OÖN: Wohin entwickelt sich Thalia im Zeitalter des Internet?
Pretzl: In unseren großen Häusern, wie hier in der Linzer Zentrale mit 4500 Quadratmetern Verkaufsfläche, sind wir Medienhäuser mit einer schönen Verbindung von Büchern und buchnahem Sortiment, wo man auch alles zum Schenken finden kann. Dort schaffen wir über Architektur, Sortiment und über die Mitarbeiter interessante Inszenierungen. Wir sind gerade zum sympathischsten Händler Österreichs gewählt worden. Wir bieten ein tolles Ambiente rund um das Buch, das schönste Produkt, das es gibt.
OÖN: Das aber zurückgedrängt wird durch die Digitalisierung.
Pretzl: Das nenne ich Gutenberg 2.0. Es sind zwei Dimensionen, erstens der Online-Einkauf bei Thalia.at. Wir sind bereits der zweitgrößte Internethändler (hinter Amazon – Anm. d. Red.), und die Entwicklung ist riesig. Zweitens bringt die Digitalisierung völlig neue Darreichungsformen für unser Produkt. Wir wollen ein Multi-Channel-Händler (Anm.: Mehrkanal) sein. Im Internet gelten andere Ansprüche: Geschwindigkeit, Einfachheit und unendliche Vielfalt. Wir bieten im Internet mehr als drei Millionen Buchtitel. Zum Vergleich: Hier in Linz haben wir permanent etwa 100.000 lagernd.
OÖN: Die Generation Web 2.0 sieht man heute meist mit Stöpseln im Ohr. Die Jungen sind doch höchstens noch für ein Hörbuch zu begeistern?
Pretzl: Ich bin mit meiner Tochter im Zug nach Köln gefahren. Alle jungen Leute hatten Handys in der Hand. Meine Tochter hat zu mir gesagt: Da müssen deine Inhalte drauf sein! Das ist unsere Herausforderung und Triebkraft: Die wunderschönen Inhalte der Bücher da draufbekommen. Wie das Gerät am Ende ausschaut, weiß ich nicht.
OÖN: Die richtige Technologie ist noch nicht da?
Pretzl: Was immer an neuer Technologie daherkommt, ob heute ein Handy, morgen ein E-Book oder iPad, wir müssen drauf sein. Es muss Apps (Applikationen = Anwenderprogramme) geben, mit denen Kunden unsere Inhalte konsumieren können. Und zuhause sollen sie dann das Buch haptisch in der Hand halten. Es geht nicht um diese blöde Diskussion entweder oder. Wir müssen uns Dinge einfallen lassen, wie die Kunden beides nutzen können. Wir haben in unserem E-Book-Store schon 57.000 Titel.
OÖN: Wieso eröffnet Thalia heuer dann vier weitere Filialen?
Pretzl: Wir gehen stationär ganz überlegt und ausgewählt nur dorthin, wo die großen Kundenströme sind, in die Einkaufszentren und Einkaufsstraßen. Dort wollen wir Erlebnis bieten, denn 40 bis 50 Prozent der Konsumenten sehen das Einkaufen als Freizeitbeschäftigung. Wir präsentieren im Geschäft Anwendungen: etwa zu Reiseführer und Landkarte das passende Koch- oder Weinbuch. In Vöcklabruck wollen wir heuer den Laden der nächsten Generation präsentieren. Der wird ganz anders ausschauen. Dort wird die digitale Welt mit dem stationären Handel verbunden. Das wird der erste Multi-Channel-Laden Österreichs.
OÖN: Wie viel Umsatz macht Thalia im Internet?
Pretzl: Wir nennen keine Zahlen, er ist aber stark wachsend. Für uns ist die entscheidende Frage: Wie wollen wir den Krieg gewinnen? Der Wettbewerb wird im Internet entschieden. Wir zeigen den Kunden die Alternative zu Amazon: Thalia hat auch ein Gesicht, besteht aus Geschäften und Menschen. Wir haben mehrere Millionen Kundenkontakte und wollen aus diesen Kunden auch Online-Kunden machen. Andererseits wird jede vierte Online-Bestellung bei uns in einem Geschäft abgeholt. Das ist doch schön. Jeder Mitarbeiter wird in Zukunft eine Homepage haben, wo er Bücher rezensiert. Die Mitarbeiter bauen sich Communities auf.
OÖN: Gibt es den kompetenten, belesenen Buchhändler überhaupt noch?
Pretzl: Absolut. Wir verkaufen mehr Bücher in einem rückläufigen Markt, weil unsere Mitarbeiter mit Freude verkaufen. Wir bilden sie selbst aus. Sie brauchen Sortimentskompetenz und müssen für das Buch sein. Sie müssen aktiv und emotional verkaufen können. Wir werden in Kürze eine eigene Thalia-Lehrlingsausbildung präsentieren und die Lehrlingsquote massiv aufstocken. Wir haben derzeit 50 und wollen sie heuer verdoppeln.
auch schon aufgewacht? wird neben amazon nicht viel mehr zu holen sein-warum bei th. kaufen, wenn es bei amazon weit günstiger und bequemer ist?
aber ruhig weiterwerkeln bis zum konkurs.
vor mher als 10 jahren haben wir denen schon gesagt, wie es gehen wird.
der großteil des handels in OÖ schläft - bis zm zu späten ernüchternden erwachen
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