Es ist vorgesehen, dass Österreich die Windkraft bis 2020 auf eine Leistung von 3000 Megawatt (MW) verdreifacht. Mehr als 800 MW des Zubaues sind bereits genehmigt. Heuer würden 375 MW fertiggestellt, vor allem in Niederösterreich und im Burgenland, sagt Walter Moidl von der IG Windkraft, die bundesweit für die Betreiber spricht.
Oberösterreich, ursprünglich ein Pionier in der Windkraft, verfüge derzeit nur über 27 MW und habe Nachholbedarf. „Allein schon aus volkswirtschaftlichen Gründen. Oberösterreichs Betriebe setzten im Vorjahr 200 Millionen Euro damit um, vorwiegend im Export“, sagt Moidl.
Umsatz für Unternehmen
Hexcel in Neumarkt i. H. erzeugt Kunststoffkomponenten für Windflügel, SKF Steyr Lager, voestalpine Stahl für die Türme, Felbermayr Wels ist ein international führender Logistiker, der die bis zu 200 Meter hohen Windtürme ans Ziel bringt und aufrichtet.
An der Frage, ob Oberösterreich als Wasserkraft-Bundesland Nummer eins tatsächlich beim Wind ausbauen soll, scheiden sich freilich die Geister. „Wir müssen bei der Umsetzung zunächst bei der Energieeinsparung und damit der Effizienz ansetzen. Aber wir dürfen auch auf keine Form der erneuerbaren Stromerzeugung verzichten“, sagt Energie-Landesrat Rudi Anschober.
Standorte werden geprüft
In der Landespolitik gebe es Konsens, dass man sich auch zur Windkraft bekenne. Nur wenn feststehe, wie viel Wind wirklich blase, ob Natur- und Landschaftsschutzbedenken ausgeräumt werden können und auch die Ableitung des Stroms geklärt sei, könne man Windkraftwerke genehmigen.
Tatsächlich hinterfragt die Energiebehörde E-Control das Ansinnen, in Oberösterreich Windkraftwerke zu bauen. Hier seien sie mangels Wind im Jahr nur durchschnittlich 1500 Stunden in Betrieb, „im Österreich-Schnitt sind es 2000 Stunden“, sagt E-Control-Chef Walter Boltz. Dennoch lasse sich mit der Förderung komfortabel verdienen.
Anlagenbetreiber locken mit Renditen von 15 bis 16 Prozent, weil die Einspeisetarife, welche die Konsumenten über Ökostromzuschläge zahlen müssen, attraktiv sind. Ein Haushalt wird derzeit mit 35 Euro im Jahr belastet (Bürger mit Rundfunkgebührenbefreiung zahlen nur 20 Euro). Die Tarife des neuen Ökostromgesetzes werden die Belastung bis 2015 auf 50 Euro anheben.
„Je teurer Strom wird, desto geringer werden die Mehrkosten sein“, sagt Boltz. Österreich habe die Förderung vernünftig dosiert, während Deutschland massive Lasten auf sich genommen habe. „Trotzdem müssen wir die Mittel dort einsetzen, wo die meisten Kilowattstunden erzielt werden“, sagte der E-Control-Chef. Wind sei im Weinviertel und Burgenland ein Drittel ertragreicher.
EAG prüft im Ennstal
Auch die Energie AG Oberösterreich prüft Standorte, vor allem im Ennstal. „Wer Windkraftwerke errichtet und sie 1500 bis 2000 Stunden im Jahr betreibt, muss sich aber auch Gedanken darüber machen, wo der Strom in den gesamten 8760 Jahresstunden herkommt“, sagt Technik-Vorstand Werner Steinecker. Hier gebe es für den Bau von Pumpspeicherkraftwerken Bewegung. Möglicherweise brauche man auch rasch regelbare Gaskraftwerke. In einem Jahr werde die EAG entscheiden. 30 bis 60 Megawatt Windkraft seien denkbar.
An allen Standorten formieren sich Gegner: „Uns wird gesagt, Windkraft sei nur ein Mosaikstein zur Energiezukunft. Doch sie ist ein Mühlstein, weil sie zu enormen Konflikten in den Standortgemeinden führt“, sagt Johann Aschenberger aus Ried i. I., der Sprecher der „Plattform für windkraftfreie Lebensräume“. Die 200 Meter hohen Türme bedrohten Landschaft und Tierwelt.
„Ich sehe die Kühltürme des Atomkraftwerks Temelin“, sagte Landesrat Anschober. „Die können Sie mit Windrädern nicht beeinflussen“, konterte Aschenberger: „Die Gegner der schon laufenden Windräder sind mit dem Temelin-Argument eingeschüchtert worden. Jetzt stehen sie auf.“ Den Menschen werde Geld aus der Tasche gelockt für eine Energieform, die Natur zerstöre und kaum Ertrag bringe.
