Software für die neuen Smartphones hat auch im Mühlviertel eine Art Goldgräberstimmung ausbrechen lassen. So kommt es, dass das Raumschiff-Spiel Moolan von Hagenberger Studierenden (Bernhard Aufreiter und Michael Hölzl) von Nokias Ovi-Store mehr als 800.000 Mal auf Handys geladen wurde. Oder dass vier Studierende eine Firma gründen (runtastic), die ein perfektes GPS-basiertes Laufstrecken-Programm für das iPhone entwickelt hat, das zum Selbstläufer zu werden scheint. Die Laufdaten können sofort online (auch auf Facebook) gestellt werden, wodurch ein soziales Netzwerk entsteht.
„Verrückt, was da abgeht“
„Es ist verrückt, was da momentan abgeht. Jede Woche haben wir Anfragen von tollen Firmen, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Doch wir müssen oft ‚Sorry, geht nicht‘ sagen, weil wir nicht genug junge Leute haben“, beschreibt Christoph Schaffer, Studiengangsleiter des Zweiges Mobile Computing, die skurrile Situation. Derzeit habe man zwar die 30 Studienplätze pro Jahrgang füllen können, doch die Unternehmen bräuchten viel mehr Spezialisten für Handybetriebssysteme und mobile Anwendungen. (Insgesamt beginnen rund 300 Studienanfänger pro Jahr).
Amazon sucht händeringend Programmierer für seinen eBook-Reader Kindle, Anfragen kommen von BMW, Daimler, Nokia, Qualcomm, aus China, Großbritannien, Deutschland. Hagenberg ist einer der wenigen, wenn nicht gar der einzige Studiengang in Europa mit dieser Fokussierung auf mobile Anwendungen.
Viele Studierende haben schon während des Studiums lukrative Nebenjobs und Projekte bei internationalen Konzernen. Dennoch zieht es die Maturanten eher in andere Studienrichtungen, die die Wörter Kommunikation, Medien, Design im Namen tragen. „Medientechnik und -design“ ist mehrfach überbucht, während die Ausbildungen mit stärkerem Software-Schwerpunkt motivierte Studierende oft vergeblich suchen.
Auch gestern Vormittag, am Tag der offenen Tür in Hagenberg, war der Andrang an informationssuchenden Jugendlichen enden wollend – Zufall oder nicht. „Dabei ist das Thema Software am Arbeitsmarkt sehr interessant“, weiß Stefan Hinterholzer, Professor für Software-Engineering. „Der Sog des Jobmarktes ist hier sehr groß.“ An der Ausstattung der Fachhochschule oder dem Lehrpersonal kann es nicht liegen, die Lehrmittel sind großzügig und modern, der Unterricht oft praxisbezogen. „Ich habe den Eindruck, dass das Interesse an Technik bei uns schon in der Volksschule abhanden kommt“, sinniert Hinterholzer.
Geld in Hülle und Fülle
Wie sehr die Goldgräberstimmung der Handybranche auch Hagenberg erfasst hat, zeigt der erste Preis zweier Studierender (Sebastian Höbarth und Thomas Wirth) beim Navigationswettbewerb des Handy-Weltkongresses in Barcelona im Februar. Der Preis war mit 500.000 Euro dotiert.
Beim Rundgang in der Fachhochschule stechen einige bemerkenswerte mobile Anwendungen ins Auge: Eine Studentin versucht, mittels Sensoren an den Füßen von Pferden deren Training zu optimieren. Ein anderer steuert nur durch Schwenken seines Handys ein kleines Auto. Das berührungslose Zahlen mit Handy bei Automaten (NFC) steht weltweit vor einer Standardisierung und somit vor einem Durchbruch.
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