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Oberösterreich

Die blaue Blume

Raufen, riffeln, brecheln, hecheln, mangeln: Es sind kriegerische Worte, die die harte Arbeit erkennen lassen.

Die blaue Blume

Bild: Weihbold

Der Flachs, auf Oberösterreichisch auch Haar genannt, prägte einst die Mühlviertler Landschaft. Von der blauen Blume, wenn der Flachs in voller Blüte steht, führt die Arbeitskette über das Kräfte raubende Ausreißen der reifen, vertrockneten Stängel, damit ja kein Zentimeter der wertvollen Faser durch Schneiden verloren geht, das Riffeln, Herabstreifen der Samenpollen, und das Rösten, Brechen und Hecheln der Fasern bis zum Spinnen, Weben, Bleichen und zuletzt Mangeln, damit zuletzt die wunderbar weiß glänzende Leinwand entsteht. Die alten Traditionen sind nicht tot.

Im alten Webermarkt Haslach ist wieder Webermarkt. Am 22. und 23. Juli präsentieren an die 100 Aussteller und Ausstellerinnen, von einer strengen Jury ausgewählt, abwechslungsreich, hochwertig und unterhaltsam ihre Produkte und machen lebendig, was textile Kultur bedeutet: Handgewebtes, Handgestricktes, Handbedrucktes, Schurwolle, Leinen, Seide, Filz und Mohair, Hängematten und Kelims, Rucksäcke und Schlafsäcke, Holz- und Hornknöpfe, Leinöl aus heimischer Produktion und textile Traditionen aus Westafrika oder Lateinamerika. Aber nicht gestrig und keineswegs auf Kriegsfuß mit der Zukunft.

Beim zweiwöchigen Sommersymposion steht Haslach ganz im Zeichen der alten Mühlviertler Textilpflanze. Alte Erfahrungen werden mit moderner Technik verknüpft und künstlerisch überformt. Was man aus Flachs nicht alles machen kann! Im alten Haslacher Wehrkirchturm steigt man zur blauen Blume empor und erlebt in einer Ausstellung, die die deutsche Textilkünstlerin Veronika Moos gestaltet hat, Kultur im doppelten Sinne: die mühsame Agrikultur dieser Pflanze und die Volks- und Hochkultur, die sich daran knüpft. Und oben, vom Rundgang des alten Wehr- und Glockenturms, entschädigt ein grandioser Rundblick auf die wunderbar sanfte Landschaft des Böhmerwalds für die Anstrengungen des Aufstiegs. Und im Textilen Zentrum in der alten Vonwiller-Fabrik erinnert der Neufeldner Künstler Joachim Eckl mit einer wunderbaren Kunstinstallation an die alte Technik des Bleichens und verwandelt die Spuren der Sonne in magische Gespenster aus dem Totenreich.

Fünf Stränge werden im Textilen Zentrum Haslach zusammengeführt: das völlig neu organisierte Webereimuseum, die Experimentierwerkstätten, eine integrative Textil-Manufaktur, der Lehrgang Shuttle für innovative Webkultur und die Weberie als Ort für neue Entwicklungen. So kann alles Handwerk kreativ weiterleben. Der Dank gebührt dem innovativen Team um Christina Leitner und Obfrau Marianne Kneidinger!

Info: www.textile-kultur-haslach.at
Webermarkt: 22. und 23. Juli (9-18 bzw. 9-17 Uhr), Sommersymposion: 16. bis 28. Juli, täglich

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Artikel Roman Sandgruber 22. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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