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Oberösterreich

Bischöfe packen in Linz heiße Eisen an

LINZ. Zum ersten Mal seit 18 Jahren tagt die österreichische Bischofskonferenz wieder in Oberösterreich. Im Zentrum stehen die Flüchtlingskrise und der Umgang mit Opfern von sexuellem Missbrauch

Bischöfe packen in Linz heiße Eisen an

Die Bischöfe des Landes tagen bis Donnerstag in Linz: Benno Elbs (Feldkirch, von links), Andreas Laun (Salzburg), Anton Leichtfried (St. Pölten), Franz Lackner (Salzburg), Franz Scharl (Wien), Ägidius Zsifkovics (Eisenstadt), Manfred Scheuer (Linz), Anselm van der Linde (Abt der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau), Kardinal Christoph Schönborn (Wien), Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Klaus Küng (St. Pölten), Alois Schwarz (Gurk), Peter Schipka (Generalsekretär der Bischofskonferenz), Militärbischof Werner Freistetter, Jakob Bürgler (Administrator Innsbruck) und Stephan Turnovszky (Wien) Bild: VOLKER WEIHBOLD

Friedlich ruht das kleine Bildungshaus der Barmherzigen Schwestern im nördlichen Winkel von Linz. 15 Gehminuten von der Kepler-Uni entfernt grasen hier Kühe auf den Wiesen, während die 89-jährige Schwester Hedwig seelenruhig den Garten fegt. Die Abgeschiedenheit von Elmberg werden die 14 Bischöfe nötig haben. Unter der Führung von Kardinal Christoph Schönborn tagt seit gestern Österreichs Bischofskonferenz zum ersten Mal seit 18 Jahren in Linz – und dabei behandeln die Exzellenzen im Seminarraum im Dachgeschoß heikle Themen.

Noch vor Beginn gab der Kardinal die Richtung in der Flüchtlingsfrage vor. "Der Kern des christlichen Glaubens ist die Nächstenliebe, und diese muss auch das Maß im Umgang mit Flüchtlingen bleiben", sagte er. "Christlich ist es, hinzuschauen und zuzupacken, wenn ein Nachbar in Not ist, sei es ein Österreicher oder ein Flüchtling." Ein menschlicher und verantwortungsvoller Umgang mit Flüchtlingen in Europa sei möglich, "wenn es gemeinsam geschieht". Die Kirche müsse auch Bewusstseinsbildung leisten, sagte der Linzer Bischof Manfred Scheuer: "Flüchtlinge sind nicht als Touristen unterwegs. Sie sind in Not und daher mit Respekt zu behandeln."

Am Beginn der Beratungen stand aber ein anderes heikles Thema: der Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch und Gewalt. Vor sechs Jahren hatte Schönborn eine viel beachtete Kommission unter Führung von Ex-VP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic ins Leben gerufen, die erstmals Opfern eine Anlaufstelle bot und finanzielle Entschädigungen leistete. "Die Kommission hat Modellcharakter für Österreich und weltweit", sagte Schönborn.

1550 Missbrauchsfälle

Waltraud Klasnic kam gestern persönlich nach Linz, um Zwischenbilanz zu ziehen. Insgesamt haben die Experten 1550 Fälle abgeschlossen und 95 als nicht glaubwürdig eingestuft, sagte sie danach im OÖN-Gespräch: "Wir haben rund 20 Millionen Euro ausbezahlt, zum Teil als finanzielle Beträge, zum Teil in Form von Therapien." Für die Opfer sei aber nicht nur die finanzielle Abgeltung wichtig: "Die Kommission gibt ihnen das Gefühl, dass jemand mit ihnen ein Stück des Weges geht. Dieses Verstehen lindert Leid." Die Tätigkeit sei aber noch lange nicht beendet: "Die Arbeit geht weiter!"

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"Wenn es gut war, hab’ ich es gekocht, wenn es schlecht war, war’s der Konrad." So erklärt Köchin Schwester Johanna Franziska scherzhaft die Zusammenarbeit mit ihrem Kollegen Konrad Huemer. Die beiden sind ein eingespieltes Team, teilen sich die Arbeit im Bildungshaus der Barmherzigen Schwestern genau auf. Für Fleischsspeisen ist der Mann verantwortlich, die Frau für die Süßigkeiten. Bis Donnerstag kochen sie für die Bischöfe des Landes. Ihr Tag beginnt um 5.30 Uhr und endet meist am frühen Nachmittag. "Wir kochen zwar vor, aber immer frisch." Auf der Speisekarte stehen regionale Schmankerl und altbewährte Hausmannskost. Am ersten Tag durften sich die Geistlichen an einem Rinderbraten und einem Mühlviertler Topfenspitz erfreuen. Ob es schwierig ist, zu zweit für so viele Gäste zu kochen? "Mit Gottes Hilfe sind wir sowieso einer mehr", sagt Huemer. "Und was die Herren überlassen, essen wir dann selber."

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Entspannung: Wo der Kardinal zur Ruhe findet

Eine Suite mit großen hellen Zimmern, moderner Ausstattung und persönlicher Bedienung: Direktoren und Geschäftsführer haben in Seminarzentren oft hohe Ansprüche. Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz nicht. Kardinal Christoph Schönborn entspannt sich nach vielen Terminen in einem schlichten Einzelzimmer. Ein kleines Bett, eine Sitzgelegenheit und ein Fensterblick auf die Mühlviertler Hügel, der den Fernseher ersetzt. Die gefüllte Obstschale auf dem schicken Holztisch ist der einzige Luxus. Dass das Zimmer die Türnummer eins trägt, unterscheidet es nicht von anderen. "Die Bischöfe haben keine besonderen Wünsche geäußert, wir haben auch nichts verändert", sagt Schwester Sigharda. Nur die Blumen aus der Sakristei habe sie entfernt. Die 76-Jährige leitet die Einrichtung am Linzer Elmberg. Sie freue sich besonders auf die gemeinsame heilige Messe: "Der Besuch ist eine Ehre für unser Haus." Sieben Schwestern kümmern sich um das Wohl der Gäste.

 

Gottesdienst: Wer Österreichs Bischöfen persönlich begegnen will, hat am Dienstag, 8. März, die Möglichkeit dazu: Um 18.15 Uhr beginnt im Linzer Mariendom ein Festgottesdienst anlässlich der Bischofskonferenz. Die Messe leitet Kardinal Christoph Schönborn, der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl hält die Predigt.

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Artikel Herbert Schorn, Gabriel Egger 08. März 2016 - 00:04 Uhr
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