LINZ/WIEN. Oberösterreichs Kunststoffindustrie legt sich abermals ins Zeug, um zu dem Bachelor-Studium der Kunststofftechnik in Linz auch das Master-Studium vom Wissenschaftsminister finanziert zu bekommen. Noch-Bildungsminister Johannes Hahn will nächste Woche eine Entscheidung treffen.
„Wenn der Master nicht nach Linz kommt, ist das ein Skandal. Die Industrie des wirtschaftsstärksten Bundeslandes hätte da eindeutig das Nachsehen“, warnte Greiner-Vorstand Axel Greiner bei einer Pressekonferenz in Wien. Es geht nicht nur um die 100 jährlichen Bachelor-Absolventen, die in Linz den Master anhängen können sollten, damit sie nicht nach Leoben wechseln müssen, sondern aus Sicht der Industrie auch sehr stark um die Forschungskompetenz.
Erst mit dem Wissen, das zum Master nötig ist, erwirbt sich ein Kunststofftechniker die „Lizenz“ zum Forschen. Erst dann würde der Uni-Standort als Forschungszentrum für die Industrie wirklich bedeutsam. Erfahrungsgemäß bleiben viele der Studierenden nach ihrer Ausbildung am Studienort. „Das stellt für Oberösterreich einen massiven Know-how-Verlust dar, der unwiederbringlich ist“, sagte Peter Untersperger, Vorstandschef der Lenzing AG.
In Oberösterreich befinden sich 220 der 364 Kunststoffunternehmen Österreichs. Sie beschäftigen circa 34.000 Mitarbeiter und setzen 6,7 Milliarden Euro um.
Etlichen Industriebetrieben, die bisher Partner des Leobener Kunststoff-Forschungszentrums PCCL waren, ging in der Steiermark zu wenig weiter. Sie unterstützen daher den Ausbau der Kunststoffsparte an der Uni Linz. Auch der renommierteste Professor Leobens für dieses Fachgebiet, Reinhold Lang, wechselte nach Linz, schildert der Kunststoff-Cluster Oberösterreich den Hintergrund.