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Oberösterreich

Die Jagd nach dem Rekord

Auch das neue Guinness-Buch der Rekorde kommt ohne sie nicht aus: Grenzgänger und Rekordjäger. Doch was treibt sie an, wie ticken sie? Roswitha Fitzinger auf Spurensuche.

Schachermayr

Die Fahrt über die höchste Hängebrücke Österreichs (144 Meter) brachte Schachermayr eine Strafverfügung ein. Bild: privat

Die weltweit steilste Fahrt mit der Vespa, nämlich 35 Grad die Anlaufspur der Bergisel-Schanze hinaufzufahren oder auf dem Hinterrad des selben Gefährts die Großglockner Hochalpenstraße zu bezwingen – für Günter Schachermayr aus Steyr kann es nicht steil und nicht extrem genug sein. Er macht, was keiner macht, aber warum? Adrenalinjunkie sei er keiner, versichert er, auch der Kick und die Jagd nach Rekorden würden ihn nicht antreiben, wie er im nebenstehenden Interview erklärt. Vielmehr will er sich abheben von der Masse der anderen Stuntrider. Der 37-jährige gelernte Maschinenbauer hat ein großes Ziel: mit dem Motorrad in die Troposphäre zu fahren. Akribisch arbeitet er nicht nur an seinen Projekten, auch an seiner Bekanntheit. Sechs Projekte verwirklicht er durchschnittlich in einem Jahr, ungefährlich sind sie alle nicht. Der Gefahr und des Risikos ist er sich bewusst, dass er einmal bei einer seiner Rekordfahrten zu Tode kommen könnte, das schließt er aus, weil er immer auch auf Nummer Sicher geht.

100-prozentiges Vertrauen in seine Fähigkeiten hat auch der Schweizer Artist Freddy Nock. Der 50-jährige fünffache Vater läuft auf dem Tragseil der Zugspitzen-Gletscherbahn, balanciert mit dem Rad auf dem Hochseil, überquert auf einem Seil Alpenschluchten – alles ohne Sicherung. „Da muss man sicher sein, dass alles 100 Prozent stimmt“, sagt er in einem Interview mit Spiegel-Online und gesteht einen gewissen Suchtfaktor, den die Jagd nach Rekorden ausübe. „Nach einem Rekord kommt der nächste. Und wenn der geschafft ist, kann man noch höher hinaus und noch weiter fahren.“ Er wolle sich herausfordern, seine Grenzen testen, so der Schweizer, der einer Artistenfamilie entstammt und seit seinem elften Lebensjahr auf Hochseilen balanciert. Angst verspüre er nicht, aber viel Respekt vor dem, was er mache. „Wenn ich spüre, dass etwas nicht gut läuft, lasse ich es sein“, sagt Nock, der insgesamt 22 Weltrekorde aufgestellt hat.

Wer wagt, gewinnt?

Etwas zu wagen, macht durchaus Sinn, das behauptet Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz, zieht dabei jedoch eine klare Grenze zwischen Risiko und Wagnis. Während Zweiteres immer einen menschlichen Aspekt besitze, nämlich den des Abwägens, ob es sinnvoll ist, sich in eine gefährliche Situation zu begeben, liefert sich ein Risikosportler etwa dem Schicksal und unbeeinflussbaren Faktoren aus, spielt mitunter sogar mit dem Leben, so der deutsche Experimentalpsychologe und Pädagoge. Hingegen hätte ein Wagnis seiner Ansicht nach wertvolle Zielsetzungen und könne die Entwicklung der Persönlichkeit fördern, will aber ebenso überlegt sein. Ein Wagnis sollte nur eingehen, wer sich in kleinen Schritten vorgetastet hat, sagt der 78-Jährige in einem Interview: „Es ist ein Unterschied, ob ein trainierter Extremsportler etwas macht oder ob ein Unerfahrener das Selbe tut.“

Warwitz, selbst Bergsteiger und Pilot, empfiehlt sogar mehr Mut zum Wagnis – vor allem der älteren Generation. Eine Persönlichkeit reife erst, wenn sie sich der unsicheren Realität stelle. „Wir sind noch keine Persönlichkeit mit der Geburt, wir müssen uns dazu erst entwickeln. Dazu gehören Mut und Wagnisbereitschaft, und zwar in jedem Alter.“

Die heutige Gesellschaft empfindet er als eine von Sicherheit geprägte und dem Risiko gegenüber eher abgeneigte. „Sogar Abenteuerreisen sind organisiert und in jeder Hinsicht versichert.“

 

Zum Interview mit Günter Schachermayr

 

Höchstleistungen – Extremwerte – Naturphänomene

Österreichische Rekordhalter
Den größten Fruchtsalat hat die Handelkette Spar mit 8690 Kilogramm fabriziert.

Den längsten Fahrrad-Wheelie mit 24,20 Kilometer in einer Stunde hat Thomas Kaltenegger zurückgelegt.

