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voestalpine 2030: Wieder bessere Chancen für den Standort Linz

LINZ. Generaldirektor Eder über einen Sinneswandel und umweltfreundliche Stahlproduktion

voestalpine 2030: Wieder bessere Chancen für den Standort Linz

Wolfgang Eder: Ab 2017/18 stehen große Entscheidungen an. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Warum die voestalpine die jetzige Stahlkrise besser bewältigt als die Konkurrenz und Linz als Standort für die künftige Stahlproduktion wieder bessere Chancen hat, erklärt Generaldirektor Wolfgang Eder im Gespräch mit den OÖNachrichten.

 

OÖNachrichten: Der Aktienkurs der voestalpine liegt 30 Prozent unter dem Jahreshoch. Wäre das nicht ein guter Zeitpunkt, jetzt zu kaufen?

Eder: Ich werde mich hüten, eine Empfehlung abzugeben. Das wäre rechtlich problematisch. Grundsätzlich ist der Kauf einer Aktie mit Risiko verbunden, aber langfristig attraktiv, wenn man Geld investiert, das man derzeit und auch mittelfristig nicht benötigt.

Auf dem Weltmarkt gibt es ein Überangebot an Stahl, China kühlt sich ab. Das könnte auch Ihre Hauptabnehmer, die deutsche Autoindustrie, treffen. Was heißt das für die voestalpine?

Wären wir wie vor 15 Jahren noch zu 70 Prozent in der reinen Stahlproduktion, hätten wir jetzt die gleichen Probleme wie andere Stahlunternehmen. Die Autokonjunktur ergänzt sich mit der Stahlkonjunktur ganz gut. In China sind wir vor allem in den Bereichen Automobil, Eisenbahn und anspruchsvoller Edelstahl, dort gibt es keine Abkühlung. Rückgänge bestehen im Öl- und Gasgeschäft. Dort wird derzeit wenig investiert.

Was ist dran an den Gerüchten, dass die voestalpine bei der Ostseepipeline Nord Stream II vor einem Auftrag über 170.000 Tonnen für Grobblechlieferungen steht?

Das wird in den nächsten Wochen entschieden. Die Chancen dürften bei über 50 Prozent liegen.

Das selbst verordnete Sparprogramm wurde auf eine Milliarde Euro erhöht. Sie haben ja auch bisher schon Effizienz gesteigert. Wie schaffen Sie das?

Vor fünf Jahren hätten wir das auch nicht geschafft. Aber jetzt arbeiten wir in einem komplexen Prozess, vernetzen die Produktionen und werden auch im Arbeitseinsatz flexibler. Unsere Mitarbeiter wissen: Je kreativer wir bei der Effizienzsteigerung sind, desto sicherer die Jobs.

Ihre Mitarbeiter haben dafür protestiert, Stahlimporte aus China oder Russland mit Strafzöllen zu belegen. Wie passt das zu einem Unternehmen, das dem freien Markt das Wort redet?

Wir plädieren grundsätzlich für einen freien Marktzugang. Das heißt aber, dass die Produktion weltweit transparent unter fairen Standards erfolgt. Wir trauen uns unter solchen Bedingungen auch global zu, wettbewerbsfähig zu sein. Wenn aber der chinesische Staat die eigenen Stahlwerke subventioniert, um sie exportfähig zu machen, kann man davon nicht reden. In Europa besteht ein Subventionsverbot. In den USA, die schneller reagiert haben, hat allein die Meldung, dass gegen Dumping vorgegangen wird, die Aktienkurse der US-Firmen um 20 Prozent binnen weniger Stunden steigen lassen. Wir gehen davon aus, dass wir in Europa in den nächsten Monaten zu einer Lösung kommen.

Ihre Eisenschwamm-Produktion in Texas geht im Sommer in Betrieb. Wie viel verarbeiten Sie selbst?

Etwa 40 Prozent liefern wir nach Österreich, der Rest geht vor allem nach Mexiko und in die USA. Einen gewissen Spielraum für höheren Eigenbedarf lassen wir uns offen.

Heißt das, Sie planen Technologieveränderungen in Linz bei den Hochöfen?

Die Entscheidung fällt voraussichtlich 2017/18. Bis 2025 werden wir sicher noch Hochöfen haben. Unsere Forscher und Techniker sind zuversichtlich, dass in den Dreißigerjahren wasserstoffbasierte Stahlproduktion möglich ist. Das würde die CO2-Problematik weitgehend lösen. Wir brauchen aber für die Zwanzigerjahre eine Übergangstechnologie, die uns in der Folge einen Umstieg darauf ermöglicht.

Entnehme ich Ihren Worten, dass die Zukunftschancen von Linz und Donawitz als Orte der Stahlproduktion wieder steigen?

Unsere Industrie muss bis 2030 den CO2-Ausstoß um 43 Prozent senken. Auf Wasserstoffbasis ist das machbar. Alternativen dazu sehen wir nicht. Solange wir diesbezüglich keine Planungssicherheit haben, müssen wir natürlich in Alternativen denken, die letztlich auch Standortdiskussionen einschließen. Aber das Bewusstsein der Politik, dass wir verlässliche Rahmenbedingungen brauchen, scheint sich zu festigen. Dies erhöht die Chancen auf längerfristige Perspektiven der traditionellen Standorte.

 

"Froh, dass wir gut zahlen"

Das OÖN-Gespräch im 16. Stock des Blauen Turms eröffnete der Generaldirektor Wolfgang Eder mit einem großen Lob für die Belegschaft. Es sei keine Selbstverständlichkeit, ein Sparprogramm mit einem Volumen von einer Milliarde Euro zu schultern. Dies sei nur mit hochmotivierten Mitarbeitern möglich, die Freude am Erfolg des Unternehmens hätten, sagt Eder. „Wenn die Menschen in den Betrieben nicht voll hinter den Plänen stehen, kann sich der Vorstand auf den Kopf stellen. Früher hätten wir das wahrscheinlich so nicht geschafft.“

Beteiligung: Die Mitarbeiterbeteiligung und der monetäre Vorteil seien zwar nicht der einzige Grund, dass die Belegschaft so motiviert sei. „Aber ich bin grundsätzlich froh, dass wir gut zahlen und die Mitarbeiter das Auskommen finden“, sagt Eder.

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Artikel Dietmar Mascher 04. März 2016 - 00:04 Uhr
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