OÖN: Neues Semester, neues Glück – dürfen Sie sich im Herbst über mehr Geld vom Bund freuen?
Reisinger: Wissenschaftsministerin Beatrix Karl wird zwar nicht müde zu betonen, wie wichtig der Ausbau der technischen Studien ist. Mehr Geld bekommen wir aber nicht.
OÖN: Dabei stünde die Industrie ja auch hinter dem Ausbau.
Reisinger: Ja, die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung fahren volles Programm. Wir versuchen, darauf zu reagieren, und entwickeln in den bestehenden Rahmenbedingungen neue Studienrichtungen.
OÖN: Wie geht das?
Reisinger: Indem wir unser Budget zwischen den Instituten möglichst effizient jonglieren.
OÖN: Welche neuen Studiengänge wird es geben?
Reisinger: Auf Druck der Bauwirtschaft entwickeln wir gerade ein Bauingenieur-Studium. Da gibt es mit bestehenden Studienrichtungen vernünftige Synergien. Das Problem ist, dass sich die Wirtschaft alles in einem einzigen Studiengang wünscht, wofür es etwa in Wien eine ganze Uni gibt. Aber wenn alles nach Plan verläuft, wird der Studiengang im Herbst 2012/2013 starten.
OÖN: Steuern die Unternehmen da etwas bei?
Reisinger: In der Forschung ja. Da ist die Wirtschaft unseren Weg seit Jahren gut mitgegangen. Bei direkter Studienbetriebsfinanzierung quietschen sie aber. Wenn sie Geld dafür hergeben, wollen sie auch mitreden. Und das ginge nur, wenn das Land bereit wäre, Beteiligungen abzugeben. Uns reicht es, wenn die Firmen für alle unsere Leistungen, also etwa auch Studentenprojekte, zahlen.
OÖN: Wie sehen Sie die Diskussion, wie viel ein Bachelor-Abschluss wert oder eben nicht wert ist?
Reisinger: Der wahre Verlierer des Bologna-Prozesses ist der Student. Vor allem bei den Unis wurde der Fehler gemacht, bei der Umstellung von Diplom zu Bachelor/Master einfach eine künstliche Trennlinie im Studienplan zu ziehen. Es braucht aber eine in sich abgeschlossene Ausbildung. Und: Die Wirtschaft muss anfangen, dieses Ausbildungslevel zur Kenntnis zu nehmen.
OÖN: Vor allem Technik-Studenten haben Hemmungen, ins Ausland zu gehen. Wie erleichtern Sie Ihnen den Weg?
Reisinger: Im Studiengang Ökoenergietechnik gehen wir beispielsweise eine ganz neue Kooperation ein. Gemeinsam mit drei anderen europäischen Hochschulen erarbeiten wir einen komplett einheitlichen Studienplan. Das ist „echtes“ Bologna, wo der Student entscheidet, was er wo machen will.
OÖN: Man sagt den Fachhochschulen nach, zu schulisch zu sein und zu spezifisch auszubilden...
Reisinger: Das ist gleichzeitig unsere größte Stärke und Schwäche. Dass Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind, beweist die Nachfrage nach den Absolventen. Aber es stimmt. Wir wollen sie ein bisschen mehr aus dem Kamin herausführen. Etwa mit modulartig aufgebauten Studiengängen.
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