei der 20. Auflage der Salzkammergut Mountainbike Trophy kam es zu mehreren Unfällen. Zum einen, weil einzelne ehrgeizige Sportler rücksichtslos agierten. Zum anderen, weil Teilnehmer ihr Fahrkönnen überschätzten.

Bei der Zieleinfahrt wurde eine 51-jährige tschechische Mountainbikerin von einem männlichen Teilnehmer überholt. Dabei berührten sich die beiden Fahrräder und die Frau stürzte schwer. Die Tschechin, die einige Minuten besinnungslos war, wurde von einem anwesenden Arzt versorgt und ins Bad Ischler Krankenhaus gebracht. Der Mountainbiker fuhr weiter und blieb unerkannt.

In Gosau stürzte ein Teilnehmer durch Eigenverschulden schwer und verletzte sich dabei ebenfalls. Auch er musste von der Rettung ins Salzkammergut-Klinikum eingeliefert werden.

Gestohlene Fahrräder: Drei Sportler, die an der Salzkammergut Trophy teilnehmen wollten, konnten gar nicht erst starten. Diebe hatten ihnen in der Nacht auf Samstag in Bad Ischl ihre Mountainbikes im Wert von mehreren Tausend Euro gestohlen. Zwei wurden aus einer am Pkw angebrachten Fahrradhalterung gerissen, ein weiteres Mountainbike wurde aus einem geparkten und versperrten Auto entwendet.

 

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Artikel 17. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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