ePaper  | iPad | 
Anmelden
 |  A A A

 
Freitag, 10. Februar 2012, 02:16 Uhr Linz  -7°C ·  Wels  -7°C ·  mehr Wetter »
Startseite  > Wirtschaft  > Wirtschaftsraum OÖ

Mikrokosmos voestalpine: Einblick verweigert

Die voestalpine Stahl ist ein eigener Mikrokosmos. Mit rund 8000 Beschäftigten hat sie die Ausmaße einer Kleinstadt. Der hohe Werkszaun hat durchaus Symbolkraft: Einblicke von außen sind nicht wirklich erwünscht. Da mag der Konzern an der Börse notieren und Veröffentlichungspflichten haben – hier gelten eigene Regeln.

Ganz spezielle Regeln hat sich über die Jahrzehnte der Arbeiter-Betriebsrat geschaffen, der in dem ehemals verstaatlichten Stahlwerk noch immer einen gewissen Machtfaktor darstellt. Da darf es unter dem Wohlwollen des Managements traditionell mehr freigestellte Betriebsräte geben, als dies das Arbeitsverfassungsgesetz vorsieht. Obwohl derzeit heftig an einem Sparprogramm gearbeitet wird – beim Betriebsrat wird nicht gespart.

Das würde man auch einsehen, würden die Belegschaftsvertreter ihre Aufgabe wörtlich nehmen. Nur beschäftigen sie sich seit geraumer Zeit vorwiegend mit sich – und der Aufklärung einer Serie von Unregelmäßigkeiten.

Das beginnt bei ungerechtfertigt ausbezahlten Kilometergeldern, üppigen Prämien für Betriebsräte und reicht bis zu jahrelang „versehentlich“ kassierten Geldern. Die OÖN haben über ungerechtfertigt kassierte Gewerkschaftsbeiträge in der Höhe von fast 25.000 Euro berichtet. 12.000 Euro werden an die Metallgewerkschaft zurückgezahlt. Diese hatte bei Abschiedsgeschenken für 989 Pensionisten mitgezahlt, obwohl diese das Werk finanziert hat.

Zu diesem Punkt, der auch gewerkschaftsintern einigen Staub aufgewirbelt hat, gab es erst diese Woche stundenlange Beratungen. Informationen über die Ergebnisse: Fehlanzeige.

Jetzt tauchen neue, ähnlich gelagerte Vorwürfe auf: Der Arbeiter-Betriebsrat der „Stahl“ hat von mehreren Tochtergesellschaften für Schichtkalender kassiert. Auch in diesem Fall war der wahre Zahler die Firma.

An die Betriebsrats-Fonds von Gießerei, Grobblech und Logserv müssen 5000 Euro zurückbezahlt werden. Da sich die Preise für diese speziellen Vier-Schicht-Kalender im Cent-Bereich bewegen, muss es sich auch in dem Fall um eine langjährige Fehlverrechnung handeln. Bei den angesprochenen Abschiedsgeschenken, einer Statue der Bergleute-Schutzpatronin, der hl. Barbara, wurde 15 Jahre doppelt kassiert.

Dass die Fehlentwicklungen bzw. deren Aufklärung „die da draußen“ interessieren könnte, damit kann der Betriebsrat nicht so viel anfangen: Anfragen von Medien sind nur noch schriftlich zu stellen. „Seit wann?“ – „Seit heute.“ Auf eine ausführliche Fragenliste antwortet der neue Arbeiterbetriebsrats-Vorsitzende Manfred Hippold mit einem dürren Mail: „Sie können versichert sein, dass wir Ihre Behauptungen internen Überprüfungen unterziehen.“

1
Medienanfragen nur noch per Email? · von steelboy (10) · 15.03.2010 09:29 Uhr

Jetzt schlägts aber 13!
Die roten Bonzen beantworten Medienanfragen nur noch schriftlich und das nicht einmal angemessen.
Damit niemand etwas Falsches (=möglicherweise die Wahrheit)sagt, wird über die Antworten vrmutlich vorher genau abgestimmt. Was können wir sagen, welche Linie probieren wir um möglichst viel zu vertuschen. Sulzbacher, Schaller, Hippold,......

