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"Wir haben den Luxus einer Auftragslage von sieben Jahren"

RIED/INNKREIS. Bei der Hauptversammlung der FACC blickte Vorstandschef Robert Machtlinger in die verheißungsvolle Zukunft. Dividende gibt es für die Aktionäre aber wieder nicht.

Robert Machtlinger   Bild: (APA/HANS KLAUS TECHT)

113 Aktionäre sind heute in die Red Zak Arena auf dem Rieder Messegelände gekommen, um bei der Hauptversammlung  der FACC dabei zu sein. Sie vertreten 166 Aktionäre und 31.518.896 Aktien.

Die erste Schwierigkeit bestand darin, einen deutschsprachigen Vorsitzenden für die Aktionärsversammlung zu finden. Aufsichtsratsvorsitzender Ruguang Geng startete auf Englisch und erläuterte, wie gut und intensiv der Aufsichtsrat und das Management zusammengearbeitet hätten. Er schloss mit dem übersetzten Hinweis, "der Aufsichtsrat wird sich bemühen, noch besser zu arbeiten, um die Gesellschaft noch besser und erfolgreicher werden zu lassen". Damit wollte der Vertreter des chinesischen Hauptaktionärs offenbar kritischen Kleinaktionären entgegenkommen. Diese sind, wie berichtet, mit der Vergangenheitsbewältigung nicht zufrieden. Das betrifft die Kontrolle der Finanzpolizei der Finanzmarktaufsicht sowie die Aufarbeitung des Onlinebetrugs, der einen Schaden von 50 Millionen Euro verursachte. Einzelne Kleinaktionäre fordern, dass auch der Streubesitz mit 44 Prozent der Aktien im Kontrollgremium vertreten sein sollte. Dazu wird ab Mittag in der Generaldebatte diskutiert. Die Wahl eines Kleinaktionärsvertreters ist auf der Tagesordnung nicht vorgesehen.

Zum Vorsitzenden der Sitzung wurde schließlich auf den chinesisch vorgetragenen Antrag der Haupteigentümer der Wiener Notar Rupert Brix gewählt.

Vorstandschef Robert Machtlinger  startete in seinem Vortrag mit der Feststellung, dass weltweit jede zweite Sekunde ein Flugzeug mit FACC-Komponenten an Bord starte oder lande. Dafür erhielt er einen Zwischenapplaus. Machtlinger verwies auf das Wachstum des Unternehmens. Der Umsatz stieg um mehr als 20 Prozent auf mehr als 700 Millionen Euro. "Die Konsequenz unserer Arbeit zeigt Wirkung."

Kurz geht Machtlinger zu Beginn auf den Fake President Incident ein, also auf den Onlinebetrug mit dem Geschäftsführertrick, der zu Abbuchungen von mehr als 50 Millionen Euro führte. Im Vorjahr bildete die kontrovers geführte Diskussion darüber den Schwerpunkt der Hauptversammlung. Die Aufarbeitung dauere auch ein Jahr später noch an. "Seien sie versichert, dem widmen wir unsere volle Aufmerksamkeit. Wir tun auch alles, um die eingefrorenen 10,8 Millionen Euro zurückzuholen."

Dann ging er auf die Prüfung der FMA ein. "Wir sind bemüht, das sachlich zu betrachten." Die Prüfung dauere noch an, "weil es einen intensiven Abgleich der Sichtweisen gibt", so Machtlinger. Dennoch habe man die Bilanzen der Vorjahre angeglichen. Wie berichtet, handelt es sich dabei um eine der größten Bilanzkorrekturen, die ein österreichisches Unternehmen vornehmen musste. "Wir werden im Rahmen des Möglichen auf Fragen eingehen", baute Machtlinger vor. Im Vorjahr wurde dem Vorstand bei der Hauptversammlung mehrmals vorgeworfen, die Fragen der Aktionäre nicht ausreichend zu beantworten. Finanzvorstand Ales Stárek ging später auf die Details ein. "Das ist ärgerlich." Er sagte auch, dass die Neubewertungen zu Lasten des Eigenkapitals gingen, und sprach von 30 Millionen Euro, die auf der Eigenkapitalseite korrigiert werden mussten.

400 Millionen Euro investiert

Lieber sprach Machtlinger über die operativen Erfolge und die strategischen Perspektiven: "Wir haben den Luxus einer Auftragslage von sieben Jahre", sagte Machtlinger. Zusätzliche 36.000 Flugzeuge würden bis 2035 in die Luft gehen, das entspricht einer Verdopplung . Diese Entwicklung resultierte daraus, dass in Ländern wie Indien und China die Anzahl der Reisen stark wachsen würde. Daher gehe auch fast die Hälfte der Fluggeräte in den asiatischen Raum. "Dafür werden Anzahlungen geleistet, die Entwicklung ist also belegt."

Fast 400 Millionen hat FACC seit 2008 in Österreich investiert. In diesem Zeitraum habe sich der Belegschaftsstand in Österreich verdoppelt, 1800 zusätzliche Jobs wurden geschaffen. Auch die Zulieferer würden mitwachsen,  etwa die Isovolta in Niederösterreich oder List oder Rohrer in Oberösterreich.

Die Aktionäre haben seit dem Börsengang 2014 keine Dividende erhalten. Auch bei dieser Hauptversammlung wird keine Dividende vorgeschlagen. Der Börsenkurs liegt unter dem Ausgabekurs von 9,50 Euro, ist zuletzt aber stark gestiegen.

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Artikel Sigrid Brandstätter 18. Juli 2017 - 12:03 Uhr
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