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Wasserstoff statt Erdgas: Pilotprojekt startet in Linz

LINZ. Gemeinschaftsforschung: voestalpine, Verbund und Siemens testen Herstellung von Wasserstoff und Einsatz als Energieträger.

   Bild: voestalpine AG

Es ist ein EU-weites Leuchtturm-Projekt, das gestern in Linz seinen offiziellen Baustart erlebte: In der Stahlindustrie wird versucht, Wasserstoff als Energieträger einzusetzen. "Hier geht es nicht nur um die Zukunft der Stahlindustrie, sondern um eine Systemumstellung in vielen Bereichen der Industrie", sagt voestalpine-Vorstandschef Wolfgang Eder.

In der energieintensiven Stahlindustrie werden Koks und Erdgas eingesetzt – vom Hochofen über das Stahlwerk bis zu den Verarbeitungsanlagen. Wasserstoff könnte im ersten Schritt Erdgas beigemischt werden. Allerdings braucht es zur Wasserstoff-Erzeugung viel Strom. Sinnvoll ist der Ersatz fossiler Energie nur, wenn der Strom für den Wasserstoff aus Wind, Sonne oder Wasser kommt.

Um das nötige Wissen dazu zu kombinieren, arbeiten voestalpine, Siemens und der Energiekonzern Verbund zusammen. Für Siemens geht es darum, die Wasserstoff-Anlagen marktreif zu bekommen. "Das Verfahren dazu – die Elektrolyse – ist bekannt. Hier kommt ein spezielles Modul zum Einsatz", sagt Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber geht es um das Speichern des Wasserstoffs. Strom werde innerhalb des Energiemixes an Bedeutung gewinnen: "Je mehr Wind- und Sonnenenergie in die Netze kommt, desto volatiler ist die Versorgung. Wir brauchen ein Speichermedium."

Die EU finanziert den Pilotversuch mit 12 der 18 geplanten Millionen Euro. Den Rest übernehmen voestalpine, Verbund und Siemens zu gleichen Teilen. Als wissenschaftlicher Partner ist unter anderem K1-Met dabei.

Strom von halb Österreich

In einem Jahr soll die Anlage voll laufen und in 5000 Betriebsstunden bis 2021 verschiedenste Fragestellungen klären. Die Anschlussleistung von sechs Megawatt (Kraftwerk Lambach: 14 Megawatt) zeigt, wie groß der Strombedarf ist. Die EU fordert einen Wirkungsgrad von 80 Prozent. Derzeit ist die Energiegewinnung aus Wasserstoff noch viel zu teuer: Eine Megawattstunde (MWh) Energie aus Erdgas kostet zwischen 20 und 30 Euro, eine MWh aus Wasserstoff 75 Euro.

Eder stellt klar, dass weder von der Investition noch vom Strombedarf her die Stahlwerke der voestalpine in Linz und Donawitz völlig auf Wasserstoff als Energieträger bauen können: Das würde mehr als zehn Milliarden Euro kosten und die halbe Stromerzeugungskapazität Österreichs benötigen. Aber in der Direktreduktionsanlage in Texas, die Eisenschwamm herstellt, könnte statt Erdgas Wasserstoff eingesetzt werden. Allerdings müsste eine Wasserstoff-Anlage dort 170-mal größer als die Linzer Pilotanlage sein.

Die Forschung Richtung CO2-neutralem Stahl geht weiter: In Donawitz wird in einem Mini-Elektro-Lichtbogenofen getestet, wie aus feinem Eisenerzpulver mit Wasserstoff Stahl hergestellt werden kann. 

 



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Artikel (sib) 17. April 2018 - 00:04 Uhr
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