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Oberösterreich

"Der Nachschub an Dealern ist riesig"

LINZ. Viele Verurteilungen, aber noch mehr neue Dealer: Mehr als 170 Drogenhändler wurden seit vergangenem Juni festgenommen. Was ihnen passiert, haben die OÖN recherchiert.

"Der Nachschub an Dealern ist riesig"

Stadtpolizeikommandant Karl Pogutter auf Lokalaugenschein mit den OÖNachrichten beim Kremplhochhaus. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Für die Polizei ist der Kampf gegen den Drogenhandel in Linz eine Mammutaufgabe. Tausende Dienststunden werden für Kontrollen, Überwachung, Befragungen und die Ermittlungen verwendet. Es ist oft ein Kampf gegen Windmühlen. Egal, wie viele Verdächtige die Beamten abführen, spätestens am nächsten Tag haben neue Dealer ihren Platz eingenommen (die OÖN berichteten).

"Der Nachschub an neuen Dealern ist riesig", sagt Stadtpolizeikommandant Karl Pogutter. Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl sagte zuletzt in einem Interview: "Es gibt inzwischen mehr Dealer als Konsumenten. Der Kampf um die Kunden wird immer rücksichtsloser."

Konkurrenzkampf mit Waffen

Dieser Konkurrenzkampf wird sogar mit Waffen geführt. Messer werden von der Polizei bei den Kontrollen immer wieder sichergestellt. "Wenn wir nachfragen, warum sie Springmesser eingesteckt haben, sagen die meisten, dass sie sich vor anderen Dealern fürchten", berichtet Pogutter.

Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten eng zusammen, damit möglichst vielen Verdächtigen der Prozess gemacht werden kann.

Die meisten Verurteilungen gibt es wegen "Drogenhandels im öffentlichen Raum". Ein Paragraf, der im Juni des Vorjahres mit einem klaren Ziel vom Gesetzgeber geschaffen worden war: Polizei und Justiz sollten mehr Handhabe gegen den Drogenhandel auf offener Straße haben.

In "Drogenbunkern" versteckt

Ohne den neuen Paragrafen wäre es schwieriger, den Dealern etwas nachzuweisen. Die Drogen verstecken sie in sogenannten "Bunkern". Ohne Drogenspürhunde sind diese Verstecke kaum zu finden. Und die Hunde sind bei weitem nicht bei jeder Kontrolle dabei.

Für eine Verurteilung wegen "Drogenhandels im öffentlichen Raum" braucht es weniger Beweise. Hier reicht es, wenn das Verhalten der Dealer "durch unmittelbare Wahrnehmung geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen", heißt es im Gesetz. Bereits der Versuch, mit Drogen zu handeln, reicht für eine Verurteilung aus. Strafrahmen bis zu zwei Jahre Haft.

In der Praxis fallen die Urteile meist milder aus. "Bei Jugendlichen werden zumeist bedingte Haftstrafen verhängt", sagt der Linzer Staatsanwalt Philip Christl. Erwachsene Dealer müssen hingegen meist zumindest einen Teil ihrer Strafe absitzen. Die Erfahrung zeige aber, dass auch diese Täter meist am Tag ihrer Verurteilung wieder frei gehen, weil die Untersuchungshaft auf ihre Strafe angerechnet wird, sagt Christl. Eine Verurteilung scheint die Dealer tatsächlich abzuschrecken, weiß Pogutter: "Die Typen, die wir einmal erwischt haben, sehen wir nur sehr selten wieder dealen."

Bei den Dealern handelt es sich meist um junge männliche Asylwerber oder Männer, deren Asylantrag bereits abgelehnt wurde, die aber aus diversen Gründen nicht abgeschoben werden können. Für sie ist der Drogenhandel ein Broterwerb. (hip/staro)

 

Video: Eskalation des Drogenproblems in Linz

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Artikel 20. Mai 2017 - 00:04 Uhr
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