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Oberösterreich

Amerika ist anders – auch beim Hundetraining

Cesar Millan, der bekannteste und umstrittenste TV-Hundetrainer der Welt, führte Journalisten seine Methoden vor.

Amerika ist anders – auch beim Hundetraining

Cesar Millan mit einem Hunderudel beim Journalisten-Seminar in Garmisch-Partenkirchen. Bild: Kai Heimberg/Semmel Concerst

Was steckt hinter dem Phänomen Cesar Millan? Ist der gebürtige Mexikaner mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft ein Hundequäler, wie Tierschützer und anerkannte Hundetrainer in Österreich behaupten? Oder ist er der einfühlsame Hundeflüsterer, als der sich der 48-Jährige in seinen weltweit ausgestrahlten Fernsehsendungen und bei seinen Showauftritten gern bezeichnen lässt?

Die OÖNachrichten haben ein Seminar Cesar Millans besucht, das er in Garmisch-Partenkirchen für Journalisten gegeben hat, um seine aktuelle Show "Once Upon a Dog" zu promoten, mit der er nächsten April durch Deutschland und Österreich touren wird. Dabei betonte er immer wieder, wie wichtig es ihm sei, Hunde respektvoll und einfühlsam zu behandeln. "Wer eine gute Beziehung zu seinem Tier hat, weiß, wie es ihm geht und was es braucht, ähnlich wie eine Mutter spürt, was das Beste für ihr Kind ist", sagte Millan.

Doch hat sich auch die Berner Sennenhündin "Fanni" respektvoll behandelt gefühlt, als ihr der "Hundeflüsterer" beibrachte, dass sie beim Gassigehen künftig nicht mehr ziehen darf, sondern ruhig neben ihrer Besitzerin hergehen soll? Das fragten sich einige Seminarteilnehmer, denen seine Methode der Umerziehung eher grob als einfühlsam erschien. Millan legte der Hündin die Schlinge einer Leine knapp hinter dem Kiefer an und zwang Fanni durch anfangs recht kräftiges Ziehen nach oben dazu, vorerst ruhig neben ihm und später neben seinem Frauchen herzugehen.

Fragwürdige Methoden

Zugegeben, die Übung gelang recht schnell, doch die Tatsache, dass der etwa 60 Kilogramm schwere Hund durch den Leinenzug zwischendurch zweimal heftig röchelnd um Luft rang, disqualifizierte die Methode Millans dennoch. Verwundert hat kritische Zuseher außerdem, dass Millan kein Wort des Lobes oder Streicheleinheiten für Fanni übrig hatte, als sie brav neben ihm herging. Moderne Hundetrainer in Österreich würden anders vorgehen, um dem besten Freund des Menschen das Ziehen an der Leine abzugewöhnen. Sie würden das Tier mit Leckerlis, Spielzeug und viel Lob dazu motivieren, sich beim Spazierengehen stärker an seinem Besitzer zu orientieren und mit ihm Blickkontakt zu halten. Diese Übung würde Mensch und Hund nicht nur das Spazierengehen erleichtern, sondern gleichzeitig die Bindung der beiden festigen, was bei Millans Methode zu bezweifeln ist.

Gute Ansätze

Doch der amerikanische Hundecoach hat bei dem Journalisten-Seminar auch Empfehlungen gegeben, die wohl jeder moderne Hundetrainer in Europa unterschreiben würde. So etwa, dass es wichtig sei, seinem Haustier gegenüber souverän (nicht zu verwechseln mit grob!) aufzutreten, weil sich ein Hund nur bei einem Besitzer wirklich wohl fühlt, der ruhig und bestimmt vorgibt, wie er sich das gemeinsame Leben vorstellt. "Ist der Hundeführer nervös und gibt er keine klare Linie vor, dann wird auch der Hund unruhig sein und seinen Besitzer nicht ernst nehmen", sagte Millan. Es sei also wichtig, dass Hundehalter, die Probleme mit ihren Tieren hätten, immer sich selbst und ihren Umgang mit dem Vierbeiner hinterfragen. Oft sei das Problem durch Verhaltensänderung des Hundeführers rasch zu lösen.

Amerika ist anders – auch beim Hundetraining

Tierschützer warnen

Kritik von Tierschützern an ihm und seinen Vorstellungen von souveräner Hundeführung, animiert den 48-Jährigen jedoch nicht dazu, sein Verhalten zu überdenken. So tut er fragwürdige Methoden, die er in Fernsehshows vorführt – wie etwa das Treten von Hunden, um deren Verhalten zu korrigieren, das Packen und Hochheben erwachsener Hunde am Nacken und die Verwendung von Elektroschock-Halsbändern –, als "Missverständnisse" ab. Er würde solche Vorwürfe einfach ignorieren, meinte Millan in einem Interview, das einige Zeit auf seiner Internetseite "cesarsway.com" nachzulesen war. Darin sagte er auch: "Ich weiß, einige Leute verbreiten Gerüchte, ich würde Hunde körperlich misshandeln. Das ist widerlich. Ich glaube, man muss Hunde manchmal körperlich korrigieren, weil Hunde mit all ihren Sinnen reagieren – dazu gehören Berührungen. Aber das ist etwas anderes, als einem Hund Schmerzen zu bereiten oder ihn zu misshandeln."

Aktuelle Show

Tierschützer appellieren dennoch an Hundebesitzer, die im April nächsten Jahres eine der insgesamt 19 Shows Cesar Millans in Österreich und Deutschland besuchen werden, jeden seiner Erziehungsratschläge kritisch zu hinterfragen und seine Empfehlungen keinesfalls blindlings nachzuahmen.

 

Hunde prägten Millans Kindheit

Cesar Millan wurde am 27. August 1969 in Mexiko geboren. „In meiner Kindheit verbrachte ich viel Zeit auf dem Hof meines Großvaters, wo ich mich mit Hunden und ihren Verhaltensweisen beschäftigte“, erzählt Millan. Mit 13 Jahren sei er in seiner Heimat als „El Perrero“, der Hundebursche, bekannt gewesen.
Als illegaler Einwanderer kam der Mexikaner mit 21 Jahren in die USA (Kalifornien), wo er anfangs als Hundefriseur und später als Tierarzthelfer und Hundepfleger arbeitete. Dabei erwarb er sich den Ruf als Hundeexperte. 1994 lernte Millan den Hollywoodstar Will Smith kennen, der ihn als „Hundeflüsterer“ an andere Prominente weiterempfahl und so den Grundstein für die Karriere des heute 48-Jährigen legte.

 

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Artikel 30. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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