Mehr Effizienz nötig
„Unser Masterplan soll Konflikte vermeiden, weil der Ausbau nur an geeigneten Standorten erfolgen soll“, sagte Anschober. Er habe immer gesagt, dass es zum Erreichen des Zieles der Energiewende (bis 2035 Strom und Raumwärme nur noch aus erneuerbaren Quellen) Entscheidungen geben werde, von denen nicht jeder begeistert sein könne. „Es geht aber auch darum, dass wir Energieimporte von im Vorjahr rund zwölf Milliarden Euro reduzieren können.“
Die IG Windkraft verteidigt die Förderung von 9,5 Cent je Kilowattstunde Windstrom: „Wir sind effizient, denn in der Nordsee gibt es für Offshore-Anlagen 19 Cent“, so Stefan Moidl.
Einig waren sich alle, dass Energiesparen und Effizienzsteigerung in den Mittelpunkt gehören. Boltz: „Mit der Ökostromförderung haben wir nicht einmal den Stromverbrauchszuwachs abdecken, also kein einziges Kraftwerk einsparen können.“
Pro und Kontra: Was kosten Windräder und was bringen sie?
"Wir brauchen alle Energieträger, die wir umweltfreundlich nutzen können, um die Energiewende umzusetzen. Wir können es uns nicht leisten, aus ideologischen Gründen auf Windkraft zu verzichten." Rudi Anschober, Landesrat (Grüne)
"Windräder sind rasch errichtet und liefern Investoren attraktive Tarife. In Oberösterreich muss man sich bewusst sein, dass die Ausbeute nur 1500 Stunden im Jahr ist, im Österreich-Schnitt 2000." Walter Boltz, Vorstand E-Control
"200 Meter hohe Windräder schädigen die Natur und Anrainer. Der Energieeffekt ist gering. Uns sagt man: Wollt ihr lieber Atomstrom? Man soll ein Sandschauferl nicht mit einem Caterpillar vergleichen." Johann Aschenberger, Windkraftgegner
"Wer für den Ausbau der Windkraft ist, muss sagen, wo die Ausgleichsenergie herkommt. Das Jahr hat 8760 Stunden, die Windräder laufen nur 2000 Stunden, Photovoltaik liefert nur 1000 Stunden im Jahr." Werner Steinecker, Vorstand Energie AG
"Windkraft kostet pro Haushalt derzeit im Jahr 4,90 Euro Ökostromzuschlag. Wirtschaftlich ist der Ausbau ein Riesengeschäft, auch für den Staat, wegen der Steuern." Stefan Moidl, IG Windkraft

da keine Umweltprüfung durchgeführt wurde. Man hat offensichtlich Angst vor den Bürgern. Aber von den Nachbarländern verlangt man, dass sie die EU-Richtlinie einhalten. So verliert man jegliche Glaubwürdigkeit. Und die Gegner der Projekte mit dem Atomstromargument erschlagen zu wollen, ist einfach peinlich. Das ganze erweckt den Eindruck, dass hier irgendwelche Lobbys bedient werden sollen, mit einer zukunftsorientierten Energiepolitik hat es nichts zu tun!
"lieber einen Masterplan als gar keinen Plan." Auch wenn da nicht alles Gold ist was glänzt, die Richtung stimmt - Weg vom Gas und Öl mit Energieeffizienz und Erneuerbaren in die Zukunft...
An Foxfire3000: bitte nicht auf die Kernfusion aus Menschenhand warten, denn die gibt's bereits - in sicherer Entfernung und heißt Sonne. Vorschlag an Alle: anzapfen...
...ist voll mit Machthabern die einen utopischen 'Masterplan' hatten und diesen den Menschen fest auf die Augen gedrückt haben. Die Resultate dieser Gesellschaftsumbauer (die natürlich immer alles zum Wohle der jeweiligen Gemeinschaften und höherer Ziele taten) legen nahe, dass es manchmal besser ist keinen Plan zu haben als einen 'Masterplan'.
Zur Kernfusion: Die Kontrolle selbiger zur Energieproduktion für zivile Zwecke wäre ein gewaltiger wissenschaftlich-technologischer Durchbruch. Es gäbe ein Zeitalter davor und eines danach. Windräder und Solarzellen sind dagegen Massenware, Land und Ressourcen verschlingend und doch unergiebig in den Resultaten. Ohne kostspielige geschützte Werkstätten würden vielerorts gerade mal in Nischenbereichen überleben.
„Mir ist der Mathe-Test voll leicht vorgekommen“
Investoren verlieren Vertrauen in Euro: „Austritt Griechenlands in aller Munde“
Gmunden will heute in Klosterneuburg ein Entscheidungsspiel erzwingen
Brückner: „Man muss eine dicke Haut haben“