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Oberösterreich

Als Migrantin auf Weg zur Matura: "Jetzt habe ich neue Perspektive"

LINZ. Integration: 4300 Migranten besuchen in Oberösterreich Elterngruppen und Sprachkurse des Instituts für Interkulturelle Pädagogik - Nuray Gürsoy fand so Freude am Lernen.

Als Migrantin auf dem Weg zur Matura: "Jetzt habe ich eine neue Perspektive"

Nuray Gürsoy fand im Kurs eine neue Perspektive: die Matura. Bild: mediabox.at/Schwarzl

Während Österreichs Politiker über Strafen für "integrationsresistente" Migranten diskutieren, steht Nuray Gürsoy kurz vor der Matura. Zu verdanken hat sie das ihrem Sohn. Denn als Habil 2010 in den Kindergarten kam, nahm die Lagerarbeiterin am "Rucksack"-Projekt des Instituts für Interkulturelle Pädagogik (IIP) teil. Bei diesem Kurs lernen Mütter, ihre Kindergartenkinder in der Muttersprache zu fördern. Sie probieren Spiele und Bastelanleitungen aus, für zuhause gibt es Übungen für Mama und Kind.

Der Kurs eröffnete Gürsoy eine neue Welt. Mitarbeiter zeigten ihr, dass sie nach der Karenz mehr sein kann als Arbeiterin. So übernahm sie selbst Rucksack-Gruppen. Jetzt bereitet sie sich im zweiten Bildungsweg auf die letzte Matura-Prüfung vor. Danach will die 32-Jährige Psychologie studieren: "Ich fand durch dieses Projekt eine neue Perspektive", sagt sie. Am Anfang seien Freunde und Eltern skeptisch gewesen: "Jetzt unterstützen mich alle."

Selbstbewusste Mütter

4300 Teilnehmer besuchten im Vorjahr oberösterreichweit die 200 Kurse des Volkshochschul-Institutes. Sie habe mit Tausenden Migranten gearbeitet, sagt Mitarbeiterin Elif Yilmaz: "Aber Leute, die sich nicht integrieren wollen, sind selten." Oft würden Unwissenheit und Scheu Barrieren bilden, so Yilmaz. Diese will das IIP mit seinen Angeboten abbauen.

Als Migrantin auf dem Weg zur Matura: "Jetzt habe ich eine neue Perspektive"

Mütter lernen, wie sie fördern können. (Bild: Schwarzl)

Kindergarten: In 36 "Rucksack"-Gruppen lernen 482 Mütter, wie sie ihr Kind fördern können. "Wir öffnen gezielt österreichische Kindergärten und Eltern-Kind-Zentren", sagt Institutsleiter Selcuk Hergüvenc. Mütter sollen ihren Kindern später bei der Aufgabe helfen. "Sie werden selbstbewusster, trauen sich nachzufragen", sagt Yilmaz. "Der Besuch der Elternabende steigt." Auch Kindergärten würden dadurch offener.

Als Migrantin auf dem Weg zur Matura: "Jetzt habe ich eine neue Perspektive"

Sprache üben beim Backen (Bild: Schwarzl)

Laiendolmetscher bildet das IIP seit drei Jahren aus. Diese vermittelt das Institut für Elternabende oder Konfliktgespräche in der Schule. Ziel ist es, dass in heiklen Situationen nicht wie oft üblich Geschwister übersetzen müssen, sondern ausgebildete Personen mit Fingerspitzengefühl.

Nachhilfe erhalten 1500 Volks- und Neue Mittelschüler an 37 Standorten. Höhere Bildung bedeutet für Migranten aber immer noch eine Hürde, sagt Yilmaz: "Die Drop-Out-Rate in der neunten Schulstufe in höheren Schulen ist enorm. Da fehlt Unterstützung."

Elternvereine für Migranten gibt es in Linz, Wels, Freistadt, Schärding und Grieskirchen. Dort werden Fragen zu Erziehung und zum Bildungssystem erläutert. "Wir erklären etwa, was die Vorschule ist, wozu es ein Elternheft gibt oder was eine Gesunde Jause ist", sagt IIP-Mitarbeiter Turan Ünal. Damit sollen Missverständnisse schon im Vorhinein aus dem Weg geräumt werden. Die Vereine sollen aber keine Konkurrenz zu den schulischen Elternvereinen sein, sagt Yilmaz: "Wir wollen informieren und vermitteln."

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Artikel Herbert Schorn 06. Februar 2015 - 00:04 Uhr
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