Die weiteste Distanz auf einem Einrad während er mit drei Objekten jonglierte ist Jonathan Oberlechner gefahren: 4,805 Kilometer.

Meisten Särge in einer Berufslaufbahn zusammengebaut hat Herbert Weber: 707.335 von 1978 bis 2008.

Das längste Videospiel auf einem Mobiltelefon dauerte 24 Stunden und zehn Minuten – vor ihren Handys saßen mit Martin Fornleitner, Hans Peter Glock und Stefan Reichspfarrer drei Österreicher und ein Deutscher namens Paul Dahlhoff.

Das größte Haus in Form eines VW Beetle haben Markus und Ursula Voglreiter gebaut. Es handelt sich um einen Anbau von 14 Meter Länge und zehn Meter Höhe.

 

 

25,48 Meter schaffte es der amerikanische Stuntman Mike Ryan mit einem Sattelzug samt Aufleger zu springen. Während sich das Gespann in de Luft befand, fuhr ein Lotus F1 unter ihm durch.

Schuhgröße 62 hat Jeison Orlando Rodriquez Hernández. Der 20-jährige Venezulaner hat somit die größten Füße einer lebenden Person, noch größer als jene von Sultan Kösen, dem größten lebenden Mann
(2,51 Meter, Schuhgröße 60)

Vom Blitz getroffen: 1956 wurde ein Blitz aufgezeichnet, der innerhalb einer Wolke 149 Kilometer zurückgelegt hatte. Der Mann, der die meisten Blitzschläge überlebt hat, nämlich sieben, hieß Roy Sullivan. Er starb 71-jährig – nicht an einem Blitzschlag.

 

Das Rekordbuch

In seinen mittlerweile 60 Bestandsjahren wurde das Guinness-Buch der Rekorde in mehr als 100 Ländern mehr als 134 Millionen Mal verkauft und in 21 Sprachen übersetzt. Seit 1955 erscheint es jährlich und enthält sowohl menschliche Höchstleistungen und Extremwerte als auch natürliche Phänomene.

Wie alles begann
Erstmals am 27. August 1955 veröffentlicht, reicht die Idee eines Rekordbuchs in die frühen 50er-Jahre zurück. Sir Hugh Beaver (1890 bis 1967), seines Zeichens Geschäftsführer der Guinness-Brauerei, nahm an einer Jagdgesellschaft teil, als zwischen ihm und seinen Gastgebern eine Diskussion um das schnellste Federwild in Europa entbrannte. Man kam auf keinen grünen Nenner, zumal auch in keinem Nachschlagewerk eine Antwort zu finden war.

Ein Werbegag

Das Rekordbuch


Sir Hugh Beaver beauftragte die beiden Sportjournalisten und Zwillingsbrüder Norris und Ross McWhirter (Bild), ein Sammelwerk von Rekorden zusammenzustellen. Zunächst war dies als Werbegag gedacht, um den Bierkonsum in den Pubs zusammen mit der Wettleidenschaft der Bierkonsumenten anzutreiben. Scherzhaft wird auch behauptet, das Buchkonzept sei entwickelt worden, um Streitigkeiten und Halbwahrheiten in Kneipen zu unterbinden. Am 30. November 1955 wurde das „Guinness Superlatives“-Büro gegründet. Seinen Sitz hatte es in einer umgebauten Sporthalle in der Fleet Street 107 in London. Die Arbeit an dem Erstlingswerk mit einem Umfang von knapp 200 Seiten dauerte 13 Wochen, gearbeitet wurde auch an den Wochenenden und Feiertagen. Noch ahnte keiner, dass sich das Buch zu einem Bestseller entwickeln sollte.

Erfolgreiche Marke
Heute ist „Guinness World Records“ ein Unternehmen mit Sitz in London, das etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt, die die Rekordfälle bearbeiten. Der Name ist auch eine eingetragene Marke, unter der das Konzept vermarktet wird. Das „Hollywood Guinness Museum“, in dem Exponate zu anerkannten Rekorden gezeigt werden, befindet sich in Los Angeles. Das Unternehmen wurde 2008 von der Jim Pattison Group, einem kanadischen Unternehmen, erworben.

Der Weg zum Rekord
Wer einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde anstrebt, dem wird empfohlen, zunächst Kontakt aufzunehmen (www.guinnessworldrecords.com/set-a-record). Der Antragsteller erhält die offiziellen Richtlinien zugesandt, etwa welche Nachweise für den Rekord erbracht werden müssen. Die Unterlagen werden schließlich geprüft.

Guinness World Records 2016:

Das Rekordbuch

Hoffmann & Campe, 256 Seiten; Übersetzung von Gabriele Burkhardt, Ursula Pesch, Werner Roller, Sigrid Schmid, Claudia van den Block, 20,60 Euro.

 

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Artikel Roswitha Fitzinger 10. Oktober 2015 - 00:05 Uhr
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