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Oberösterreich

Aufarbeitung der Katastrophe: "Auch Männer dürfen in Tränen ausbrechen"

SANKT JOHANN AM WALDE. Ereignisse wie die Zeltfest-Tragödie am vergangenen Wochenende in St. Johann am Walde mit zwei Toten und mehr als 140 Verletzten hinterlassen bei denen, die sie miterlebt haben, auch seelische Spuren.

Aufarbeitung der Katastrophe: "Auch Männer dürfen in Tränen ausbrechen"

Nach wie vor herrscht Trauer in St. Johann am Walde. Bild: Fesl

Schlaflosigkeit, Tränen und immer wieder die Bilder vom Unglück im Kopf. Für viele Betroffene ist psychologische Unterstützung wichtig. In St. Johann wird sie vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes, der Krisenhilfe Oberösterreich und der Stressverarbeitungseinheit (SvE) der Feuerwehr Braunau geleistet, deren zehn Mitglieder sich normalerweise nach belastenden Einsätzen um ihre Kameraden kümmern. In diesem besonderen Fall betreuen sie auch Angehörige von Kameraden und Festbesucher ohne Verbindung zur Feuerwehr.

Gefühle zulassen

"Die Eindrücke vom Unglück vergisst man nicht. Aber wir wollen den Menschen helfen, wieder positive Bilder im Kopf zu haben, damit sie ihr Leben in den Griff kriegen", sagt Anton Zeilberger aus St. Peter am Hart, der das SvE-Team leitet und bereits zwei Informationsveranstaltungen mit insgesamt rund 200 Teilnehmern hielt.

Der Feuerwehrjugend von Frauschereck legte er etwa nahe, sich gemeinsam Fotos ihres Jugendlagers anzusehen, um sich daran zu erinnern, wie viel Spaß sie miteinander hatten.

"Wir möchten auch vermitteln, dass es eine normale menschliche Reaktion ist, nach so einem Erlebnis nicht schlafen zu können oder in Tränen auszubrechen, auch für

Männer ist Weinen keine Schande. Gefühle zuzulassen ist wichtig", sagt Zeilberger, der seit 45 Jahren bei der Feuerwehr ist und selbst schon belastende Einsätze miterlebte. Für die Arbeit beim SvE-Team absolvierten seine Kollegen und er eine eigene Ausbildung.

Verdrängen schadet

Vielen Menschen tut es gut, über schlimme Erlebnisse zu sprechen, auch weil ihnen die Anteilnahme ihrer Zuhörer die Gewissheit vermittelt, mit ihren Gefühlen nicht alleine zu sein. Belastende Erfahrungen zu verdrängen, kann langfristig negative Folgen haben.

"Je früher man mit der Aufarbeitung beginnt, desto besser", sagt Zeilberger. "Wartet man zu lange, schlummert so ein Erlebnis im Hintergrund und kann zu einem Trauma werden." Wie schnell jemand eine Katastrophe verarbeitet, ist individuell verschieden.

Einige Wochen lang sind Tränen und Schlaflosigkeit normal. Wer aber nach einem Monat nicht in der Lage ist, seinen Alltag zu bewältigen, dem rät der erfahrene Feuerwehrmann, professionelle Hilfe zu suchen.

Das SvE-Team steht nach wie vor mit Betroffenen in Kontakt. Wie wertvoll ihr Einsatz ist, zeigen die Reaktionen: "Viele haben uns gesagt, dass es ihnen gut getan hat, mit uns zu sprechen."

Immer wieder die Frage: „Warum?“

Die Anteilnahme am Tod von Christoph A., der beim tragischen Zeltunglück am Freitag ums Leben kam, war beim gestrigen Begräbnis in St. Johann am Walde enorm.

Rund 900 Menschen kamen, um dem 29-Jährigen die letzte Ehre zu erweisen. Es sei eine „äußerst bewegende Feier“ gewesen“, so ein Begräbnis-Besucher. „Die Menschen sind während des Trauergottesdienstes sogar noch vor der Kirche gestanden, so viele wollten sich von Christoph A. verabschieden.“

Diakon Anton Baumkirchner stellte immer wieder die Frage nach dem „Warum“. Nach dem Gottesdienst wurde der Verstorbene, der unter anderem bei der örtlichen Jägerschaft aktiv war, von der Friedhofshalle zu seiner letzten Ruhestätte gebracht. „Es gibt Momente im Leben, da steht die Welt plötzlich still – und wenn sie sich weiterdreht, ist nichts mehr so, wie es war“, so Braunaus Bezirkshauptmann Georg Wojak.

Begräbnis in Höhnhart

Heute wird die 19-jährige Alexandra P. in der Nachbargemeinde Höhnhart beerdigt. Die junge Frau war unter anderem als freiwillige Rotkreuz-Mitarbeiterin tätig.  (wal)

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Artikel 24. August 2017 - 00:04 Uhr
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