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Oberösterreich

Dauerstau verursacht Hunderte Millionen Euro Kosten

LINZ. Linzer Uni-Professor Schneider geht in einer Studie von Kosten von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr aus.

Dauerstau verursacht Hunderte Millionen Euro Kosten

„Die Verzögerungen bei den Brücken sind nicht nur verkehrspolitisch ein Wahnsinn, sondern auch volkswirtschaftlich.“ Friedrich Schneider, Volkswirtschaftsprofessor an der Kepler-Uni Bild:

Stau ist lästig, strapaziert die Nerven – und kostet gewaltig. Allein die Verzögerungen bei den Brückenbauten rund um Linz verursachen volkswirtschaftliche Kosten von bis zu 4680 Euro pro Jahr und Pendler. Das hat der Linzer Volkswirtschafts-Professor Friedrich Schneider in einer aktuellen Studie für das Institut Wirtschaftsstandort Oberösterreich (IWS) errechnet. Die Studie liegt den OÖNachrichten exklusiv vor.

Schneider geht in seiner Studie davon aus, dass Pendler zumindest eine Stunde bis maximal eineinhalb Stunden pro Tag durch die Verkehrsüberlastung auf den Donauquerungen verlieren. "Das ist Zeit, die diese Personen weder für Freizeitaktivitäten noch für berufliche Zwecke nutzen können", sagt Schneider.

Er legt seinen Berechnungen einen durchschnittlichen Stundenlohn von 13 Euro zugrunde – was für Pendler verlorene Zeit im Wert von 3120 Euro (bei 60 Minuten Zeitverlust pro Tag) bzw. 4680 Euro (bei 90 Minuten) pro Jahr ergibt.

"Zahlen niedrig angesetzt"

Rechnet man die verlorene Zeit aller Pendler zusammen, ergibt das volkswirtschaftliche Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr, sagt Schneider. "Die Zeit wäre anderweitig sinnvoller genutzt."

Seine Zahlen seien dabei niedrig und vorsichtig angesetzt, sagt Schneider. Für Unternehmen, die auf Transporte und Lieferungen angewiesen sind, wachse der Schaden nochmals – etwa durch allfällige Probleme beim Einhalten von Lieferterminen. Nicht in die Berechnungen einbezogen seien auch höhere Spritkosten durch Stop&Go-Verkehr oder die erhöhte Belastung der Umwelt durch zusätzlichen CO2-Ausstoß.

"Die Verzögerungen bei den Brücken sind nicht nur verkehrspolitisch ein Wahnsinn, sondern auch volkswirtschaftlich", sagt Schneider. Finanziell gefordert sieht er auch den Bund. "Für Infrastrukturprojekte in Wien fließt viel Geld, sagt Schneider. "Doch in Oberösterreich, wo das Steueraufkommen hoch ist, scheinen dem Bund weder öffentlicher Verkehr noch Straßenverkehr ein Anliegen zu sein."

Völlig unverständlich ist für den Linzer Professor das Vorgehen bei der Linzer Eisenbahnbrücke. Dass die alte abgerissen wurde, die neue aber frühestens 2020 stehen wird, habe die Kosten massiv wachsen lassen.

Wäre die neue Linzer Eisenbahnbrücke schon befahrbar (oder stünde die alte noch), würde allein das die Stauzeiten und damit die Kosten um zwei Drittel reduzieren, sagt Schneider.

 

Staukosten: Friedrich Schneider und das IWS haben Pendler- und Wirtschaftsvertreter zur Diskussion der Staukosten-Studie eingeladen

"Uns geht es um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Oberösterreich. Diese leidet, wenn die Infrastruktur unzureichend ist. Die Studie zeigt, dass der Bau der Donaubrücken – von der Eisenbahnbrücke über den Westring hin zur neuen Brücke in Mauthausen – absolute Priorität haben muss. Derzeit bleibt Geld auf der Straße liegen. Das darf nicht sein."

Gottfried Kneifel, Geschäftsführer des Instituts Wirtschaftstandort OÖ (IWS)

"Wir fordern endlich ein verbindliches Gesamtkonzept, wann wo was gebaut wird. Wir haben die Verzögerungen satt. Auch dass – wie in Linz – eine Brücke abgerissen wird, ohne dass für die neue überhaupt ein Einreichplan vorliegt, darf nie wieder geschehen.“

Michael Hammer, VP-Nationalratsmandatar und Initiator der „Mühlviertler Pendlerallianz“

"Das nächste Fiasko droht in Mauthausen. Wenn die Donaubrücke tatsächlich in zwei Jahren für mehrere Monate gesperrt werden muss, dann bringt das für die vielen mitarbeiterstarken
Betriebe im Bezirk Perg, darunter die Firma Engel, große Umwege und Probleme. Zugleich haben die Linzer Brücken nicht die Kapazität, den umgeleiteten Verkehr aufzunehmen. Der Bau der neuen Brücke in Mauthausen muss unbedingt beschleunigt werden.“

Wolfgang Wimmer, Bezirksobmann der Wirtschaftskammer Perg

 

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Artikel 10. Dezember 2016 - 00:04 Uhr
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