„Wir sehen zur Zeit ein starkes Auseinanderklaffen zwischen der Beurteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der eigenen Situation im Betrieb“, sagt Erich Lehner, Partner bei Ernst & Young. Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen hat für sein „Mittelstandsbarometer 2012“ in den vergangenen Wochen 900 mittelständische Unternehmen in Österreich befragt.
Der Umfrage zufolge hat sich die Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gegenüber der Jahresmitte 2011 deutlich eingetrübt. Die Zahl der Konjunkturpessimisten hat sich auf 32 Prozent vervierfacht. Nur noch 23 Prozent der Befragten rechnen für 2012 mit einer Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftslage in Österreich. Die restlichen 45 Prozent erwarten keine Veränderung.
Ratlosigkeit in den Firmen
Es herrsche Ratlosigkeit über die weitere Entwicklung, sagt Lehner. Knapp die Hälfte der heimischen Mittelständler habe keine Prognose über den Zeitpunkt eines erneuten Aufschwungs gegeben. Sieben von zehn Unternehmern fürchten jedoch, dass der schlimmste Teil der Schuldenkrise noch bevorstehe.
Völlig anders wird hingegen die Geschäftslage im eigenen Unternehmen beurteilt. 93 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage positiv. 90 Prozent rechnen, dass sie in den kommenden sechs Monaten gleich bleibt oder besser wird.
„Wir sehen bei unseren Kunden im Maschinen- und Anlagenbau oder im Automobilbereich, dass die Auslastung sehr gut ist. Sie brauchen zusätzliche Schichten, um den Auftragseingang bewältigen zu können“, sagt Lehner.
Das spiegelt auch die Befragung: Jeder vierte Mittelständler will im laufenden Jahr wieder mehr investieren als zuletzt. Jeder dritte oberösterreichische Betrieb will zudem neue Mitarbeiter einstellen. Österreichweit sucht jeder vierte Mittelständler zusätzliches Personal.
Sollte doch eine Wirtschaftskrise kommen, fühlen sich 43 Prozent der Befragten dafür besser gerüstet als 2008. „Sie haben auch im Aufschwung auf Kosteneffizienz geschaut, waren bei Ausschüttungen maßvoll und haben ihre Eigenkapitalposition gestärkt“, so Lehner.
Herausforderungen für den Mittelstand: Rohstoffpreise und Schuldenkrise
Nahezu jedem zweiten Mittelständler bereiten die hohen Rohstoff- und Energiepreise Sorgen. „Die Unternehmen haben kaum Möglichkeiten, auf diese Teuerungen aus eigener Kraft zu reagieren oder sie an die Kunden weiterzugeben. Das Resultat ist ein verstärkter Margendruck bis hin zu roten Zahlen – trotz guter Auslastung und voller Auftragsbücher“, sagt Erich Lehner. Für das Mittelstandsbarometer wurden 900 Unternehmen mit 30 bis 2000 Mitarbeitern befragt.
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