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Oberösterreich

Direktoren wehren sich gegen geplante Schulcluster

LINZ. Leiter fürchten Riesen-Schulen und Einsparungen – Ministerin: "Keiner wird gezwungen".

In den Gymnasien brodelt’s: Direktoren wehren sich gegen geplante Schulcluster

Direktorin Bäck: „Wollen nicht, dass auf Kosten der Kinder gespart wird.“ Bild: vowe

Riesige Schulzentren mit 2500 Schülern und 200 Lehrern, größere Klassen, keine Mitspracherechte mehr für Eltern, Lehrer und Schüler: Davor warnen Direktoren heimischer Gymnasien, falls das von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SP) geplante Cluster-Modell in Kraft tritt.

Dabei sollen sich mehrere Schulen zu Clustern zusammenschließen können, um Synergie-Effekte in Verwaltung, Personal und Sachaufwand zu nutzen. Während gerüchteweise Schulen in Oberösterreich schon erste Zusammenschlüsse planen, herrscht in vielen Gymnasien großes Unbehagen.

 

Die Direktoren kritisieren: "Schulen mit bis zu 2500 Schülern sind sicher nicht optimal. Lehrer und Schüler kennen einander nicht mehr", sagt Wilhelm Zillner, Direktor des BG Kirchdorf und Sprecher aller AHS-Direktoren Österreichs. Er geht davon aus, dass auch die Klassen- und Gruppengrößen steigen: Denn neue Angebote wie längere Öffnungszeiten oder Unterstützungspersonal seien zwar erwünscht, müssen aber kostenneutral sein: "Das ist nur durch Einsparungen, nämlich größere Klassen, möglich." Sylvia Bäck, Gewerkschafterin und Direktorin des Linzer Fadinger-Gymnasiums, spricht von einer "Pseudofreiheit": "Wir wollen nicht, dass auf Kosten der Kinder gespart wird." An den Schulen brodle es: "Wir werden uns wehren." Laut Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer ist die Skepsis bei den allgemein- und berufsbildenden höheren Schulen am größten: "Sie sind zu spezialisiert und sehen wenig Synergiepotenzial." Bei den Pflichtschulen sei die Akzeptanz höher. Aber: "Ich halte nichts davon, Strukturfragen mit Clustern zu lösen. Wenn es fünf kleine Standorte in einer Region gibt, bringt auch ein Cluster nichts."

 

Die Eltern sehen die Cluster zwiespältig: "Wenn sich mehrere Schulen in organisatorischen Fragen, etwa bei der Nachmittagsbetreuung, helfen, ist das positiv", sagt Jutta Tengler-Kropf, Präsidentin der Elternvereine an höheren Schulen. "Wenn man aber mit dem Clustermanager nur eine zusätzliche Verwaltungsebene einzieht und die Schulen zum Beispiel ihre Finanzen nicht mehr selbst verwalten können, sehe ich das Vorhaben kritisch." Schulen mit 2500 Schülern ergeben für Kurt Süß, Elternvereinschef der Pflichtschulen, wenig Sinn: "Das muss mit Augenmaß passieren."

Für die Schüler ist wichtig, dass die Mitbestimmungsrechte nicht beschnitten werden: "Der Schulgemeinschaftsausschuss war bis jetzt die einzige Möglichkeit für Schüler, mitzureden. Das muss bleiben", sagt AHS-Landesschulsprecherin Cornelia Schlick.

 

Die Ministerin versucht zu beruhigen. "Die Schulen entscheiden selbst, ob sie sich zu Clustern zusammenschließen. Wir diktieren das in keiner Weise", sagt Sonja Hammerschmid im OÖN-Gespräch. Gerade für Kleinstschulen könne ein Clusterverband eine Unterstützung sein. Die Kritik, der Clustermanager sei eine zusätzliche Verwaltungsebene, weist sie zurück: "Die Leiter an den einzelnen Standorten haben dann ja keine Verwaltungsarbeit mehr zu erledigen. Das passiert gebündelt und bringt dadurch Synergien." Das eingesparte Geld stehe der Schule zur Verfügung. Dass Eltern, Lehrer und Schüler weniger Mitsprachemöglichkeiten hätten, stimme nur zum Teil. "In Teilbereichen, etwa bei Öffnungszeiten oder den schulautonomen Tagen, können sie mitbestimmen." In anderen Fragen hätten sie beratende Funktion: "Wenn wir Schulautonomie ernst nehmen, braucht es einen, der Verantwortung trägt. Und das ist der Clusterleiter."

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Artikel Herbert Schorn 13. Januar 2017 - 00:04 Uhr
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