Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Freitag, 20. Oktober 2017, 12:51 Uhr

Linz: 10°C Ort wählen »
 
Freitag, 20. Oktober 2017, 12:51 Uhr mehr Wetter »
Oberösterreich

Das Land der Räte

Es wird wieder gewählt: in Deutschland der Bundestag, in Österreich der Nationalrat. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied in der Nomenklatur.

Das Land der Räte

Bild: APA

Alle paar Jahre wählen wir in Österreich Räte, die dem Wortsinn nach nicht zu entscheiden, sondern nur zu beraten haben. Und das schon seit der Zeit Kaiser Franz Josephs, der den 1848 gewählten Reichstag nach der Niederschlagung der Revolution loshaben wollte und in seinem neoabsolutistischen Regime bestenfalls eine Beratung, aber keine Mitbestimmung duldete. Seither haben wir in Österreich einen Reichsrat und in einer nahtlos daran anschließenden Tradition einen Nationalrat.

Auch das Beispiel der russischen Oktoberrevolution und ihrer Bauern-, Arbeiter- und Soldatenräte und der kurzzeitigen Räterepubliken in Ungarn und Bayern hat zur Verstärkung des Rätewesens beigetragen: Daher haben wir in den Unternehmen Betriebsräte statt der vorher üblichen Vertrauensleute.

Österreich ist ein Land der Räte: Hofräte, Amtsräte, Regierungsräte, Schulräte, Studienräte, Medizinalräte, Bauräte, Bergräte, Ökonomieräte, technische Räte, Kommerzialräte und bei allen Sozialpartnern Kammerräte. Der ORF hat Stiftungsräte und Publikumsräte. Auch bei den Museen wimmelt es von Räten, gleich drei verschiedene beim neu gegründeten Haus der Geschichte in Wien.

Auch die Wissenschaft wird beraten: Wir haben an jeder Universität Universitätsräte, einen Wissenschaftsrat, einen Rat für Forschung und Technologieentwicklung und zahlreiche europäische und regionale Forschungsräte. Nur die Frauen hinken nach. Aber sie tun alles, um diese Genderlücke mit Quoten zu füllen. Sogar die Kirche lässt inzwischen Pfarrgemeinderätinnen wählen. Nur den Titel "Geistliche Rätin" und "Konsistorialrätin" wird es erst geben, wenn es auch Pfarrerinnen gibt.

Das Rätewesen boomt. Überall gibt es Beratung: Unternehmensberatung, Politikberatung, Wahlberatung, Beamtenberatung, Patientenberatung, Konsumentenberatung, Kunstberatung, Sexberatung. Eine Beratung von Laien kann Sinn geben. Aber die Beratung der Experten, denen in den Unternehmen oder in der Verwaltung Dinge erklärt werden, die sie selbst viel besser wissen oder wissen sollten, dient meist nur der Festigung der eigenen Meinung: als Argumentationshilfe, Alibi und Blitzableiter.

Dieser Wildwuchs an Beratung ist keineswegs gratis, auch dort nicht, wo sie ehrenamtlich erfolgt: Sekretariate, Räume, Reisespesen, Sitzungsgelder und die alternativen Kosten für den Zeitaufwand, die natürlich in die Rechnung einfließen müssten. Mit der Abschaffung oder Reduzierung der vielen Räte und Berater wäre hinsichtlich der versprochenen Ausgabenreduzierung schon viel erreicht.

Kommentare anzeigen »
Artikel Roman Sandgruber 09. September 2017 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

Linz: Drei Jahre Haft für 60-jährigen Brandstifter

LINZ. Ein 60-Jähriger, der in seinem Wohnhaus in der Europastraße in Linz binnen eines Monats vier ...

Ehepaar getötet: Keine Hinweise auf IS-Kontakte des Verdächtigen

LINZ. Nach der Bluttat an einem Linzer Ehepaar, bei der ein IS-Hintergrund im Raum steht, gibt es laut ...

Bäuerin von Kuh an Eisengatter gedrückt - schwer verletzt

STRASS IM ATTERGAU. Eine Bäuerin ist Freitagfrüh bei Stallarbeiten in Straß im Attergau (Bezirk ...

ÖVP fixiert Mandate: Jüngste Abgeordnete ist 22

LINZ. Claudia Plakolm aus Walding zieht für die ÖVP in den Nationalrat ein.

Arbeiter geriet mit Fuß unter Stapler

OBERHOFEN/IRRSEE. Bei Reparaturarbeiten an einer Säge ist am Donnerstagnachmittag ein Arbeiter mit seinem ...
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!