Wie kann es sein, dass solche typen immer wieder gewählt werden. Lassen sich die mitarbeiter so leicht manipulieren? Warum wird eigentlich nicht die Staatsanwaltschaft eingeschaltet? In Deutschland gab es vor einigen jahren auch BR-Skandale (Siemens & VW). Dort gab es aber die entsprechenden Konsequenzen!
Ich habe gerade am Wochenende zufällig Voestler getroffen, die bestürzt über die aktuellen Skandale sind. Die haben wortwörtlich gesagt: "Hoffentlich klicken bald die Handschellen"
so hart es klingt - ich finde sie haben Recht!

(0)
2
Der rote Arbeiterbetriebsrat schweigt intern... · von haspe1 (4037) · 14.03.2010 01:29 Uhr

Zur Ergänzung des Artikels, in dem steht, wie der Arbeiterbetriebsrat der voestalpine nach AUSSEN auf die Berichte reagiert, hier, wie er nach INNEN, gegenüber den Mitarbeitern reagiert: Es gab KEINERLEI Information im voest-Intranet, was diese Themen betrifft, keine Sachverhaltsdarstellung, keine Stellungnahme, keine Rechfertigung, keine Richtigstellung, schlicht: gar nichts. Die roten Arbeiter-Betriebsräte glauben offenbar, dass diese Vorgänge am besten stillschweigen ausgesessen werden sollen. Und dass die von ihnen vertretene Belegschaft nicht informiert zu werden braucht. Ob die Betriebsräte wissen, dass sie dieser Belegschaft verpflichtet sind? Und dass die Informationspflicht auch dazu gehört? Oder glauben sie schlicht, sie können tun, was sie wollen, das geht keinen der Belegschaft etwas an, denn sie leisten ja gar so viel (wie ihre Leistungsprämien klar beweisen). Vielleicht bringt irgend jemand Licht in die Angelegenheit?

(0)
3
Werte Kollegen ! · von exBRVJohannLinsmaier (3) · 14.03.2010 09:34 Uhr

Mein Newsletter Nr. 3 ist aus dem Intranet gelöscht worden. Drei mal konnte ich Informationen für die Belegschaft veröffentlichen. Dann wurde mir per E-Mail mitgeteilt, dass der Marktplatz im Intranet nicht für kontinuirliche BR-Informationen gedacht ist und ich solle diese Seiten auf den Seiten des BR veröffentlichen. Dieses wurde von BRV Manfred Hippold verweigert. Ich bin bereit, nur in internen Medien zu den ganzen Problemen Stellung zu nehmen. Ich habe niemals ein E-Mail, das ich internen BR´s gemailt habe, an die OÖN weitergeleitet. Ich habe auch vor meiner Abwahl die FSG BR-Kollegen aufmerksam gemacht, dass, wenn diese Sachverhalte öffentlich werden, alle BR´s die Verantwortung dafür tragen. Leid tut mir, dass die vielen fleißigen und mit grossem Einsatz kämpfenden Funktionäre der Arbeitnehmervertretungen sich diese Kritik anhören müssen. Ich ersuche euch, nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten, es gibt gute Funktionäre der Arbeitnehmervertretungen auch in der VA Stahl.

(0)
Artikel 13. März 2010 - 00:04 Uhr
Von Sigrid Brandstätter
Bild vergrößern Mikrokosmos voestalpine: Einblick verweigert

Eigenwillige Praktiken in der voestalpine in Linz.  Bild: Weihbold

Neuen Kommentar schreiben

Betreff / Kommentartitel
Kommentartext:

Sie dürfen noch Zeichen als Text schreiben

Bitte beachten Sie die Forumsregeln


  Für nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.
Gewünschter Benutzername

Gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

OÖNcard


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2? : 


Meistgelesene Artikel   mehr »