Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Montag, 21. August 2017, 00:58 Uhr

Linz: 13°C Ort wählen »
 
Montag, 21. August 2017, 00:58 Uhr mehr Wetter »
Oberösterreich

Bitten und beten am Linzer Biertisch-Altar

LINZ. Zwar mangelt es dem Autodrom-Straßmeier an sakraler Atmosphäre, dennoch wurde hier gestern wieder traditionell der Urfahraner-Gottesdienst gefeiert: mit Senf und Segen.

Bitten und beten am Linzer Biertisch-Altar

OÖN-Hostessen am Urfahraner-Markt Bild: Weihbold

Schwierig, im Urfahrmarkt-Trubel zwischen lärmenden Lautsprechern und brutzelnden Bratwürsten einen Ort der Ruhe und Besinnung zu finden. Doch mitten im Epizentrum gibt es diesen Flecken Besinnung. Da stehen ein katholischer Priester, ein evangelischer Pfarrer und ein Autodrombesitzer: Was klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes, hat eine lange und tiefgründige Tradition. Nicht nur am Urfahrmarkt, sonder auch am Münchner Pendant, dem Oktoberfest.

„Ich reise mit den Schaustellern von Messe zu Messe und halte die Gottesdienste “, sagt der Evangele Stefan Schumann. Er ist ein Mann des Volkes, mittendrin statt nur dabei. Ganz bei der Basis und kümmert sich um das Seelenheil seiner bunten Schäfchen: Karussellbesitzer, Würstelbrater, Billeteure. Sogar eine Hochzeit und eine Taufe habe es schon auf dem Urfahrmarkt gegeben. Auf dem rutschigen Metallboden eines Autodromstands, wo sonst nur kleine Gefährte schlitternd ihre Pirouetten drehen.

Weil das Bild, das die Urfahrmarktbesucher da gerade geboten bekommen, doch durchaus ein kurioses ist, bleiben Passanten ungläubig glotzend stehen. Ein Mann drückt zweifelnd seine Brille fester auf die Nase. Er setzt sich schließlich zu den zirka 50 Gläubigen. Andere Passanten schauen und kauen unbeirrt an ihrem Langos, während das Kyrieeleison gesungen wird. Nur Sänger sind sie keine, diese Schausteller. Da müssen Pfarrer Schuhmann und sein altkatholischer Kollege Pater Klemens Haas heute besonders laut mitsingen.

Pater in der Achterbahn

„Es war auch für mich am Anfang ungewöhnlich“, sagt Pfarrer Schumann, Schausteller-Seelsorger für ganz Österreich. „Aber nach zwei, drei Mal gehört es zum Alltag.“ Weil er früher oft Regie bei Theaterstücken führte, hätte ihn sein Chef zum Schausteller-Pfarrer berufen. Mit Chef meint er allerdings seinen direkten Vorgesetzten, den Bischof . Privat fährt Schumann übrigens gerne mit Achterbahnen. „Aber nur mit den schnellen.“ Meist sogar gratis, „man kennt sich ja“.

Während der Wandlung weht jedenfalls eine Brise Bratwurst durch die Bierbänke. Es ist ja auch schon fast Mittag. Bier statt Messwein gibt’s aber trotzdem nicht. Auch wenn nebenan beim Würstelstand zwei Linzerinnen genüsslich ihre Würstel in den Senf drücken.

Kommentare anzeigen »
Artikel Von Christina Tropper 03. Oktober 2009 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

"Am Freitag in der Nacht sind in Saiga Hans die Uhren stehengeblieben"

SANKT JOHANN/W. Trauer und Entsetzen nach dem Zelt-Unglück in St. Johann am Walde mit zwei Toten.

Betroffene schildern ihre schlimmsten Momente

SANKT JOHANN. Besucher des Frauscherecker Zeltfests erzählen, wie sie die Katastrophe erlebt haben ...

Vor Schulbeginn lernen? "Lieber noch die Ferien genießen"

LINZ. In drei Wochen startet die Schule: Experten raten Eltern, unnötigen Lerndruck zu vermeiden – ...

Feuerwehr rückte zu mehr als 1000 Einsätzen aus

OBERÖSTERREICH. Verletzte, Schäden und Chaos in der Sturmnacht – Helfer leisteten Schwerstarbeit.

Martin Mayer: Ein Verführer zu mehr edlem Genuss

Martin Mayers Schokoladen überzeugten bei internationalen Prämierungen.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!