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Oberösterreich

"Der Klosterhof ist ein Stück Linzer Geschichte"

LINZ. Das sagen viele Linzer über das Traditions-Wirtshaus – wie geht’s nach der Pleite weiter?

"Der Klosterhof ist ein Stück Linzer Geschichte – er muss gerettet werden"

Tagesgespräch: Insolvenz des Klosterhofes. Bild: Weihbold

"Der Klosterhof ist ein Stück Linzer Geschichte – er muss gerettet werden"

Jeder Linzer kennt ihn, beinahe jeder ist schon mindestens einmal in der Gaststube oder im lauschigen Gastgarten gesessen: das Linzer Traditionswirtshaus Klosterhof auf der Landstraße. Dass das Lokal insolvent ist, war auch gestern noch Tagesgespräch. Wie berichtet, belaufen sich die Schulden auf insgesamt 1,1 Millionen Euro.

Die OÖNachrichten machten sich auf Spurensuche. Das Ergebnis einer Umfrage: So manch einer verlor ein kritisches Wort über den Wirt, der sich gern in Kitzbühel golfspielend und in Feinschmeckerrunden edelste Tropfen trinkend fotografieren ließ und jahrelang mit katastrophalen Bilanzen durchkam. Doch dass der Klosterhof gerettet werden müsse, stand für alle außer Frage.

"Der Klosterhof ist eine Linzer Institution. Ich hoffe, dass es ihn weiterhin geben wird", sagt etwa Gerda Obermüller (74). Ernst Aumayr (72) ist früher gerne in den Gasthof gegangen. "Es wäre aber ein Jammer, wenn der Klosterhof nicht mehr bestünde. So ein Haus gibt es sonst nicht. Wenn ein neuer Pächter innen investieren würde und ordentliches Personal engagieren würde, könnte der Klosterhof wieder funktionieren."

 

Das sagt der Chef

Fredericke Wohlschlager kann sich nicht erklären, warum es so weit kommen konnte. "Im Sommer ein Gulasch, dazu ein kleines Bier im Gastgarten, das gehört doch einfach dazu", sagt die Linzerin. "Ewig schade" würde sie es finden, wenn es das künftig nicht mehr geben würde. Ein anderer, der nicht genannt werden will, sagt: "Die Stadt muss jetzt eingreifen, denn so ein schönes Platzerl gibt es sonst nirgendwo."

"Der Klosterhof ist ein Stück Linzer Geschichte – er muss gerettet werden"

45 Mitarbeiter, die noch auf das November-Gehalt und das Weihnachtsgeld warten, sind derzeit im Traditionsbetrieb beschäftigt. Ein Großteil davon hat dem Vernehmen nach erst am Mittwoch von der Pleite erfahren. Dementsprechend getrübt ist die Stimmung und die Motivation in der Belegschaft. "Nachdem ich das gehört hab’, hab’ ich den ganzen Tag nur gezittert", sagt eine Angestellte. Auch so mancher Kunde versucht bereits, die Reißleine zu ziehen. Drei kleinere Weihnachtsfeiern seien am Mittwoch bereits storniert worden, heißt es.

Seitens der Unternehmensführung gab man sich zurückhaltend. Er habe Verantwortung für 45 Dienstnehmer, sagte Johann Dobersberger, der seit 1995 Geschäftsführer ist. Er werde "alles daran setzen, dass es weitergeht". Viele der Mitarbeiter "begleiten uns seit vielen Jahren. Daher ist mir, gerade jetzt vor Weihnachten, die Fortsetzung eine Herzensangelegenheit."

Dazu muss zunächst einmal das Sanierungsverfahren erfolgreich über die Bühne gehen, was angesichts der Vermögenssituation ungewiss ist. Branchenkenner halten es für klüger, wenn Verpächter Stiegl einen Neuanfang mit einem neuen Partner wagen würde. (nieg/wal/dm)

Video: Traditionswirtshaus "Klosterhof" pleite

Geschichte des Gasthofs

1929 - Gasthof: Nachdem das Gebäude zuvor eine Bibliothek des Stifts Kremsmünster beherbergt hatte, wurde es 1929 von der Stiegl-Brauerei gepachtet und zum Gasthaus „Klosterhof“ umgestaltet.

1974 - Gerüchte: Aufregung in Linz löste das Gerücht aus, dass der Gasthof zu einem Kaufhaus umgebaut werden sollte. Das Stift Kremsmünster und Stiegl dementierten.

1978 - Übernahme: Wienerwald-Chef Friedrich Jahn übernahm das Lokal. Bedingung von Stiegl: Es sollte nicht zur Wienerwald-Filiale umgebaut werden.

1995 - Neue Leitung: Mit dem 1. Jänner 1995 übernahm der jetzige Geschäftsführer Johann Dobersberger, im Bild mit Ehefrau Edith, den Klosterhof. Zudem wurde der Gasthof für 50 Millionen Schilling saniert.

2017 - Insolvenz: Am 30. November wurde bekannt, dass der Klosterhof insolvent sei.

 

Umfrage

Das Stieglbräu zum Klosterhof an der Linzer Landstraße ist insolvent. Was bedeutet das für Sie und wie soll es mit diesem Traditionsbetrieb im Herzen von Linz weitergehen?

"Wenn der Klosterhof zusperren müsste, wäre das ein Wahnsinn und sehr schade. Das ist ja ein Kulturgasthof. Im Sommer gehe ich gern in den Gastgarten auf ein Getränk.“
Manfred Hackl, Linz

"Nachdem Linz sonst überhaupt keinen Gasthof im Zentrum hat, der traditionsreich kocht, würde dieser sehr fehlen. Der Gasthof ist so schön, der ist ein richtiger Magnet.“
Maria Hagleitner, Linz

"Sollte es den Klosterhof nicht mehr geben, würde damit ein Stück Linzer Tradition fehlen. Ich gehe alleine wegen des schönen Gastgartens mindestes ein Mal pro Jahr hin.“
Hubert Lengauer, Linz

"Es wäre wirklich schade, wenn es diesen Traditionsbetrieb nicht mehr geben würde. So einen Gastgarten mitten in der Stadt, der so ländlich wirkt, ist ja so selten.“
Nevenka Gajic, Linz

"Ein neuer Pächter müsste viel investieren und gutes Personal holen, um Erfolg zu haben. Ich war zuletzt nicht mehr zufrieden, aber ein Aus wäre doch ein Jammer.“
Ernst Aumayr, Linz

 

 

 

 

 

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Artikel 02. Dezember 2017 - 00:04 Uhr
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