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Wie sich der Alltag im Lkw-Führerhaus ändert

LINZ. Neues Berufsbild: Während der Lkw automatisch gesteuert fährt, sollen Fahrer die Rechnung an die Kunden schreiben.

Wie sich der Alltag im Lkw-Führerhaus ändert

Wenn Lkw-Kolonnen rollen, können sich die Fahrer der hinteren Fahrzeuge bald auf den Autopiloten verlassen. Bild: Daimler AG

Praktisch die gesamte europäische Transportbranche hat das gleiche Problem: Fahrermangel – Details dazu im nebenstehenden Kasten. Neben den schwierigen Arbeitsbedingungen ist auch die Zukunftsperspektive für die Lenker unsicher. Schon in wenigen Jahren soll das Platooning im Fernverkehr Wirklichkeit sein. Damit ist das Fahren im Konvoi gemeint, bei dem hintereinander fahrende Sattelschlepper per Wlan verbunden und als Einheit unterwegs sind.

"Ich habe mir das vor einem Jahr in den USA angesehen. Das ist beeindruckend", sagt Johannes Hödlmayr, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Autotransport-Gruppe mit Sitz in Schwertberg und Spartenobmann für Verkehr und Transport in der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Für Hödlmayr bedeutet diese Veränderung aber keine weitere Entwertung des Fahrerberufs, sondern im Gegenteil: Die Aufforderung, neue Aufgaben zu übernehmen. "Die Fahrer werden nicht fernsehen oder Internet-Surfen", sagt Hödlmayr. "Im Prinzip wird der Verkehr wie auf der Schiene rollen."

Ihm schwebt vor, dass die Fahrer während dieser Zeiten, in denen der Autopilot übernimmt, administrative Tätigkeiten übernehmen. "Er kann die Abrechnungen vorbereiten." Das erfordere auch höherwertige Ausbildungen. Die Entlastung in den Speditionen selbst werde auch dort nicht großflächig zu Jobverlusten führen, glaubt Hödlmayr. Er sagt, dass sich die Sozialpartner auf diese Veränderungen vorbereiten müssten und die Berufsbilder weiterentwickeln.

Hödlmayr geht davon aus, dass ab 2025 die imaginär aneinandergekoppelten Lkw auf europäischen Autobahnen unterwegs sein werden. Die großen Lkw-Anbieter von MAN bis Daimler, Volvo bis Iveco entwerfen bereits in fünf europäischen Ländern Korridore, wo sie diese Technik testen wollen. Die EU-Kommission beschäftigt sich mit dem Thema. Experten sagen, dass in der Praxis – neben legistischen Voraussetzungen – noch einige Probleme gelöst werden müssen: Die Lkw müssen perfekt harmonieren und die Fahrer besonders geschult sein. Auch ob die Konkurrenten einander per Signal eine Verbindungsmöglichkeit anbieten, ist unsicher.

 

Der Fahrermangel

  • Laut einer Analyse der Weltbank fehlen in ganz Europa Lkw-Fahrer. „EU-weit sind die Probleme in Deutschland und Großbritannien am größten“, heißt es. In Großbritannien fehlen 45.000 Fahrer, in Deutschland bis zu 70.000. Dazu komme die Überalterung der Branche: In Deutschland gehen 50.000 Fahrer jährlich in Pension, nur 10.000 kommen nach. Wie in Österreich wird beklagt, dass das Heer – früher ein verlässlicher Ausbildner – zu wenige Lkw-Fahrer hervorbringe.
  • In Österreich sind 80.000 Fahrer in der Transportbranche tätig. Dazu kommen jene im Werkverkehr. In Österreich wird von 5000 bis 7000 fehlenden Fahrern ausgegangen. In Oberösterreich allein schätzt Branchensprecher Johannes Hödlmayr, dass 700 Fahrer sofort eingestellt werden könnten. Das Wachstum beim Onlinehandel und den Paketdiensten verschärfe die Lage, weil Fahrer in dieses Kurzstreckengeschäft wechselten.
  • Der Mangel an Fahrern könnte sogar das gute Wirtschaftswachstum bremsen. Frächter Richard Gartner nennt eine Faustregel: „Wächst die Wirtschaft um ein Prozent, nimmt die Frachtleistung üblicherweise um drei Prozent zu.“
  • Gartner ergänzt: Man müsse als Arbeitgeber attraktiv sein. Höhere Löhne treiben die Kostenspirale. In Deutschland sind die Einstiegslöhne in einem Jahr von 2000 auf bis zu 3000 Euro oder mehr gestiegen.
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Artikel Sigrid Brandstätter 30. Dezember 2017 - 00:04 Uhr
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