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Oberösterreich

Auf Radtour Rehkitz entdeckt: Linzer Paar päppelte "Timy" in Wohnung auf

LINZ. Gestern wurde das acht Wochen alte Tierbaby an seine neuen Besitzer übergeben.

Auf Radtour Rehkitz entdeckt: Linzer Paar päppelte "Timy" in Wohnung auf

Max Danner mit seinem Findelkind "Timy" – das Rehkitz hat noch gestern neue Eltern bekommen. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Zärtlich streichelt Max Danner dem kleinen "Timy" über den Kopf, krault dem 50 Zentimeter großen Rehkitz die Ohren, und das Wildtierbaby stupst gegen seine Hand. Acht Wochen ist es her, dass der Linzer zum dritten Mal Vater wurde. Papa eines tierischen Findelkinds, das er auf seiner Radtour durch Oberbairing in Altenberg bei Linz am 1. Juli in einer Wiese beinahe leblos fand.

"Ein Jäger hat es zum Waldrand getragen. Als ich am Abend mit Freunden noch einmal hingefahren bin, lag das Kitz noch immer dort. Es war völlig regungslos", sagt Danner. Der 57-Jährige nahm den kleinen Bock mit, informierte den Jagdleiter, fütterte das neugeborene Tier mit Erstlingsmilch und taufte den Kleinen "Timy" – der Kosename seines Neffen Tim. "Wir haben einfach gehandelt, ohne zu wissen, was da auf uns zukommt", sagt Elena, die Ehefrau von Max.

 

Ein neues Leben, eine neue Herausforderung: "Wir mussten ihn alle vier Stunden füttern, auch nachts. Danach spazierengehen", sagt der Versicherungsmakler, der vor einem Monat Besuch von der Polizei bekam. Anzeige wegen der unerlaubten Tierhaltung in der Wohnung wurde erstattet.

"Aber das konnten wir klären. Wir haben dem Amtstierarzt die Notsituation geschildert." Der drückte ein Auge zu, und Danner suchte eifrig nach einer Bleibe für sein Tierkind. Viele Interessenten, aber nur eine Lösung: Ein Pfarrer in Urfahr nahm Danner und "Timy" im eingezäunten weitläufigen Garten der Friedenskirche auf. Dort baute der Linzer mit Freunden eine Behausung aus Paletten, Stroh und Dachpappe.

Mit Kitz vor der Kirche campiert

Damit das kastrierte Kitz die Nächte nicht einsam im Freien verbringen musste, haben Max und sein Bruder mit Sohn Tim abwechselnd im Kirchengarten campiert. Zwischen Apfelbäumchen und Büschen hüpfte das Böcklein gestern noch aufgeweckt herum, ließ sich ein letztes Mal von seinen Zieheltern liebkosen, dann verabschiedeten sich die Danners von "Timy", übergaben ihn an Daniela und Stephan Wöckinger. "Wir haben endlich einen Platz für Timy gefunden. Das Tierarzt-Paar aus Steyregg wird sich sicher gut um ihn kümmern", sagt Max Danner. Tränen steigen ihm in die Augen. "Die gemeinsame Zeit war kurz, aber der Abschied ist schwer."

Darf man ein verlassenes Kitz mitnehmen?

Private, die ein Rehkitz entdecken, das am Verdursten ist, das von der Mutter offensichtlich verstoßen wurde, dürfen ein solches Tier eigentlich nicht mitnehmen. „Rehe fallen unter das Jagdgesetz. Eine Mitnahme ist Wilddiebstahl. Es droht eine Geldstrafe nach dem Jagdgesetz“, sagt Dieter Deutsch, Amtstierarzt beim Land Oberösterreich.

Der ehemalige Tierschutzombudsmann des Landes rät allen Privaten, die ein verletztes oder kränkliches Wildtier finden, es nicht mitzunehmen, sondern den zuständigen Jäger zu kontaktieren. Im Fall von „Timy“ ist das passiert: Max Danner hat sich umgehend beim zuständigen Jagdleiter des Gebiets, wo er das Kitz fand, gemeldet. Der Jäger habe ihm das Okay gegeben, das Tierbaby aufzuziehen, sagt Danner. Er ließ den verspielten Bock umgehend kastrieren.

„Wenn man ihn nicht kastriert, wird er früher oder später den Menschen als Rivalen ansehen und sich aggressiv verhalten“, erklärt Amtstierarzt Deutsch. Ein kastrierter Rehbock wird zu einem sogenannten „Perückenbock“. Das Geweih wächst unaufhörlich weiter. Und: „Diese Tiere sind meist nicht mehr menschenscheu und fallen daher häufiger dem Straßenverkehr oder auch Jägern zum Opfer.“

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Artikel Valentina Dirmaier 27. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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