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Oberösterreich

Forscher in Sorge: Sind bald keine Vögel mehr da?

LINZ. Wissenschafter untersuchten das Vogelsterben in Europa. Auch in Oberösterreich könnte der Frühling verstummen.

Singdrossel

Gehört zu den bedrohten Arten: Die Singdrossel  Bild: (APA/M.DVORAK/BIRDLIFE)

"Alle Vögel sind schon da..." heißt es in einem beliebten Kinderlied. Aber wie lange noch? Der Frühling könnte bald verstummen, wenn es nach einer aktuellen Studie des britischen Wissenschaftsmagazins "Ecology Letters" geht. Demnach ging die Population in Europa in den vergangenen 30 Jahren um ein Fünftel zurück, was 421 Millionen Vögeln entspricht. Betroffen seien populäre Arten wie Spatz, Star, Lerche und Rebhuhn. "Es ist eindeutig, dass unser Umgang mit der Umwelt für viele unserer vertrautesten Vögel nicht nachhaltig ist", erklärt Richard Gregory, der Co-Autor der Studie.

In Oberösterreich sinkt der Vogelbestand ebenfalls drastisch, was sich in Zahlen jedoch kaum exakt hochrechnen ließe, sagen Ornithologen. Im Biologiezentrum Linz und von BirdLife werden Daten gesammelt, ein neuer Brutvogelatlas ist im Entstehen. Biologe Stefan Weigl weiß aber, dass in Oberösterreich 90 Prozent der Wiesenvögel in den vergangenen 20 Jahren verschwunden sind.

"Bei uns sind Arten, die Wiesen und Felder bewohnen, am stärksten betroffen. Sie haben sich an die Gegebenheiten des 18. und 19. Jahrhunderts angepasst, aber durch die Intensivierung der Landwirtschaft wird ihr Lebensraum gestört", sagt der Biologe. "Heutzutage werden Felder mehrmals im Jahr gedüngt und gemäht. Gewisse Arten machen ihr Nest in der Wiese und bewachen es, bis die Jungen ausgeflogen sind. Das geht nun nicht mehr." Betroffen seien Arten wie die Feldlerche, der Wiesenpieper, das Braunkehlchen, das Rebhuhn oder der Wachtelkönig. Weitere Gründe für den Rückgang der Vögel sind die Zersiedelung und Besiedelung von Flächen sowie Straßen, die ihre Lebensräume zerschneiden. Der Klimawandel tut sein Übriges.

"Schleichendes Vogelsterben"

Innerhalb von 40 Jahren hat sich in Oberösterreich die Zahl jener ansässigen Langstreckenzieher (jene Zugvögel, die weit entfernt überwintern) halbiert. Was auch mit der Ausdehnung der Sahara in Zusammenhang gebracht wird. Dem Waldvogel ginge es bei uns noch am besten, sagt Weigl. Vom akuten Vogelsterben will er nicht sprechen, aber vom schleichenden. "Das Waldsterben war in den 80er-Jahren in aller Munde – und es gibt es noch immer. Aber es wurde viel getan, um die Situation zu verbessern."

Experten kritisieren, dass man bei den von der EU geforderten Natura-2000-Gebieten weit hinterherhinke. Doch nicht allen Vogelarten geht es schlecht. Wenige Artbestände wachsen sogar wie jene der Amseln oder Rotkehlchen. Mit Renaturierungsmaßnahmen könne man verhindern, dass das Vogelgezwitscher aus unseren Wäldern und Vorgärten verstummt. (czm)

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Frage 1 von 11:

1. Welchen Vogel hören Sie hier?







„Es ist fünf Minuten nach zwölf“

Der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal wertet den Rückgang von 421 Millionen Vögeln in Europa in 30 Jahren als „konservative Schätzung“. In Oberösterreich sei die Situation alarmierend.

OÖNachrichten: Was ist der Hauptgrund für den drastischen Rückgang der Vögel hierzulande?

Die Intensivierung der Landwirtschaft ist die Katastrophe schlechthin. Wir wissen schon längst, was wir tun müssten. Es ist nichts Neues, aber es reagiert niemand. Die Wirtschaftsinteressen sind wichtiger als drei Feldlerchen. Die Landwirtschaft ist an sich ja nicht böse. Nur ist das moderne Nutzungsmuster nicht kompatibel mit dem Lebensraum der Wiesenvögel.

Welche Maßnahmen wären zum Schutz dienlich?

Man müsste das Land so bewirtschaften, dass sich Vögel wieder ansiedeln. Klar, dass die Bauern kostendeckend wirtschaften müssen und ihnen Investitionen kein Mensch vergütet. Dennoch gehören Großflächen renaturiert – gewisse Arten kommen dann wieder zurück.

Wie alarmierend ist die Situation?

Es ist fünf Minuten nach zwölf. Wir werden immer ein paar Amseln und Krähen herum haben, aber viele Arten werden verschwinden. Dabei spielen Vögel eine ökologische Rolle als Insektenvertilger. Als man die Singvögel in China ausrottete, trat die Insektenplage auf, sodass als Konsequenz die Anbauten gespritzt wurden. Generell sind Singvögel nicht nur für die Vogelfänger im Salzkammergut da; sie kommen in Liedern vor, sind Frühlingsboten. Es wäre ein gewaltiger Kulturverlust. Sie sind ein Zeichen einer intakten Naturlandschaft.    (czm)
 

Zahlen und Fakten

421 Millionen Vögel weniger leben heutzutage in Europa als noch vor 30 Jahren. Das entspricht einem Rückgang von 20 Prozent. Das besagt eine neue Studie des britischen Fachmagazins „Ecology Letters“. Forscher werteten Daten über 144 Vogelarten aus 25 Ländern aus.

90 Prozent der Verluste gehen auf das Konto von 36 weitverbreiteten Arten wie Spatzen, Lerchen, Rebhühnern und Staren.

1 Million Brutvögel sind groben Schätzungen zufolge in Oberösterreich zuhause.

365 Vogelarten sind im Land ob der Enns ansässig. Darunter 199 Brutvogelarten und 166 Arten, die regelmäßig vorbeikommen, wie etwa Zugvögel aus dem Norden.

50 Millionen Vögel fallen in Österreich jährlich streunenden Katzen zum Opfer. Auch die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Vögel sei wesentlich höher, als man vermuten würde, sagt Biologe Kurt Kotrschal.

 

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Artikel 04. November 2014 - 00:05 Uhr
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