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Oberösterreich

Der SS-Todeszug, der 21 Leichen hinterließ

GRIESKIRCHEN. Grieskirchner Zeitzeugin setzte Gedenktafel für die Opfer des fast vergessenen, mörderischen Judentransports durch.

Der SS-Todeszug, der 21 Leichen hinterließ

In solchen offenen Waggons wurden die Gefangenen im Winter transportiert: US-Soldaten bei der Inspektion. Bild: Archiv

Eine kleine Gedenktafel in Grieskirchen erinnert seit dem Vorjahr daran, dass die von der SS angeordneten und betriebenen Todesmärsche und Todeszüge von Juden aus dem deutschen NS-Vernichtungslager Auschwitz in Polen auch hier ihre Spuren hinterlassen haben.

Nahe dem Grieskirchner Bahnhof wurden am 26. Jänner 1945 auf Geheiß der SS-Wachen 21 tote KZ-Gefangene nackt aus dem Zug geworfen. Sie hatten, nur leicht bekleidet und ohne Proviant, die Fahrt in offenen Waggons aus dem polnischen Gleiwitz nicht überlebt. 1100 der 4000 jüdischen Häftlinge starben auf oder kurz nach der 1200 Kilometer langen Todes- und Irrfahrt zum Ziel, dem Lager Dora Mittelbau zwischen Kassel und Leipzig, wohin sie die SS wegen der im Osten immer näher rückenden Roten Armee schließlich transportieren sollte.

Hinter vorgehaltener Hand

Der gebürtige Grieskirchner Heinz Bauer, der seit mehr als zwei Jahrzehnten im Ausland lebt und derzeit auf Bali unter dem Pseudonym Arthur Birago als Schriftsteller tätig ist, entdeckte die in der Stadt lange Zeit nur hinter vorgehaltener Hand erzählte Geschichte im Vorjahr bei seinem ersten Heimaturlaub seit dem Weggang.

Eigentlich wollte er die Erforschung seiner Familiengeschichte bis zurück ins Mittelalter vorantreiben, doch im Kontakt mit Historikern und zeitgeschichtlich bewanderten Schriftstellern sah er die Kopie des Briefes einer Frau E. aus Grieskirchen, deren Vater damals die Leichen gesehen hatte, die auf den Friedhof transportiert worden waren, und der Familie davon erzählt hatte.

"Heute bin ich 82 Jahre alt und es lässt mir keine Ruhe, was diese armen Menschen ertragen mussten", schrieb sie nach der Schilderung der Ereignisse und forderte eine sichtbare Erinnerung an das tragische Ereignis, das sie seit ihrer Kindheit nicht losließ. Die Frau fand anfangs wenig Verständnis für ihr Anliegen, über Initiative des Mauthausen Komitees wurde dann ohne adäquates mediales Echo doch die Erinnerungstafel angebracht.

Bauer hat in Archiven und Bibliotheken die gesamte Todesfahrt recherchiert und in seinem Bericht auch Interviews mit Überlebenden zitiert. Der ganze Horror dieser Fahrt, bei der die zynische KZ-Führung den Tod vieler Gefangener als kostensparenden Faktor einkalkuliert hatte, kommt dabei zu Tage.

Benjamin Grünfeld etwa sagte: "Nach fünf Tagen Reise auf diese schlimme Art sahen die Wachen, dass viele Tote unter den Häftlingen lagen. Da sagten sie uns, dass wir die toten Gefangenen loswerden sollen. Wir mussten sie nach draußen werfen, an einem Bahnhof. Ich weiß nicht mehr, wie der hieß."

Zuvor hatten die Wachen den Toten noch die Goldzähne ausgeschlagen und an sich genommen.

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Artikel Josef Achleitner 18. April 2017 - 00:04 Uhr
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