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Oberösterreich

Die Frau aus dem Kirchenvolk am Altar

Mit Angelika Paulitsch leitete erstmals eine Frau die Osterliturgie in der Pfarre.

Angelika Paulitsch   Bild: Daucher

Gott, sagt die Bibel, schreibt auch auf krummen Zeilen gerade. Die Not zur Tugend macht auch die Pfarre auf der Steyrer Ennsleite aus dem Priestermangel. Sie hat eine Berufene in ihrer Mitte, eine Frau, die mehr als Lücken büßt: Die in der Nachbarpfarre St. Ulrich aufgewachsene und in Linz ausgebildete Theologin Angelika Paulitsch (50) leitet nicht nur seit 2010 Wortgottesdienste, sondern predigt so fundiert, dass die Diözese ihre Homilien nachdruckt. Paulitsch ist nach der offiziell-kirchlichen Amtsbezeichnung „Pfarrassistentin“, aber sie untersteht – woher auch? – keinem vorgesetzten Pfarrer mehr. Die Homepage der Ennsleitenpfarre weist die „Pfarrleitung“ klar ihr zu.

Machtausgleich zwischen den Geschlechtern in der katholischen Kirche ist für Paulitsch nur vordergründig: „Ich will nicht, dass der Pfarrer nur durch eine Frau ausgewechselt wird.“ Wenn es die Möglichkeit gäbe, würde sie sich zur Diakonin weihen lassen, mehr nicht: „Ich will im Kirchenvolk bleiben und keine Klerikerin werden.“

Für sie hat der gewählte Pfarrgemeinderat Gewicht, Meinungen sind gefragt. In diesem Amtsverständnis stand sie am Karfreitag und in der Osternacht im Ornat vor Pult und Altar, erstmals war bei der höchsten liturgischen Feier in der Pfarre kein Priester anwesend. Die Notlage, die das nach dem Kirchenrecht erlaubt, wird andauern. Für Paulitsch, die für jährlich zwei Auszeiten ins Europakloster Gut Aich auch Malzeug und Schreibheft mitnimmt, mag das eine Auferstehung sein. Die bloße Männerkirche darf im Grab verwesen.

 

 

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Artikel Hannes Fehringer 18. April 2017 - 00:04 Uhr
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