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Oberösterreich

Der etwas andere Schulbeginn: Das Wohnzimmer ist Klassenraum

BACHMANNING. Eine Schultasche besitzt weder der neunjährige Kilian noch der siebenjährige Leon. Die beiden Buben werden zu Hause von ihrer Mutter unterrichtet – Schule haben die Kinder der Familie Peham aus Bachmanning schon lange keine mehr von innen gesehen: Von einem Schulbeginn der etwas anderen Art.

Der etwas andere Schulbeginn: Das Wohnzimmer ist Klassenraum

Schultasche brauchen die Peham-Kinder keine. Bild: Hörmandinger

Während für mehr als 200.000 Schüler in Oberösterreich der Schulalltag beginnt, startet Familie Peham entspannt in das neue Schuljahr. „Die Buben hatten ja auch keine Ferien“, sagt Mama Sandra. Zwei ihrer drei Kinder sind bereits schulpflichtig, der fünfjährige Jakob hat sich gegen den Kindergarten entschieden und lernt ebenfalls mit seinen Brüdern. Zu Hause.

In Oberösterreich werden 102 Kinder von ihren Eltern unterrichtet – im ganzen Land sind es mehr als 2226. Die Zahl der Schulpflichten im häuslichen Unterricht ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen (siehe Kasten rechts). Beim Landesschulrat Oberösterreich steht man dem Heimunterricht neutral gegenüber. „Die Kinder müssen am Schulschluss eine Prüfung an einer normalen Schule mit Öffentlichkeitsrecht ablegen und dort zeigen, was sie gelernt haben. Schaffen sie diese Prüfung nicht, so muss das Kind im kommenden Schuljahr eine Bildungsanstalt besuchen“, sagt Johann Kepplinger vom Landesschulrat OÖ. Mama Sandra ist auch ausgebildete Montessori-Pädagogin, die Entscheidung, die Kinder daheim zu schulen, sei der Familie nicht leicht gefallen: „Ich hatte Angst wegen der Sozialisierung. Doch die Kinder entwickeln sich prächtig.“ An ihre eigene Schulzeit erinnert sich die gebürtige Steirerin gerne: „Ich habe viele Erfahrungen gemacht, positive und negative. Meine Kinder unterrichte ich nicht, weil ich denke, dass öffentliche Schulen schlecht wären.“

Hier läutet kein Wecker

Es sei eine Lebenseinstellung, wenn man die Kinder zu Hause unterrichte, sagt die 40-Jährige, die weder einen Stundenplan noch Ferien für ihre Kinder einplant. Regeln gibt es trotzdem im Hause Peham: „Die Kinder dürfen zwar aufstehen, wann sie wollen – das ist übrigens meist sehr früh – wichtig ist aber, dass sie sich an gewisse Regeln halten. Da gehört Ordnung ebenso dazu wie ein wertschätzender Umgang.“

Skeptisch reagierte vor allem Sandra Pehams eigene Mutter, als sie hörte, dass ihre Enkerl keine Schule besuchen werden. „Heute ist sie überrascht, dass die Kinder lesen und schreiben können, und deswegen ist meine Mutter auch zufrieden.“ Denn auch die vorgeschriebene Externistenprüfung an einer öffentlichen Schule haben die Kinder bestanden.

Der Unterricht zu Hause erleichtere das ganze Familienleben, sagt Sandra Peham. Sie habe sich den Heimunterricht stressiger vorgestellt. „Es entfallen ja auch viele Dinge – das Wecken der Kinder, das Chauffieren etc.“

Für den Heimunterricht bekommt Peham kein Geld. Sie macht es aus „Liebe und Überzeugung. Ich liebe mein Kind immer, egal ob es weiß, wie viel zwei plus zwei ist. Und dass die Kids die Kulturtechniken lesen, schreiben und rechnen lernen, ist ja gerade in meinem Sinn als Mutter.“

Heimunterricht: Wer seine Kinder zu Hause unterrichten darf

• Prinzipiell darf jeder Erwachsene seine Kinder zu Hause unterrichten, der beim Landesschulrat glaubhaft machen kann, dass er in der Lage ist, Unterricht zu erteilen.

• „Der Unterricht muss dem einer öffentlichen Schule gleichwertig sein“, heißt es seitens des LSR. Um das zu prüfen, müssen die Kinder am Schulschluss eine Prüfung über den absolvierten Lernstoff ablegen.

• Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl jener Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, beinahe verdreifacht: Waren es noch 37 Schüler im Schuljahr 2008/2009, so haben im vergangenen Schuljahr bereits 102 junge Oberösterreicher keine herkömmliche Schule besucht, sondern wurden zu Hause unterrichtet. Die Zahl ist im Österreich-Schnitt aber sehr gering: Die meisten zu Hause unterrichteten Kinder gibt es in Niederösterreich und Wien.

 

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Artikel Christina Tropper 12. September 2011 - 00:04 Uhr
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